Berlin liest: Die besten Literatur-Events im März

Literatur

Ob die Leipziger Buchmesse nun stattfindet oder nicht: Gelesen wird (vorerst) trotzdem viel, vor allem live in Berlin.

Dienstag, 3. März, 19.30 Uhr
Literaturhaus Berlin
Irina Liebmann liest aus Große Hamburger Straße
Berlin verändert sich rasant: der »Stadtentwicklungsplan 2030« sieht den Neubau von knapp 200.000 neuen Wohnungen vor und der historische Kern der Stadt scheint immer kleiner zu werden. Die Große Hamburger Straße in der alten Mitte Berlins wirkt darin geradezu zerbrechlich. […] Im vorliegenden Roman fasst die große Berlinchronistin ihr Werk über die Mitte Berlins zusammen: Ein rätselhaftes Buch voller Liebe und Abschied über unser aller Berlin.“
Eintritt 7/4€

Dienstag, 3. März, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Tobias Schwartz liest aus Vogelpark
„Emlichheim, 1985: Noch bestimmen Schlagbäume die deutsch-niederländische Grenze und Zöllner kontrollieren die Papiere. Die Ehe von Jonas‘ Eltern ist kaputt. Zudem lauern dem Neunjährigen ständig Nachbarsjungen auf, um ihn zu verprügeln, und der Grund, weshalb er nicht zur Schule muss, ist ein schlimmer Asthmaanfall. Um all der Tristesse zu entfliehen, verfolgt Jonas den fantastischen Traum, einen Vogelpark zu errichten — und zwar im Garten seines dörflichen Zuhauses.“
Eintritt 5/3€

Dienstag, 3. März, 20 Uhr
Lettrétage
Joshua Groß liest aus Flexen in Miami
„Auf Einladung der Rhoxus Foundation verschlägt es den Erzähler Joshua nach Miami. Dort findet er sich in einem smarten Apartment wieder: Geld und Astronautennahrung werden von einer Drohne geliefert, die Temperatur automatisch reguliert, der Kühlschrank ist sein einziger Gesprächspartner. Das Computerspiel ‚Cloud Control‘ bietet die einzige Abwechslung, es speist sich in Echtzeit aus den Daten der Gamer. Bei einem NBA-Spiel trifft Joshua die Meeresbiologin Claire, und die beiden reisen nach wenigen Wochen nach Nassau, wo Claire ihm eröffnet, dass sie schwanger ist, jedoch offenlässt, ob das Kind von ihm ist.“
Eintritt 5/3€

Dienstag, 3. März, 20 Uhr
Georg Büchner Buchladen
Georg Sawatzky Wir selbst – vorgestellt von Carsten Gansel
„Gerhard Sawatzkys großer Gesellschaftsroman »Wir selbst« erzählt von einer untergegangenen Welt, nämlich der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen. Diese wurde 1918 – u.a. auf Betreiben Ernst Reuters – gegründet, bis zu ihrem Ende 1941 ein höchst wechselvolles Schicksal erfuhr. Sein Autor, Gerhard Sawatzky, der als wichtigster Literat der Wolgadeutschen galt, wurde verhaftet, zu Zwangsarbeit verurteilt und starb in einem Lager in Sibirien, das Buch wurde verboten und vernichtet. Doch Sawatzkys Witwe gelang es, bei der Deportation nach Sibirien unter dramatischen Umständen das Urmanuskript zu retten.“*
Eintritt 10/AK12€

Mittwoch, 4. März, 19 Uhr
Akademie der Künste – Pariser Platz
Ingo Schulze liest aus Die rechtschaffenen Mörder
„Protagonist des neuen Romans von Ingo Schulze ist der hochgeachtete Dresdner Antiquar Norbert Paulini, bei dem Bücherliebhaber Schätze und Gleichgesinnte finden. Doch plötzlich verändert er sich, wird aufbrausend, unversöhnlich und steht im Verdacht, an fremdenfeindlichen Aktionen beteiligt zu sein. Ist Paulini ein Reaktionär oder ein Revolutionär, tragische Figur oder ein Mörder?“
Eintritt 6/4€

Mittwoch, 4. März, 20 Uhr
Georg Büchner Buchladen
Rétif de la Bretonne Die Nächte von Paris – Vorgestellt & gelesen von Reinhard Kaiser
„Zwanzig Jahre lang hat der »Nächtliche Zuschauer« Rétif de la Bretonne damit zugebracht, nach Sonnenuntergang die damals größte Stadt der Welt zu erkunden: Paris. In einem an Tausendundeine Nacht erinnernden Rahmen präsentiert er die merkwürdigsten seiner Erlebnisse und Begegnungen den Lesern. Reinhard Kaiser präsentiert im Georg Büchner Buchladen eine Auswahl der bedeutendsten Texte aus seiner neuen Übersetzung.“
Eintritt 10/AK12€

