Berlin liest: Die besten Literatur-Events im Februar

Literatur

Spitzt die Bleistifte: Der Literatur-Kalender für den zweiten Monat des Jahres quillt über vor tollen Veranstaltungen!

Montag, 10. bis Freitag, 14. Februar
Literaturforum im Brecht-Haus
Brecht-Tage 2020
„Der Begriff „Intervention“ wurde von Brecht nie gebraucht. Gleichwohl lassen sich viele Aspekte seiner Ästhetik darunter bündeln. Ziel der Brecht-Tage 2020 ist es, „Intervention“ als einen Kernbegriff für Brechts Ästhetik zu prüfen und kenntlich zu machen. Es soll ferner nach Vorläufern und der Tradition eines interventionistischen Theaters gefragt werden. Letztlich interessiert der Aspekt, welche Impulse von Brecht für interventionistische künstlerische Praktiken der Gegenwart ausgingen.“
Eintritt jeweils 5/3€

Montag, 10. Februar, 19.30 Uhr
Literaturhaus Berlin
Tristan Garcia Das Siebte
„Es geschieht sieben Mal: Der Ich-Erzähler stirbt und wird im selben Moment wieder geboren. Immer neu. Aber mit all den Erfahrungen und Erinnerungen seiner früheren Leben, all den Irrtümern, allen Erfolgen. Jedes Mal muss er wieder neu laufen und sprechen lernen, und warten, dass das Nasenbluten einsetzt. Nämlich immer dann wird er nach Paris gebracht zu Fran, der ein Mittel zur Blutstillung besitzt und ihn stets aufs Neue erwartet, erkennt und begleitet. Sieben Mal ist diese Freundschaft gleich und doch grundverschieden.“
Eintritt 7/4€

Dienstag, 11. Februar, 19.30 Uhr
Literaturhaus Berlin
Lucia Berlin und Fran Ross
„Lucia Berlin und Fran Ross gehören zu den wichtigsten Wiederentdeckungen der letzten Jahre. Ihre deutschen Übersetzerinnen Antje Rávik Strubel und Pieke Biermann bieten uns einen frischen Zugang zum Werk dieser zwei bedeutenden amerikanischen Autorinnen.“
Eintritt 7/4€

Dienstag, 11. Februar, 20 Uhr
Palais in der Kulturbrauerei
Bov Bjerg liest aus Serpentinen
Ein Vater unterwegs mit seinem Sohn. Ihre Reise führt zurück in das Hügelland, aus dem der Vater stammt, zu den Schauplätzen seiner Kindheit. Da ist das Geburtshaus, dort die elterliche Hochzeitskirche, hier der Friedhof, auf dem der Freund Frieder begraben liegt. Ständiger Reisebegleiter ist das Schicksal der männlichen Vorfahren, die sich allesamt das Leben nahmen: “Urgroßvater, Großvater, Vater. Ertränkt, erschossen, erhängt.” Der Vater muss erkennen, dass sein Wegzug, seine Bildung und sein Aufstieg keine Erlösung gebracht haben. Vielleicht helfen die Rückkehr und das Erinnern. Doch warum bringt er seinen Jungen in Gefahr?
Eintritt 10€/AK 12€

Mittwoch, 12. Februar, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
Ars Fioretos liest aus Nelly B.s Herz
„Im Zentrum steht Nelly B., eine historische Person, die als erste Frau in Deutschland den Pilotenschein erwarb und mit ihrem Mann eine Flugschule in Johannisthal betrieb. Nachdem ihr wegen einer Herzinsuffizienz von ihrem Arzt das Fliegen verboten wurde, landete sie bei BMW im Verkauf von Motorrädern. Und in einer neuen Liebe mit der viel jüngeren Irma.“
Eintritt 8/5€

Mittwoch, 12. Februar, 19.30 Uhr
Literaturhaus Berlin
Roland Borgards und Michael Kleeberg über Tiere
„Wo, wenn nicht bei unseren Verwandten in der Tierwelt, kommt uns die Natur körperlich und emotional so nahe? Niemals und nirgendwo sind die Menschen ohne die Tiere ausgekommen, zugleich ist das Verhältnis alles andere als eindeutig: gefürchtete Raubtiere und treue Gefährten, heiß geliebte Individuen und industriell geschlachtete Massen. Aber wie verhält sich der »blühende Nachtigallen-Wahnsinn« (H. Heine) der Romantik zu unserer Wahrnehmung von Tieren heute? Darüber sprechen der Literaturwissenschaftler Roland Borgards und der Autor und Baillys Übersetzer Michael Kleeberg mit dem Lyriker und Philosophen Asmus Trautsch.“
Eintritt 7/4€

