Berlin liest: Die besten Literatur-Events im Januar

Literatur

Whaaaaat… schon 2020? Während ich noch verzweifelt versuche, mich an die neue Zahlenkombi zu gewöhnen – hier meine Übersicht der Lesungen im neuen Monat.

Samstag, 4. Januar, 17 Uhr
Lettrétage
Breaking Prose: Mann ohne Hund
„G. H. H. liest im Vorfeld zu der hochroth-Verlagsparty aus einer eben erst abgeschlossenen Novelle, in der es um den Alltag einer Gegend westlich von Berlin geht, die weiterhin im Osten liegt. Für Berliner, die über ihre Stadt oder andere mit dem Flugzeug erreichbare Großstädte kaum hinauskommen, dürfte dieser Alltag ziemlich fremdartig sein. Ein Bericht vom Mond eben, wo wider Erwarten doch Menschen leben und sterben.“
Eintritt frei

Dienstag, 7. Januar, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Ulrike Draesner liest aus Kanalschwimmer
„Charles, Biochemiker, Anfang 60, wird bald pensioniert werden. Auch dann, so glaubt er, wird das Zusammenleben mit seiner Frau Maude wie gewohnt weitergehen, schließlich sind sie schon 40 Jahre zusammen. Doch Maude hat andere Ideen: Künftig soll ihr gemeinsamer Freund Silas mit ihnen in ihrem Londoner Haus leben. Gegen Maudes Traum von der ménage à trois setzt Charles seinen eigenen, radikal auf ihn selbst bezogenen: Er wird den Ärmelkanal durchschwimmen.“
Eintritt 5/3€

Mittwoch, 8. Januar, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Gregor Sander liest aus Alles richtig gemacht
„In Rückblenden erzählt Gregor Sanders neuer Roman von der Freundschaft zwischen Thomas und Daniel in der DDR. Mädchen und Musik sind wichtiger als Stasi und Politik und dominieren die Jugend der beiden Jungen. Der eine angepasst und aus bürgerlichem Haus, der andere Außenseiter und draufgängerisch. Beide spüren, wie das politische System immer weiter erodiert. Mit der Zeit leben sich die Freunde auseinander und treffen sich erst nach Jahren im heutigen Berlin wieder.“
Eintritt 5/3€

Donnerstag, 9. Januar, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Uwe Lehmann-Brauns: „Benns letzte Lieben“
„1955 beginnt eine Liebesbeziehung zwischen der jungen und selbstbewussten Journalistin Gerda Pfau und dem Schriftsteller Gottfried Benn. Sie besucht ihn in der Praxis, er sie bei ihr zu Hause. Manchmal gehen sie gemeinsam mit Benns Frau Ilse aus, die von der Affäre allerdings nichts weiß. Er schreibt ihr Briefe und kurze Mitteilungen, sie antwortet aus Gründen der Diskretion telefonisch. Kurz vor ihrem Tod übergab Gerda Pfau die Briefe von Benn dem Kulturpolitiker und Anwalt Uwe Lehmann-Brauns mit der ausdrücklichen Bitte, sie zu publizieren. Lehmann-Brauns spricht anhand dieser Dokumente über Benns Verhältnis zu Frauen.“
Eintritt 5/3€

Freitag, 10. Januar, 19.30 Uhr
Literaturhaus Berlin
Buchvorstellung: Shelagh Delaney A taste of Honey
„Delaney, die wohl wichtigste und einflussreichste Autorin der britischen Nachkriegsliteratur und Ikone der Popkultur ist im deutschsprachigen Raum fast unbekannt geblieben. Nun ist sie neu zu entdecken: Tobias Schwartz hat die Erzählungen und Theaterstücke übersetzt, darunter »A Taste of Honey«, das 1961 in der Verfilmung von Tony Richardson zum Schlüsselfilm der britischen New Wave wurde und aus Delaney im Alter von 23 Jahren eine der bekanntesten Schriftstellerinnen ihrer Zeit machte.“
Eintritt 7/4€

