Ahoj Česko! Tschechische Literatur im Fokus

Tschechien

Tschechien ist Gastland der Leipziger Buchmesse 2019 – ich stelle euch Romane vor, mit denen ihr in die Literatur des Nachbarlandes einsteigen könnt.

Ich musste kurz überlegen. „Tschechische Autoren? Hmm. Milan Kundera?“ Bei einem Gespräch über die bevorstehende Leipziger Buchmesse, die wie ihre große Schwester in Frankfurt jedes Jahr die Literatur eines Gastlandes in den Mittelpunkt stellt, wurde mir klar: Mein Wissen über Romane aus Tschechien kann man bestenfalls als rudimentär bezeichnen. Natürlich ist der Schwerpunkt der Messe genau dazu da, um sich einmal über den Tellerrand hinauszulesen – ich wollte aber schon vorher mehr wissen. Was also macht tschechische Literatur aus und womit kann man anfangen, wenn man in das Thema einsteigen möchte?

Von der Zensur zum Märchen

Schaut man auf die neuere Geschichte, so hatte die Literatur in unserem Nachbarland ein halbes Jahrhundert keinen großen Einfluss: Die Tschecheslowakei stand ab 1948 unter der Herrschaft der Sowjetunion – Meinungsfreiheit gehörte hier nicht zum höchsten Gut, viele Schriftsteller sahen ihre Werke zensiert oder durften überhaupt nicht publizieren. Erst mit der so genannten „samtenen Revolution“ 1989 wendete sich das Blatt für Autor*innen, die Zensur wurde aufgehoben und die Romane schossen aus dem Boden wie Pilze.

Nun lässt sich die Literatur eines Landes ganz sicher nicht über einen Kamm scheren, doch fällt auf: in vielen Romanen spielen märchenhafte Elemente eine Rolle, es geht verwunschen, mystisch, rätselhaft zu (ähnlich der Literatur aus Litauen, das 2017 Gastland in Leipzig war) – z.B. in Das Vermächtnis der Göttinnen von Kateřina Tučková, dass sich um die weisen Frauen aus den Weißen Karpaten dreht. Jiří Mahen (der allerdings bereits 1939 verstarb) schrieb in Der Mond kurze Geschichten, die den einzelnen Mondphasen zugeordnet sind.

Viele Verlage nutzen angesichts der Buchmesse die Möglichkeit, Texte aus dem Tschechischen (neu) zu übersetzen – und mit Winterbergs letzte Reise von Jaroslav Rudiš steht sogar eine dieser Übersetzung auf der Nominiertenliste für den Preis der Leipziger Buchmesse. Damit wir gemeinsam in den Kosmos der tschechischen Literatur eintauchen können, habe ich mich auf die Suche Romanen der letzten Jahre gemacht – voilá!

Literatur aus Tschechien in deutscher Übersetzung:


Tschechisch

obere Reihe: Jaroslav Kalfař Eine kurze Geschichte der Böhmischen Raumfahrt (Klett Cotta) // Jirí Kratochvil Gute Nacht, süße Träume (Braumüller Verlag) // Vratislav Maňák Heute scheint es, als wäre nichts geschehen (Karl Rauch Verlag) // Jaroslav Rudiš Der Besuch von Herrn Horvath (Edition Tannhäuser) // Bianca Bellova Am See (Kein & Aber) //

untere Reihe: Radka Denemarková Ein Beitrag zur Geschichte der Freude (Hoffmann & Campe) // Jaroslav Rudiš Winterbergs letzte Reise (Luchterhand) // Kateřina Tučková Das Vermächtnis der Göttinnen (DVA) // Jiří Mahen Der Mond (Guggolz Verlag) // Marek Šindelka Der Fehler (Residenz Verlag) //

Gibt es weitere Romane aus Tschechien, die ihr mir empfehlen könnt?

3 Kommentare

  1. Ui, „Am See“ und die „böhmische Raumfahrt“ habe ich letztes Jahr gelesen (oder war’s 2017?) und war sehr begeistert! Ich hatte schon wieder ganz vergessen, dass ich bereits etwas von tschechischen Autoren gelesen habe 😀 Die anderen Bücher deiner Liste schaue ich mir jetzt aber mal an, danke fürs Zusammenstellen!

    Liebe Grüße
    Tina

  2. Auf ein Beitrag zur Geschichte der Freude bin ich unheimlich gespannt. Ich hatte davon bei Ruth liest gelesen und es klingt fantastisch. Ich glaube, die Autorin war auch gerade in Berlin. Oder kommt sie noch? Bin gerade unsicher. Liebe Grüße Susanne

    • Fräulein Julia

      Liebe Susanne, Radka Denemarková liest am 13. März im Literaturhaus Berlin aus ihrem Roman! 🙂

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