Berlin liest: Die besten Literatur-Events im Oktober

Literatur

Ende Oktober findet nach zwei Jahren wieder die Frankfurter Buchmesse statt. Wer nicht hinfährt, kann aber auch in Berlin viele Autor*innen lesen hören. Meine Übersicht!

Montag, 4. Oktober, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
Wolfgang Hilbig – Die Lyrik
„Am 31. August wäre Wolfgang Hilbig 80 Jahre alt geworden. Hilbig, der aus eine Bergarbeiterfamilie aus dem sächsisch-thüringischen Braunkohlegebiet stammte, war vielleicht die stärkste poetische Stimme aus der ehemaligen DDR. An diesem Abend mit Anja Kampmann, Nico Bleutge und Alexandru Bulucz soll in Lesung und Gespräch der lyrische Kosmos des 2007 verstorbenen Autors erforscht werden.
Tickets 8/5€

Montag, 4. Oktober, 20 Uhr
Tipi am Kanzleramt
Pascale Hugues liest aus Mädchenschule
„Zwölf Mädchen. Sie alle schreiben 1968 in das Poesiealbum von Pascale Hugues. Die Adjektive, mit denen sie dichten, lauten klein, süß, bescheiden. Niemals stolz, mutig, ehrgeizig. Diese Eigenschaften sind nur für Männer vorgesehen. 50 Jahre später macht sich Pascale Hugues auf die Suche nach diesen Mädchen, erzählt von ihren Leben als Frauen. Und porträtiert eine Generation“
Tickets ab 12,50€

Dienstag, 5. Oktober, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Deutsch-deutsche Asymmetrien„: Christoph Dieckmann liest aus Woher sind wir geboren & Ulf Erdmann Ziegler aus Eine andere Epoche
„Auch ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung ist das kulturelle Gespräch in der neuen Bundesrepublik Deutschland von asymmetrischen Erfahrungen und Wahrnehmungen geprägt. Doch nicht nur die DDR, auch die alte Bundesrepublik hat ihr vielgestaltiges Ende gefunden. Während aber die Aufarbeitung der DDR sehr weit fortgeschritten ist, fehlt es an einer vergleichbar dichten Beschäftigung mit der alten Bundesrepublik. Christoph Dieckmann und Ulf Erdmann Ziegler lesen aus ihren aktuellen Büchern und sprechen über deutsch-deutsche Kulturgeschichte als „Beziehungsgeschichte“.“
Tickets 5/3€

Donnerstag, 7. Oktober, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Hannes Köhler liest aus Götterfunken
„Der Spanier Toni, der Franzose Germain und der Deutsche Jürgen treffen sich Mitte der 1970er Jahre in Barcelona, entschlossen, Widerstand gegen das faschistische Franco-Regime zu leisten. Ihr Anschlag gelingt, doch jemand muss sie verraten haben. Germain kann fliehen, Toni wird festgenommen und verurteilt. Als Toni Jahre später den Deutschen auf der Hochzeit seiner Tochter gesehen zu haben glaubt, will er endlich wissen, was damals geschehen ist.“
Tickets 5/3€

Dienstag, 12. Oktober, 20 Uhr
Palais in der Kulturbrauerei
Jenny Erpenbeck liest aus Kairos
„Zur Musik des Brahms‘schen Requiem und desjenigen von Mozart lernen sich Katharina und Hans kennen. Sie ist 19, er Anfang 50, hat Familie und bereits ein Verhältnis. Er ist Schriftsteller, sie in der Setzer-Lehre. Hans und Katharinas Eltern bewegen sich im intellektuellen Milieu der DDR. Bachs Musik, Brechts Gedichte, Hanns Eislers Texte verbinden sie, genauso wie die Figuren der griechischen Mythologie. Irgendwann, Katharina ist in Frankfurt/Oder am Theater, kommt die Beziehung ins Rutschen. Mit aller Kraft zieht der Strudel sie in den Abgrund.“
(Hier findet ihr meine Besprechungd es Romans)
Tickets 10/AK 12€

Mittwoch, 13. Oktober, 20 Uhr
Pfefferberg Theater
Julia Franck liest aus Welten auseinander
„Julia wird in Ostberlin geboren. Sie ist acht, als ihre Mutter sie und die Schwestern in den Westen, erst ins Notaufnahmelager Marienfelde und dann nach Schleswig-Holstein mitnimmt. In dem chaotischen Bauernhaus kann die Dreizehnjährige nicht länger bleiben und zieht aus, nach Westberlin. Neben der Sozialhilfe verdient die Schülerin Geld mit Putzen, sie lernt ihren Vater kennen und verliert ihn unmittelbar, macht ihr Abitur und begegnet Stephan, ihrer großen Liebe. Wenn sie sich erinnert, ist es Gegenwart.“
Tickets 13/AK 15€