Montag, 13. Januar, 19.30 Uhr
Literarisches Colloquium Berlin
Andreas Maier liest aus Die Familie
„In »Die Familie«, dem siebten Band von Andreas Maiers elfteiligem Work-in-Progress »Ortsumgehung«, wird Heimatgeschichte zur Schreckensgeschichte. Sie gründet auf Lügen, Grabsteinen und den Erzeugnissen der Henninger Brauerei. Als müsste man das Zimmer verlassen, das Haus, die Straße und den Kreis – um am Ende, ob man es will oder nicht, genau dort wieder zu landen: In Friedberg in der Wetterau, im Mühlweg, im Schoß der Familie.“ Gesprächspartner sind Jörg Magenau und Frank Witzel.
Eintritt 8/5€

Mittwoch, 15. Januar, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
Weiter Schreiben Jetzt! Fady Jomar und Ulrike Almut Sandig
„Die Lyrikerin und Performerin Ulrike Almut Sandig und der in Damaskus geborene und jetzt in Berlin lebende Lyriker, Liedtexter und Journalist Fady Jomar verbindet die Liebe zu einer Dichtung im Austausch mit anderen Kunstformen, Medien und Sprachen. Seit Kurzem bilden sie ein Tandem im Projekt „Weiter Schreiben“. In ihrer ersten gemeinsamen Lesung stellen sie einige Gedichte von Fady Jomar vor – vorgetragen vom Autor im arabischen Original und in deutscher Nachdichtung von Ulrike Almut Sandig.“
Eintritt 8/5€

Donnerstag, 16. Januar, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
Kreuzberg Vibrations: Aras Örens »Berliner Trilogie« im Gespräch
„Aras Örens »Berliner Trilogie« ist eines der zentralen Werke deutscher Literatur in nicht-deutscher Sprache. Den auf Türkisch verfassten, jedoch von 1973 bis 1980 zuerst in deutscher Übersetzung im Rotbuch Verlag erschienenen drei Bänden über den Arbeiter Niyazi und seine Nachbarn in der Kreuzberger Naunynstraße gelingt im Auffächern verschiedener Biographien eine poetische Geschichte der Arbeit.“ Mit Nadire Y. Biskin, Özlem Özgül Dündar, Björn Kuhligk, Aras Ören, Jörg Sundermeier.
Eintritt 8/5€

Donnerstag, 16. Januar, 19.30 Uhr
Haus für Poesie
„Deutsch-Deutsche Dichtung: Politische Landschaften I“
„Der „Osten“ Deutschlands ist 30 Jahre nach dem Mauerfall wieder – oder immer noch – ein Mysterium. Deutsch-deutsche Dichtung nimmt den besorgten Blick von West und Ost zum Anlass, dort zu schauen, wo Wirklichkeitsaneignung zu ästhetisch geformter Sprache wird, wo so prägnant wie in keiner anderen Kunstform Begriff, Beschreibung, Meinung, Emotion, Form ineinanderfließen und wie ein Rubikwürfel vor dem Betrachter, der Leserin stehen: im Gedicht.“
Mit Durs Grünbein, Uwe Kolbe und Kerstin Preiwuß. Der zweite Teil der Reihe findet am 29. Januar mit mit Nancy Hünger, Wulf Kirsten und Kathrin Schmidt statt.
Eintritt 6/4€

Donnerstag, 16. Januar, 19.30 Uhr
Philipp-Schaeffer-Bibliothek
Anna Weidenholzer liest aus Finde einem Schwan ein Boot
„Eine ganz normale Siedlung in einer weit vom Meer entfernten Stadt. Nachbarn, wie sie jeder kennt: oben Herr Fleck, gegenüber Karla und Heinz mit ihrem Chinchilla, auch Briefträger Franz gehört dazu, ebenso wie Frau Richter, die sie alle scharf beobachtet. In Marias Café trifft sich die nachbarliche Zufallsgemeinschaft ab und an und hört die sogenannte Professorin über menschliches Verhalten referieren. In diesem Geflecht von Beziehungen finden sich Elisabeth und der Journalist Peter wieder. Er, der gerne Kartenhäuser baut und noch nie Fragen stellen konnte, ist froh über seine Anstellung im Politikressort einer neuen Zeitung. Doch als er beginnt, zu politischen Themen Stellung zu nehmen, wird er Elisabeth, die nachdenklich zu ergründen versucht, was ihr Zuhause ausmacht, zu einem Fremden.“