Mittwoch, 12. Februar, 20 Uhr
silent green Kulturquartier
Jasmin Schreiber liest aus Marianengraben
„Paula braucht nicht viel zum Leben: ihre Wohnung, ein bisschen Geld für Essen und ihren kleinen Bruder Tim, den sie mehr liebt als alles auf der Welt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der sie in eine tiefe Depression stürzt. Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Herrn, erweckt wieder Lebenswillen in ihr. Und schließlich begibt Paula sich zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise, die sie beide zu sich selbst zurückbringt – auf die eine oder andere Weise.“
Eintritt 8€

Dienstag, 18. Februar, 20 Uhr
Kesselhaus / Kulturbrauerei
Kathrin Weßling liest aus Nix passiert
„Alex ist verlassen worden. Und ohne Jenny ist Berlin einfach nichts. Kurzentschlossen nimmt Alex sich eine Auszeit im Kaff seiner Kindheit. Doch statt Erholung sieht er sich mit einer Idylle konfrontiert, die keine ist, nie wirklich eine war – auf jeden Fall nicht für ihn. Statt Unterstützung gibt es Familienstreit, offene Rechnungen mit alten Freunden und vor allem Langeweile. Und Alex fragt sich, ob er die Kleinstadt eigentlich jemals hinter sich gelassen hat. Und was überhaupt Zuhause bedeutet.“
Eintritt 15€/AK 18€

Dienstag, 18. Februar, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Karin Kalisa liest aus Radio Activity
„Mit ihrer einnehmenden Stimme verfolgt die Radiomoderatorin Nora Tewes einen gewagten Plan: Sie will im Rundfunk den Mann stellen, der ihre Mutter als Kind vergewaltigte. Der Täter, ein angesehener Bürger in der Kleinstadt, lebt noch. Weil die Tat als verjährt gilt, sucht Nora nach eigenen Wegen, Gerechtigkeit herzustellen und beginnt ein gefährliches Spiel. Karin Kalisa erzählt von der Leidenschaft zum Radio und wirft Fragen nach Verantwortung und Rache auf.“
Eintritt 5/3€

Mittwoch, 19. Februar, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
Lutz Seiler liest aus Stern111
„‚Stern 111‘, ist nichts anderes als die Gerätebezeichnung eines DDR-Kofferradios aus den 1960er Jahren. Die überschaubaren Verhältnisse lösen sich nach dem Mauerfall komplett auf, denn die Kleinfamilie des Haupthelden Carl entwickelt überraschende Fliehkräfte. Seine Eltern streifen nur zwei Tage nach dem 9. November 1989 ihr altes Leben ab und verlassen das Land, um einem lang gehegten Geheimnis auf die Spur zu kommen. Carl schlingert durch das Nachwende-Berlin und gehört schon bald zu einer Gruppe, die das undefinierte Terrain des Ostens auf ihre Weise zu beherrschen versucht.“
Eintritt 8/5€

Mittwoch, 19. Februar, 19.30 Uhr
Haus für Poesie
Deutsch-deutsche Dichtung III: Ost-West-Landschaften
„Die deutsche Literaturkritik ist es immer noch gewohnt, in Kategorien von Ost und West zu denken. Damit verbunden ist eine häufig allzu klare Vorstellung davon, welche DichterInnen aus welchem Teil des Landes in ihren Texten welche Themen verhandeln sollten. Was aber ist mit jenen SchriftstellerInnen, die nach dem Fall der Mauer die „Seite wechselten“ und im vermeintlich „anderen“ Teil Deutschlands ihre Heimat gefunden haben?“ Mit Martina Hefter , Barbara Köhler und Marion Poschmann.