Donnerstag, 5. März, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
Anne Weber liest aus Annette, ein Heldinnenepos
„Annette Beaumanoir ist eine außergewöhnliche Frau: 1923 in der Bretagne geboren, seit ihrer frühen Jugend Teil der Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher, nach dem Krieg Neuropsychologin und Unterstützerin der Unabhängigkeitsbewegung in Algerien, weswegen sie zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt wird. Ihr ganzes Leben lang ist sie bereit, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um Ungerechtigkeit zu bekämpfen und den Benachteiligten Hilfe zu leisten. In ihrem neuen Buch erzählt (oder besser: besingt) Anne Weber das Leben dieser wahren, immer noch lebenden Heldin.“
Eintritt 8/5€

Donnerstag, 5. März, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Peter Walther liest aus „Fieber. Universum Berlin 1930-1933“
„Berlin ist 1930 die glanzvolle Metropole des neuen Europas. Nirgendwo sonst liegen Verschwendung und Elend so dicht beieinander. Wie ein Roman liest sich Peter Walthers authentische Schilderung der Lebenswege von zehn Protagonist*innen jener Jahre – u. a. vom jüdischen Hellseher Erik Jan Hanussen, der die Berliner SA-Führung zu „Weekend-Fahrten“ auf seiner Luxusyacht „Ursel IV“ einlädt; von Heinrich Brüning, eben noch Kanzler des Deutschen Reichs, der am Abend seiner Entlassung mit seiner Patentochter „Mensch ärgere Dich nicht“ spielt; oder von Dorothy Thompson, die Hitler interviewt.“
Eintritt 5/3€

Montag, 9. März
Kunst-Buch Kollwitzplatz
Unda Hörner lieset aus Am Horizont der Meere. Gala Dalí
„1912: Die blutjunge Helena Diakonova aus Moskau und der angehende Dichter Paul Éluard lernen sich im Luftkurort Davos kennen. Gala, wie Helena sich fortan nennt, folgt dem Geliebten mitten in den Kriegswirren nach Paris, sie heiraten und bekommen eine Tochter. Doch schon bald zieht es Gala in die Boheme-Kreise, sie wird zur Muse der Surrealisten und zelebriert eine Ménage-à-trois mit Paul und Max Ernst.“
Eintritt 8/AK10€

Dienstag, 10. März, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
Ingo Schulze liest aus Die rechtschaffenen Mörder
„Im Dresdner Stadtteil Blasewitz lebte einst ein Antiquar, der wegen seiner Bücher, seiner Kenntnisse und seiner geringen Neigung, sich von den Erwartungen seiner Zeit beeindrucken zu lassen einen unvergleichlichen Ruf genoss.“
Eintritt 8/5€

Dienstag, 10. März, 19.30 Uhr
Literaturhaus Berlin
Helena Janeczek liest aus Das Mädchen mit der Leica
„In ihrem preisgekrönten Roman gelingt es der deutsch-italienischen Autorin Helena Janeczek, die vergessene Geschichte der Kriegsfotografin Gerda Taro nachzuerfinden, und setzt ihr damit ein berührendes, weit über die sensationellen Fakten hinausreichendes literarisches Denkmal.“
Eintritt 7/4€

Mittwoch, 11. März, 19.30 Uhr
Haus für Poesie
Nora Gomringer liest aus Gottesanbieterin
„Den Gedichten über popkulturelle Mythen und „Monstruationen“ folgen hier Texte über Glauben, Tod und Tinder. Wie immer bei Gomringer wird das Schwere auf spielende Weise leicht, Trauer verbindet sich wie selbstverständlich mit widerständigem Humor.“
Eintritt 6/4€

Mittwoch, 11. März, 19.30 Uhr
Literaturhaus Berlin
Tine Høeg liest aus Neue Reisende
„Ob es nun »sensibler Minimalismus« oder eher »subtile Situationskomik« ist, was Tine Høegs gefeierten dänischen Debütroman auszeichnet, mag dahingestellt bleiben: so rasch, rhythmisch und mitreißend erzählt sie eine Geschichte über das Dasein einer jungen Lehrerin, die auf dem Weg zur Arbeit, genauer: auf der Zugtoilette, eine Affäre mit einem verheirateten Mann beginnt.“


Um die Ausbreitung des Corona-Virus in Berlin zu verhindern, sind seit dem 14. März alle Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern untersagt; auch viele kleinere Lesungen wurden abgesagt.