Berlin liest: Die besten Literatur-Events im Juni

BerlinFoto: Lucrezia Carnelos / Unsplash

Tatsächlich: Im Juni finden die ersten Lesungen des Jahres 2021 in Berlin statt – und zwar analog. Aber auch online gibt es einiges zu hören.


 

Donnerstag, 3. Juni, 20 Uhr
ACUD macht neu / ONLINE
„Let’s talk about class #7: Zwischen den Stühlen“
„Die Veranstaltungsreihe Let’s talk about class widmet sich am 03. Juni im ACUD dem Thema Bildungsaufstieg. Die Autor*innen Bov Bjerg, Arno Frank und Heike Geißler sprechen mit Daniela Dröscher und Michael Ebmeyer über den Übergang von einer sozialen Klasse zu einer anderen, und über die damit verbundenen biographischen Komplikationen.“

Samstag, 5. Juni, 13.30 Uhr
Literarisches Colloquium Berlin / ONLINE
„PARATAXE SYMPOSIUM VIII. French ReConnection“
„Mit PARATAXE begeben wir uns einen Tag lang auf Spurensuche und wollen erkunden, welche französischsprachigen Autor·innen in Berlin tätig sind und welche Phänomene und Trends die frankophone Literatur hier heute auszeichnen. Außerdem: Eine vielstimmige Berliner Hommage an Françoise Cactus sowie eine abendliche Uraufführung des ersten Akts von Marie NDiayes Theaterstück »Berlin mein Junge«, der speziell für diesen Abend von Claudia Kalscheuer übersetzt wurde.“
Livestream kostenlos

Freitag 11. & Samstag, 12. Juni, verschiedene Zeiten
Literaturhaus Berlin
„Abstand“ – Literaturtage des Leibniz Zentrum für Literatur- und Kultuforschung
„Zusammenstehen heißt auch Abstandhalten. Das lehrt eine Pandemie, in der Solidarität nicht mehr über einen kräftigen Händedruck oder Bruderkuss, sondern über den Sicherheitsabstand ausgedrückt werden muss. […] In der Literatur der Gegenwart lässt sich zudem eine besondere Freude am Spiel mit Abständen zwischen einerseits distanziert-beobachtendem, andererseits immersivem Schreiben wahrnehmen. Immer wieder neu werden die Abstände zwischen Erzählstimme und Figuren vermessen, zwischen Autorschaft und Autofiktion, zwischen Vergangenheitsszenarien, Gegenwartsemphase und Zukunftsentwürfen.“ Es lesen und sprechen u.a. Jackie Thomae, Leif Randt und Lutz Seiler.
Einzeltickets je 7€/4€, Tagestickets 10€/7€

Freitag, 11. bis Freitag, 17. Juni, verschiedene Zeiten
ONLINE
22. poesiefestival Berlin
„Da liegt Europa. Wie sieht es aus? Wie ein bunt gestrichnes Irrenhaus“ schrieb Kurt Tucholsky 1932. Was bedeutet Europa heutzutage? Und welche Rolle spielt die Lyrik darin? Das erkundet das 22. poesiefestival Berlin über eine Woche lang mit verschiedenen Veranstaltungen. Highlights sind die „Weltklang – Nacht der Poesie“ (11.6.), bei der Dichter*innen aus allen Teilen der Welt in ihrer Muttersprache lesen, sowie der „Versschmuggel Belarus“ (15.6.), bei dem Lyrik aus Belarus im Mittelpunkt steht.
Einzeltickets kosten 3€, ein Festivalticket 19€

Montag, 14. Juni, 19.00 Uhr
Pfefferberg Theater
Steffen Kopetzky liest aus Monschau
„Im Jahr 1962, als das nukleare Wettrüsten seinen Höhepunkt erreicht, als in Algier und Paris Bomben explodieren, bricht im Wirtschaftswunder-Deutschland der junge Mediziner Nikolaos Spyridakis in die Eifel auf. Es ist eine heikle Mission: Im Kreis Monschau sind die Pocken ausgebrochen, hochansteckend und lebensgefährlich. Mitten im Karneval droht nun Stillstand, Quarantäne.“
Tickets 10€, AK 12€