Dienstag, 21. Januar, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Katja Oskamp liest aus Marzahn, mon amour
„Als ihre Honorare als Schriftstellerin spärlicher wurden, ließ sich Katja Oskamp zur Fußpflegerin weiterbilden. Seitdem arbeitet sie zwei Tage die Woche in einem Salon in Marzahn, wie die anderen Peripherien Berlins, nicht gerade ein Hotspot der Literatur. Sie hat den Fußpflegestuhl zu einem Thron gemacht, auf dem Marzahner*innen sitzen und erzählen. Es sind Geschichten zum Lachen und zum Weinen, von ehemaligen Maurern, Fleischern, Krankenschwestern, Elektronikfacharbeiterinnen, Rinderzüchterinnen, Tankwartinnen und einem Ex-Funktionär.“
Eintritt 5/3€

Mittwoch, 22. Januar, 20 Uhr
Lettrétage
Drei Romane – Drei Welten. Mit Marius Hulpe, Esther de Soomer und Valeria Gordeev
„Drei Ex-Stipendiat*innen der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquium Berlin stellen ihre Erzählprojekte vor. In unterschiedlicher Weise stoßen Welten aufeinander, werden durch Erzählstränge verknüpft, verzahnen sich ineinander.“
Eintritt 3/2€

Freitag, 24. Januar, 19.30 Uhr
Literaturhaus Berlin
Texte zur Kunst: Autofiktion
„Aus Anlass der Ausgabe »Literatur« wird »Texte zur Kunst« die aktuelle Konjunktur der »Autofiktion« diskutieren. Ist diese tatsächlich ein neues literarisches Genre oder ist sie zuvor bereits im Gewande der Autobiographie aufgetreten? Gemeinsam mit den Autorinnen Violaine Huisman und Jackie Thomae werden Isabelle Graw, Brigitte Weingart und Dirk von Lowtzow die Praxis des autofiktionalen Schreibens beleuchten und hinterfragen, wie es Kunstschaffenden im Medium der Schrift gelingt, schwierige familiäre oder soziale Verhältnisse zu verhandeln.“
Eintritt 7/4€

Freitag, 24. Januar, 19.30 Uhr
Literarisches Colloquium Berlin
„Auf der Bühne des Schlafs“. Ein Abend zu Schlaf, Traum und Deutung in Lesung und Gespräch
„Monika Rinck ist die Kuratorin dieses Abends. Eingeladen hat sie die Autorin, Traumprotokollantin und Dozentin Annett Gröschner, den Dichter Durs Grünbein sowie den Cellisten und Komponisten Basilius Alawad. „Das Jahr ist jung, lasst uns auf die Träume sehen. Es geht um Träume und ihre Deutung, um Traumprotokolle und Traumjournale von Autorinnen und Autoren, und um ihren Kontext. Vielleicht sprechen wir auch über prophetische Traumgesichter und den ästhetischen Status halbbewusster Texte, über die Übergänge, immer wieder die Übergänge, die Politik des Tagtraumes, über Psychoanalyse, Feminismus, Hypnotherapie, Gesellschaftskritik und Literatur.“
Eintritt 8/5€

Montag, 27. Januar, 19.30 Uhr
Literaturhaus Berlin
Das literarische Terzett: Was ist denn hier passiert?
„Es ist Zeit zu erkunden, was denn hier wieder passiert ist:
In zwanglosem Gespräch unterhalten sich die Historiker*innen und Literaturkritiker*innen Jörg Baberowski, Jens Bisky und Elke Schmitter über Neuerscheinungen im Sachbuch und in der Belletristik. Im Zentrum des Gesprächs steht nicht Belehrung, sondern neugierig reflektierende Nachfrage zu Themen, Stoffen und Darstellungsweisen der schreibenden Zunft.“
Eintritt 7/4€