Donnerstag, 14. Oktober, 19 Uhr
Literaturhaus Berlin
Emine Sevgi Özdamar liest aus Ein von Schatten begrenzter Raum
„Mit Die Brücke vom Goldenen Horn schuf Emine Özdamar vor knapp 25 Jahren einen scheinbar klassischen Migrantenroman, dessen hervorstechendes Merkmal eine unbändige Lebensfreude war. Nun wendet sie noch einmal den Blick auf den Weg von der Türkei nach Europa: Nach dem Putsch 1971 flieht die Erzählerin aus Istanbul übers Meer nach Europa, um Schauspielerin zu werden. Inmitten des geteilten Berlin, auf den Boulevards von Paris, im Zwiegespräch mit bewunderten Dichtern und Denkern, scheinen Kunst, Politik und Leben uneingeschränkt vereinbar. Aber wie stellt sich dieses freie Europa heute dar: Womöglich als ein von Schatten begrenzter Raum?“
Tickets 7/4€

Donnerstag, 14. Oktober, 19 Uhr
Buchhandlung Geistesblüten
Marieke Lucas Rijnefeld liest aus Mein kleines Prachttier
„Dies ist die Geschichte eines Tierarztes und seiner ‚Auserwählten‘ – der jungen Tochter eines Bauern, auf dessen Hof der Arzt von jeher die Kühe behandelt. Eines Sommers finden die beiden zueinander. Er will vor einem Trauma und seiner Einsamkeit fliehen, für sie ist es die Flucht aus der Provinz in eine aufregende Fantasiewelt. Bei ihm kann sie sein, wer und was sie will. Der Sommer schreitet voran, und die beiden entwickeln eine immer gefährlichere Faszination füreinander.“
Tickets 12€

Montag, 18. Oktober, 20 Uhr
Pfefferberg Theater
Angelika Klüssendorf liest aus Vierundreißigster September
„Ein Dorf in Ostdeutschland: Walter, ein zorniger Mann, erschlagen in der Silvesternacht von Hilde, der eigenen Frau. Nur kurz vor seinem Ende war er plötzlich sanft und ihr zugewandt. Dann ein Friedhof: Die Toten studieren die Lebenden. Walter wird zum Chronisten, sieht sich dazu verdammt, die Schicksale im Dorf festzuhalten. Und er fragt nach dem Warum. Was war der Grund für Hildes Tat? Geschah es aus Hass oder aus Barmherzigkeit?“
Tickets 11/AK 13€

Montag, 18. Oktober, 20 Uhr
Volksbühne / Roter Salon
Maren Wurster liest aus Papa stirbt, Mama auch
„Der Vater liegt auf der Intensivstation, die demenzkranke Mutter wird in einem Pflegeheim betreut. Dazwischen steht die Tochter, selbst Mutter eines kleinen Kindes, und muss sich kümmern, weiß aber nicht, wie. Sie fängt an, sich zu erinnern: an ihre Kindheit, an das Ferienhaus in Spanien, aber auch an die Sucht des Vaters und die Unnahbarkeit der Mutter. Und während sie das Leben der Eltern vom Moment des Sterbens aus erzählt, begreift sie nach und nach, was die beiden eigentlich für Menschen waren, was für ein Mensch sie selbst geworden ist.“
Tickets 8€

Dienstag, 19. Oktober, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium
Stoffe: Freundschaft. Mit Daniel Schreiber, Kristof Magnusson und Isabel Bogdan
„Im Rückgriff auf eigene Erfahrungen, philosophische und soziologische Ideen ergründet Daniel Schreiber diesmal das Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch nach Rückzug und Freiheit und dem nach Nähe, Liebe und Gemeinschaft. Insbesondere leuchtet er aus, welche Rolle Freundschaften dabei spielen. Ein perfekter Anlass, um mit Isabel Bogdan und Kristof Magnusson darüber zu sprechen. Denn zum einen beschäftigen sich auch die beiden Kolleg·innen in ihren Büchern immer wieder mit Freundschaften, zum anderen sind unsere drei Gäste auch im echten Leben miteinander befreundet.“
Tickets 8/5€

Dienstag, 19. Oktober, 20 Uhr
Buchhandlung ocelot
Kirsty Bell liest aus Gezeiten der Stadt. Eine Geschichte Berlins
„Von ihrem Zimmer am Landwehrkanal aus hat die britisch-amerikanische Kunstkritikerin Kirsty Bell einen besonderen Blick auf die Stadt, in der sie seit 20 Jahren lebt. Von Walter Benjamin zu Rosa Luxemburg, von Gabriele Tergit zu Hannah Arendt und hin zu den Bewohner*innen ihres eigenen Gründerzeithauses lässt Kirsty Bell die Menschen sprechen.“
Tickets 5€

