9 Highlights zum Gallery Weekend Berlin

Gallery Weekend

Jonas Burgert, Work in Progress, 2017 / Courtesy the artist and Blain|Southern / Photo Lepowski Studios

Keine Frage: Das letzte Wochenende im April ist in Berlin für das Gallery Weekend Berlin reserviert! Häufiger als sonst sieht man an diesen Tagen schwarze Limousinen durch die Straßen fahren, Lippenstiftränder auf Rotweingläsers und zwischendurch auch mal das ein oder andere richtig gute Kunstwerk. Ihr wisst gar nicht, wo ihr anfangen sollt, weil gefühlt ALLE Galerien der Stadt gleichzeitig Vernissage feiern? Deshalb hab ich meine Highlights für euch rausgesucht!

Jonas Burgert „ZEITLAICH“
Blain|Southern, Potsdamer Straße 77-87
Vernissage: Freitag, 28. April, ab 18 Uhr

Im Hinterhof auf der „Potse“ geht es rund: Hier sind mindestens fünf Galerien angesiedelt. Die bekannteste davon ist wahrscheinlich Blain|Southern – und die beherbergt diesmal auch mein erstes Highlight: Gesalzene 22 Meter lang ist das neueste Werk „ZEITLAICH“ von Jonas Burgert, welches er in der ehemaligen Druckerei des Tagesspiegels an die Wände hängt. Wer hier alles erfassen möchte, braucht einen schmerzfreien Nacken und viel Geduld, wird dann aber mit einem kunterbunten Panoptikum aller Facetten des menschlichen Lebens belohnt!

Sibylle Bergemann
KICKEN Berlin, Loock Galerie, Reinbeckhallen
Sibylle Bergemann (1941-2010) war wohl die bekannteste Fotografin der DDR: Sie fotografierte Modestrecken und Reportagen für etliche Publikationen des Landes (natürlich auch für die Modezeitschrift „Sibylle“). Nach dem Fall der Mauer setzte sie ihre Arbeit quasi ungetrübt fort, diesmal auch in vielen Farbfotografien. Was seit 1990 entstanden ist, ist während des Gallery Weekends gleich an drei Orten zu sehen: Die Loock Galerie (Potsdamer Strasse 63) eröffnet am Donnerstag, 27. April (ab 18 Uhr) die Ausstellung „Sibylle Bergemann – Frauen. Und in Farbe.“ Weiter geht es am Freitag ab 18 Uhr bei KICKEN Berlin (Linienstraße 161 A) mit „Der Rand der Welt. Sibylle Bergemann in Dialogue“ und anderen Fotografen aus dem ehemaligen Osten. Ab 19 Uhr zeigen dann die Reinbeckhallen (Reinbeckstraße 9) „Sibylle Bergemann. Eine retrospektive Werkschau“. Es lohnt sich, diese Fotokünstlerin in ihren vielen Facetten zu entdecken!

Michael Müller
„Teil 18. Die Welt gibt es nicht!
Teil 33. Nachlass zu Lebzeiten“
Galerie Thomas Schulte, Charlottenstraße 24
Vernissage: Freitag, 28. April, ab 18 Uhr
Wie wird Kunst zu Kunst und wie können Künstler das ausdrücken? Seit 2013 beschäftigt sich Michael Müller (NICHT unser Oberbürgermeister) mit dem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil. Die beiden parallelen Ausstellungen, die während des Gallery Weekends den gesamten Galerieraum einnehmen werden, bilden den Abschluss seines vierjährigen Beschäftigungszyklus und eine persönliche Schlussfolgerung des Ganzen.