Mittwoch, 16. Juni, 18.30 Uhr
Deutsches Architekturzentrum Berlin
Heinz Bude, Bettina Munk, Karin Wieland lesen aus Aufprall
„No Future“: Unter dieser Parole besetzt eine Gruppe junger Leute Anfang der Achtzigerjahre ein Haus in Kreuzberg. Aufbruchsstimmung wechselt mit inneren Streitigkeiten unter der ständigen Bedrohung durch die Staatsgewalt. Bis bei einem Unfall eine Besetzerin ums Leben kommt. Aufprall spielt in einer Welt von Punk, Straßenschlachten, AIDS, Drogen, rauer Kunst und wilden Theorien, bloßem Sex und tiefer Zuneigung, zu einer Zeit, die keine Kompromisse kannte. (Hier geht es zu meiner Besprechung des Romans)

Mittwoch, 16. Juni, 19 Uhr
Literaturhaus Berlin
Ingo Schulze liest aus Tasso im Irrenhaus
„Ein Schriftsteller-Dissident flieht aus der Öffentlichkeit, um sein Leben zu retten. Mit einer Behauptung verwickelt ein Schweizer Verleger unseren Erzähler vor Delacroix‘ ›Tasso im Irrenhaus‹ in ein ambivalentes Gespräch, das für einen Moment seltener Klarheit sorgt. Und in einem Berliner Hospiz hält der Maler Grützke fröhlich Hof, womit er die ängstlichen Besucher überrascht und ihnen Stunden von glücklicher Intensität beschert.“
Tickets 7€/4€

Mittwoch, 16. Juni, 19 Uhr
Pfefferberg Theater
Rebekka Kricheldorf liest aus Lustprinzip
„Berlin, mitten in den Neunzigern. Die Stadt liegt da wie eine utopische Verheißung, offen für alle: für Fabian, den drogenaffinen Partyhengst, den dichtenden Alki Lennard, die depressiv-hysterische Lily, verkrachte Bildungsbürgerkinder und Hausbesetzer, die in verschiedenen Lebens- und Kunstdisziplinen vor sich hin dilettieren. Zwischen ihnen treibt Larissa durch die Stadt, geflüchtet aus der Provinz, möchte irgendwie studieren, ist aber auch auf der Suche nach vielfältigen Objekten ihres Begehrens: Sie träumt von dem Einen, Unerreichbaren, folgt Verlockungen am Wege, versucht sich in gesunder Zweisamkeit und verzehrt sich in einer schweren sexuellen Obsession – wie lange kann das alles gutgehen?“
(Hier geht es zu meiner Besprechung des Romans)

Freitag, 18. Juni, 11 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin / ONLINE
„Wer spricht? Literaturübersetzung zwischen kolonialem Erbe und Political Correctness“
„Wer spricht beim Übersetzen? Wo stecken Literaturübersetzer·innen in den von ihnen übersetzten Texten? Welche Verantwortung tragen sie für das Werk? Wie gehen sie mit rassistischer Figurensprache um, wie mit umstrittenen Autor·innen? Ist alles sagbar und von allen? Gibt es Gestaltungskriterien, die außerhalb des Textes liegen?“
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Mittwoch, 23. Juni, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium / ONLINE
„Land unter im Häusermeer. Urbane Diskurse und Interventionen“
„Wer sich Leben und Arbeit in der Stadt nicht mehr leisten kann, wird abgedrängt und von der Teilhabe an ihrem Möglichkeitsreichtum abgeschnitten. Wie könnte eine gerechtere Zukunft der Stadt aussehen – an welchen Bruchstellen können progressive Diskurse und ein urbaner Aktivismus ansetzen?“
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