Mittwoch, 19. Februar, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Julia Voss liest aus Hilma af Klint. Leben und Werk 1862–1944
„Kandinsky, Mondrian, Malewitsch. Wer an die Wegbereiter der modernen Kunst denkt, denkt zuerst an diese Namen, kaum jemand jedoch an Hilma af Klint. Die schwedische Malerin, die 1862–1944 lebte, schuf über 1000 Gemälde, Skizzen und Aquarelle. Ihre abstrakten Werke stellte die Künstlerin zu Lebzeiten jedoch nicht aus. Erst 20 Jahre nach ihrem Tod durften die Werke gezeigt werden.“
Eintritt 5/3€

Mittwoch, 19. Februar, 20 Uhr
Volksbühne Berlin
Inga Humpe: Wir trafen uns in einem Garten
Ich übertreibe nicht wenn ich sage: 2Raumwohnung gehört für mich zu den wichtigsten Bands meines Lebens, die Texte begleiten mich seit mindestens fünfzehn Jahren auf Schritt und Tritt und werden immer wieder von mir zitiert. Inga Humpe, Frontfrau der Band, hat ein Buch über ihre Kindheit im Sauerland und ihr Erwachsenwerden im West-Berlin der 1980er Jahre geschrieben; an diesem Abend werden auch noch Helene Hegemann und Benjamin von Stuckrad-Barre dabei sein und besser wird’s wohl nicht!
Eintritt 14€

Donnerstag, 20. Februar, 20 Uhr
Volksbühne Berlin
Dirk von Lotzow liest aus Aus dem Dachsbau
„“Ich erzähle dir alles, und alles ist wahr.“ Mit Aus dem Dachsbau hat Dirk von Lowtzow, Sänger und Songwriter der Band Tocotronic, Anfang des Jahres eine poetische, schräge und humorvolle Enzyklopädie herausgebracht: von „Abba“ bis „Mohammed“, von „Dachs“ bis „Operettenbär“, von „Hysterie“ bis „Riten“, von „Ekstase“ bis „Idiotentest“. Er erzählt von Kindheit und Jugend, von Aufruhr und Angst, vom Tod des engsten Kindheitsfreundes, vom sehnsüchtigen Umherschweifen und seiner Sozialisation durch Popmusik, Comics und Filme.“ Klar, dass Dirk von Lotzow auch seine Gitarre und ein paar der Tocotronic-Klassiker im Gepäck hat!
Eintritt 22€

Donnerstag, 20. Februar, 20 Uhr
ocelot, not just another bookstore
Franziska Hauser liest aus Die Glasschwestern
„Franziska Hausers neuer Roman zeigt die außergewöhnliche Nähe zweier Frauen in ihren halbwegs glücklichen Lebensmitten, die in ihrem Heimatstädtchen noch immer Die Glasschwestern heißen und die der Tod ihrer beiden Lebenspartner sehr unterschiedlich vor neue Herausforderungen stellt. Während sich Dunja bereits weiter von ihrem Partner entfernt hatte, so trauern doch die Kinder sehr um ihren Vater. Saphie betrieb mit ihrem Mann ein Hotel in der Heimat der Schwestern. Dieses Hotel ist zugleich Zeitkapsel als auch Drehbühne für Figuren aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“
Eintritt frei

Dienstag, 25. Februar, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
Marion Poschmann liest aus Nimbus
„Mit festem Griff und Subtilität, Witz und Zärtlichkeit unternimmt Marion Poschmann in ihren neuen Gedichten den Versuch, Nähe und Ferne zusammenzudenken und die maßlosen Kräfte der äußeren Gegenwart in einen Raum der Innigkeit zu verwandeln. Aber wo ist innen? Die Erforschung Sibiriens vor Beginn der Industrialisierung, flüchtige Begegnungen mit Tieren oder die Verletzlichkeit von Eismassen spiegeln ebenso wie die kleinen magischen Praktiken des Alltags die Einzigartigkeit der globalen Veränderung.“
Eintritt 8/5€

Dienstag, 25. Februar, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Peter Wawerzinek liest aus Liebestölpel
„Der Ich-Erzähler in Peter Wawerzineks Roman steht kurz davor, seine erste amouröse Bruchlandung hinzulegen: Seine Kindheitsfreundin Lucretia, mit der er seit seinem dritten Lebensjahr fast jede Minute verbrachte, wird sich bald darauf lieber mit dem Fleischergesellen statt mit ihm treffen. Vom tollpatschigen Versuch, mit der widerspenstigen Sache namens Liebe klarzukommen, erzählt der Roman. Aber auch von Lebenslügen, Familiensehnsucht und -flucht.“
Eintritt 5/3€