Brent Wadden
„Zerodayolds“
Peres Projects, Karl-Marx-Allee 82
Vernissage: Freitag, 28. April, ab 18 Uhr
Mit Wolle malen: Wer sich intensiv mit dem Handwerk des Webens beschäftigt merkt schnell, dass es nicht nur etwas absolut beruhigendes, sondern auch etwas künstlerisches hat, das schlanke Holzschiffchen mit ruhiger Hand durch die Kettfäden zu führen. Brent Wadden geht es in seinen Arbeiten – er webt kleine Muster und näht sie dann zu großformatigen Collagen zusammen – dabei aber nicht um die Geschichte des Handwerks, sondern vielmehr um das Hinterfragen der Tradition der Malerei. Und so haben seine Werke denn auch etwas von einem Gemälde…

Grace Weaver
„Super busy“
Soy Capitain, Prinzessinnenstr. 29
Vernissage: Freitag, 28. April, ab 18 Uhr
Schlechte Laune, verregnetes Wetter, alles Grau? Einfach mal Grace Weaver googlen! Ihre knallbunten Illustrationen und Malereien sind eine Mischung aus Pop Art und Comic, Porträt und naiver Landschaftsmalerei mit innewohnender Geschichte. Wer sich ihre Bilder anschaut, kann gar nicht anders, als sich eine Geschichte dazu zu spinnen.

Cosima von Bonin
MD72, Mehringdamm 72
Vernissage: Freitag, 28. April, ab 18 Uhr
Cosima von Bonin habe ich vor vielen Jahren ins Herz geschlossen: Ihre Installtionen beinhalten u.a. riesige Plüschhasen, lächelnde Austern aus fluffigem Kissenmaterial, erschöpfte Hummer und Patchwork-Kraken. Was sie in dieser Ausstellung genau zeigt, ließ sich vorab nicht ermitteln – aber was kann eine kleine Überraschung schon schaden?

Nicht im „offiziellen“ Programm des Gallery Weekend

 

„Zwischen Räumen“
Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum, Schloss Biesdorf
Vernissage: Donnerstag, 27. April, ab 19 Uhr
Das urbane Leben und dessen Widersprüche – ein gern genutztes Thema für eine Kunstausstellung, aber längst noch nicht abgenutzt. Die kürzlich eröffnete Galerie im Schloss Biesdorf zeigt Arbeiten von Gordon Matta-Clark, der mit seinen Installtionen die Kunst im öffentlichen Raum revolutionierte, sowie Arbeiten von zeitgenössischen KünstlerInnen, die sich auf ihn beziehen. Mit dabei sind u.a. Werke von Sibylle Bergemann, Tomás Saraceno, Simon Faithfull und dem raumlaborberlin.

Rosa Parks‘ Haus in Berlin
Atelier Ryan Mendoza, Wriezener Str. 19
Geöffnet: Freitag 18-22h, Samstag 14-22h
Damit hat Ryan Mendoza viel Aufmerksamkeit erregt: Kürzlich verschiffte er das Wohnhaus von Rosa Parks aus Detroit nach Berlin und baute es hier wieder auf. Die amerikanisch Bürgerrechtlerin, die sich in den 1950er Jahren gewehrt hatte, in einem Bus ihren Sitzplatz für einen Weißen freizumachen, hatte sich nach jahrelangen Anfeindungen mit ihrem Mann dorthin zurückgezogen. Nun drohte das Haus zu verfallen, die Nichte von Parks kaufte es für 500€ – und Mendoza brachte es nach Berlin-Gesundbrunnen!

East West Brln
ATM Gallery, Lützowstraße 6, 10875 Berlin-Tiergarten
Eröffnung: Freitag, 28. April, ab 20 Uhr
„Kurz hinter dem früheren Niemandsland des Potsdamer Platzes haben sich im ehemaligen Zonenzipfel des alten Berliner Ost-Westens zwei künstlerische Positionen zusammengefunden, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten“ – die Ausstellungsankündigung der ATM Gallery klingt wie der Beginn eines Märchens. Märchenhaft wirken passend dazu auch die Malereien von Danny Gretscher, dessen Arbeit ich seit vielen Jahren verfolge. Begleitet wird er von Emess, der sich den (Politiker-)Porträts auf Geldscheinen angenommen und sie in eine Popästhetik gebracht hat.

Ihr wollt das Programm nochmal selbst durchschauen? Hier geht es zum Gallery Weekend!

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