Dienstag, 28. Januar, 19.30 Uhr
Literaturhaus Berlin
Release-Party: PS: Anmerkungen zum Literaturbetrieb / Politisch schreiben
„Es gibt keine Frauen- und Minderheitenliteratur. Davon geht die jährlich erscheinende Zeitschrift »PS: Anmerkungen zumLiteraturbetrieb / Politisch schreiben« aus. Sie versammelt neben Essays und Gesprächen literarische Texte aller Genres. In der aktuellen Ausgabe erschreiben sich die Autor*innen individuelle, solidarische, theoretische und praktische Zugänge zu einer (literarischen) Welt, wie sie sein könnte: Was gibt es zu wünschen, zu tun, zu schreiben, zu denken und zu leben?“

Dienstag, 28. Januar, 20 Uhr
ocelot, not just another bookstore
John von Düffel liest aus Der brennende See
„Hannah, Tochter eines Schriftstellers, kehrt nach dem Tod ihres Vaters in die Stadt ihrer Kindheit zurück. An seinem Erbe ist sie wenig interessiert, zumal der alleinlebende und verstummte alte Mann ihr wenig hinterlassen hat. Doch als Hannah erste Schritte unternimmt, die Wohnung des Verstorbenen aufzulösen, findet sie in der Nachttischschublade das Foto einer jungen Frau. Wie nah stand die Unbekannte ihrem Vater? Wer war er wirklich?
Bald weiß Hannah: Die junge Frau heißt Julia und kämpft als Fridays-for-Future-Aktivistin um den Erhalt des Sees, in dem Hannahs Vater täglich schwamm. Doch Julia tut dies nicht nur aus politischer Überzeugung. Ihr Geheimnis ist ein anderes: Sie behauptet, die wahre Tochter des Schriftstellers zu sein.“
Eintritt 7€

Mittwoch, 29. Januar, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
„Fitter – Happier – More Productive – Literatur im digitalen Kapitalismus“
„Die zunehmenden Ansprüche der kapitalistischen Leistungsgesellschaft lassen uns kaum noch Zeit für unsere eigenen Bedürfnisse. Nicht nur unsere Arbeitsplätze, sondern auch unser Privatleben wird digitalisiert. Das, was uns erschöpft, verspricht uns auch Entspannung und Genuss – für einen kleinen Aufpreis. Drei junge Autor·innen setzen sich in ihren Texten mit dieser Problematik auseinander, stellen die sozialen Zwänge und die Heuchelei der scheinbar menschenfreundlichen Arbeitsplätze und flachen Hierarchien bloß und reflektieren die Möglichkeiten des Widerstands.“ Mit Berit Glanz, Sina Kamala Kaufmann und Artur Dziuk.
Eintritt 8/5€

Donnerstag, 30. Januar, 18 Uhr
Lettrétage
Verlagsparty: 7 years of mikrotext
„Der unabhängige Verlag mikrotext wird sieben Jahre alt und das wird in den Räumlichkeiten der Lettrétage gefeiert. Mit einer Pressekonferenz und anschließender Party wirft der Verlag einen Blick zurück und läutet das kommende achte Lebensjahr ein.“
Eintritt 5/3€

Donnerstag, 30. Januar, 19.30 Uhr
Haus für Poesie
„Nature Writing: Tierwelt“
„Am zweiten Nature-Writing-Abend sind DichterInnen zu Gast, die in der Beschreibung der Tierwelt zwischen naturwissenschaftlicher Strenge und einem kalkulierten Anthropomorphismus schwanken.“ Mit Sean Borodale, Mara-Daria Cojocaru und Andrea Grill.
Eintritt 6/4€

Foto: Siora Photography