Mittwoch, 26. Februar, 19 Uhr
Akademie der Künste, Pariser Platz
Verlag der Künste. Der Henschelverlag in der DDR
„Mit seinem Buchprogramm, das die Gebiete Musik, Film, Theater und bildende Künste gleichberechtigt neben unterhaltende Kunstformen wie Kabarett und Varieté stellte, war der Henschelverlag nicht nur in der DDR ein Unikum. Das Verlagsarchiv in der Akademie der Künste gibt Auskunft über ein Stück Kultur- und Zensurgeschichte des „Leselands“ DDR. In Dokumenten und Gesprächen werden Schlaglichter auf die Geschichte des Verlags geworfen. Mit Franziska Galek, Irina Liebmann, Christoph Links, Konstantin Ulmer u. a.“
Eintritt 6/4€

Mittwoch, 26. Februar, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Christiane Neudecker liest aus Der Gott der Stadt
„Im Berlin der 90er-Jahre inszenieren angehende Regiestudenten einer elitären Schauspielschule Georg Heyms verrätseltes Faust-Fragment. Angestachelt von ihrem prominenten Professor verstricken sie sich immer tiefer in den Gedankenlabyrinthen des genialischen Dichters. Neid und Konkurrenz entflammen, Wahn und Wirklichkeit beginnen zu verschwimmen. Dann wird ein Toter auf der Probebühne der Schule gefunden. War es Mord, Selbstmord – oder doch ein Teufelspakt?“ Der Roman gehört zu meinen Highlights 2019!
Eintritt 5/3€

Donnerstag, 27. Februar, 12.30 Uhr
Literaturhaus Berlin
Brown Bag Lunch: Unbekannte Briefe von Irmgard Keun
„Mit ihren Romanen Gilgi – eine von uns und Das kunstseidene Mädchen wurde Irmgard Keun am Ende der Weimarer Republik zur Bestsellerautorin. Sie porträtierte berufstätige neue Frauen, die unabhängig sein und sich ins Leben stürzen wollten. Doch 1933 endete die so vielversprechende Karriere Keuns, die Bücher galten den Nazis als »Asphaltliteratur «. 1936 ging sie nach Holland ins Exil. Dass sie 1940 mit gefälschten Papieren nach Deutschland zurückkehrte und verarmt und vergessen in Köln lebte, war bekannt, über ihr Schicksal bis zum Ende des Krieges wusste man hingegen so gut wie nichts. Im Nachlass von Walter Kempowski sind nun zwei Briefe aus dieser Zeit aufgetaucht, die der Archivar Matthias Meitzel im Gespräch mit Matthias Weichelt, dem Chefredakteur der Zeitschrift »Sinn und Form«, erstmals vorstellt.“
Eintritt 7/4€

Donnerstag, 27. Februar, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium
Jubiläums-Hafenrevue
„Berlins Literaturszene ist bunt! Einen Überblick gibt u. a. das Portal Literaturport.de. Schon zum 5. Mal hat dieser nun bereits seit 14 Jahren existierende Literaturhafen im Internet die Berliner Literaturveranstalter·innen eingeladen, gemeinsam im LCB einen Abend zu gestalten. Und so präsentieren sich heute in gewohnter Weise 21 Veranstalter·innen in jeweils 15minütigen, selbstgestalteten Slots auf drei verschieden Bühnen parallel.“
Eintritt 8/5€

Donnerstag, 27. Februar, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Wege durch die Mauer. Wolfgang Benz im Gespräch mit Roswitha Quadflieg und Burkhart Veigel
„Burkhart Veigel war 1961, als die Mauer durch Berlin gebaut wurde, 23 Jahre alt und studierte Medizin an der FU. Gleichzeitig wurde er einer der erfolgreichsten Fluchthelfer in Berlin. Etwa 650 Menschen verhalf er, aus der DDR zu entkommen. Er selbst entging zwei Entführungsversuchen, überlistete die Stasi und ihre Spitzel. Zusammen mit Roswitha Quadflieg hat er einen Roman über seine Karriere als Gegenspieler der Stasi und eine späte Amour fou geschrieben (»Frei«). Im Gespräch mit Wolfgang Benz berichten sie über historische Realität und literarische Fiktion der Wege durch die Mauer.“
Eintritt 5/3€