Auf der Suche nach dem Trend

Berlin

Berlin-Logbuch VI: Schon bei meinem letzten Besuch in dieser herrlichen Stadt sind mir beim allabendlichen umherstreifen durch die Straßen der Umgebung einige seltsame, möchtegern vor Kreativität strotzende Bars aufgefallen.

Bewegt man seinen durchtrainierten Körper die Grünbergerstrasse runter, sticht einem unweigerlich der Namen der „Unflickbar“ ins Auge, bei dem ein Freudscher Versprecher oder Verleser schon vorprogrammiert ist. Möchten die Besitzer dieses kleinen, süßen Ladens damit die Aufmerksamkeit der vorbeistreunenden potentiellen Gäste auf sich ziehen? Und was unterscheidet die ganzen „Sonderbar“ und „Wunderbar“ voneinander? Das wird wohl der ausschlaggebende Punkt sein, wenn man seine Location an einen Ort platziert, an dem sich auf 200 Quadratmetern mindestens 100 Bars befinden..

Aber nicht nur die gastronomischen Gewerbe ziehen durch ihre Kreativität die Blicke auf sich; auch andere Dienstleistungen aller Art versuchen auf Teufel komm raus, sich von der breiten Masse abzuheben. So scheint es in einem szenigen Kiez wie Friedrichshain ein absolutes No-Go zu sein, seinen Frisörladen schlicht und einfach „Frisör Susi“ oder ähnlich zu nennen – hier müssen ausgefallene Namen her wie „Volxschopf“ oder „HairVorragend“, hier muss der Name zum Programm passen, damit Ottonormalmensch nicht auf die Idee kommt, er könne sich in solch einem Laden mal eben die Spitzen schneiden lassen – nein, da muss Farbe mit ins Spiel, ausgefallene Schnitte und Formen, schließlich muss man ja zur Szene passen – und wenn man nicht aufpasst hat man womöglich bunte Punkte in den Haaren.

Überhaupt gibt es in Berlin allerlei kurioses, schließlich ist sie die Trendstadt, die Stadt die niemals schläft. So habe ich gestern beim Duschen aus dem Radio von dem so genannten „Slip-0-Mat“ erfahren, dem Kondomautomat für Frauen, falls man bei einem Disco/Barabend vorher irrtümlich zur fleischfarbenen Bauch-Weg-Hose gegriffen hat, zu später Stunde aber spontan beschließt, die Nacht nicht im eigenen Bett zu verbringen; ein Ausweg aus diesem Dilemma bietet dann nur noch der Automat, an dem man sich für schlappe sechs Euro einen schwarzen Tanga ziehen kann, natürlich in verschiedenen Größen. Und dann kann es losgehen.

Warum fühlen sich hier anscheinend alle Menschen, die sich noch im Fortpflanzungsfähigen Alter befinden dazu gezwungen, für ihre kleinen, mit viel Krimskrams und ausgefallenen, selbst zusammengenähten Kleidungsstücken vollgestellten Lädchen noch ausgefallenere Namen zu finden? Aber lassen wir ihnen den Spaß.

Playlist:
The Caesars: „Jerk it out“