Freitag, 22. OKtober, 20 Uhr
Brotfabrik
PARATAXE pre­sen­ta­ti­on. Mit Dilek Maya­türk und Tomer Gar­di
„In wel­chen Spra­chen schreibt Ber­lin? Ber­li­ner Autor*innen, die in ande­ren Spra­chen als Deutsch schrei­ben, wer­den in Lesung, Gespräch und deut­schen Über­set­zun­gen vor­ge­stellt. Dies­mal mit Dilek Maya­türk (Türkei/Berlin) und Tomer Gar­di (Israel/Berlin). Durch den Abend führt Mar­tin Jan­kow­ski.“
Tickets 5/3€

Montag, 25. Oktober, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
Colm Tóibín liest aus Der Zauberer
„Im Mittelpunkt steht nun Thomas Mann – »Der Zauberer« (aus dem Englischen von Giovanni Bandini, Hanser, 2021), wie er von seinen Kindern genannt wurde. Wie viele Gesichter hatte er, der sein Gefühlsleben verborgen hielt, zerrissen zwischen homosexuellem Begehren und familiärem Pflichtgefühl, zwischen Bürgerlichkeit und künstlerischer Askese?“
Tickets 8/5€

Dienstag, 26. Oktober, 12.30 Uhr
Literaturhaus Berlin
Kirsty Bell liest aus Gezeiten der Stadt. Eine Geschichte Berlins
„Von ihrem Zimmer am Landwehrkanal aus hat die britisch-amerikanische Kunstkritikerin Kirsty Bell einen besonderen Blick auf die Stadt, in der sie seit 20 Jahren lebt. Von Walter Benjamin zu Rosa Luxemburg, von Gabriele Tergit zu Hannah Arendt und hin zu den Bewohner*innen ihres eigenen Gründerzeithauses lässt Kirsty Bell die Menschen sprechen.“
Tickets 7/4€

Dienstag, 26. Oktober, 20 Uhr
Pfefferberg Theater
Judith Herrmann liest aus Daheim
„Ihre Tochter ist eine Reisende, unterwegs in der Ferne. Ihrem Exmann schreibt sie kleine Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht, in diesem neuen Leben am Meer und im Norden. Sie richtet sich ein Haus ein, schließt vorsichtige Freundschaften, versucht eine Affaire, fragt sich, ob sie heimisch werden könnte oder ob sie weiterziehen soll. Judith Hermann erzählt von einer Frau, die vieles hinter sich lässt, Widerstandskraft entwickelt und in der intensiven Landschaft an der Küste eine andere wird.“
Tickets 13/AK 15€

Mittwoch, 27. Oktober, 17:30 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Dana Grigorcea im Gespräch mit Carola Opitz-Wiemers
„Mit ihrem Roman Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit erweist sich Dana Grigorcea als eine Autorin, die virtuos die Kunst des Erinnerns beherrscht: Viele Passagen ihres Romans lesen sich wie ein Flanieren als Gedächtniskunst aus weiblicher Perspektive. Das Buch handelt von der Wiederbegegnung mit der Stadt ihrer Kindheit, die bis heute immer noch etwas stiefmütterlich behandelt wird: Bukarest, „Paris des Ostens“.“
Tickets 5/3€

Donnerstag, 28. Oktober, 18 Uhr
Literaturhaus Berlin
„Shared Heritage – Niederschlesien erzählen“. Mit Olga Tokarczuk
„In den Erzähltexten der polnischen Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk wird Niederschlesien/Dolny Śląsk zu einem literarischen Imaginationsraum, der gleichermaßen märchenhafte wie unheimliche Züge trägt. Über die poetischen, mythischen und nicht zuletzt auch die politischen Dimensionen ihres Niederschlesien-Bildes kommt Olga Tokarczuk mit Olga Mannheimer ins Gespräch.“

Donnerstag, 28. Oktober, 19.30 Uhr
Brotfabrik
Markus Ostermair liest aus Der Sandler
„Karl Maurer, die obdachlose Hauptfigur in „Der Sandler“, mäandert durch die Stadt, besucht Suppenküchen und Kleiderkammern. Manch­mal wird er von den Bildern seines früheren Lebens eingeholt – von Bildern seiner Frau und seiner Tochter, aus der Zeit als Mathe­matiklehrer, und jenem Kind, das ihm vors Auto lief. Auch Karls Freund Lenz durchstreift die Stadt. Er ist Zettelschreiber und Utopist, und spürt, dass es mit ihm zu Ende geht. Er sucht Karl, um ihm seine unfertigen Notizen und den Schlüssel zu einer geerbten Wohnung zu vermachen.
Tickets 5/3€

Donnerstag, 28. Oktober, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Iris Wolff im Gespräch mit Michaela Nowotnick
„In Die Unschärfe der Welt erzählt Iris Wolff mit großer poetischer Kraft die Brüche des 20. Jahrhunderts als Familiengeschichte. Heimat ihrer Figuren sind die in Rumänien liegenden Regionen Siebenbürgen und Banat, die gezeichnet sind von Ereignissen wie dem Zweiten Weltkrieg, dem Sturz des Ceaușescu-Regimes oder der Abwanderung der deutschsprachigen Bevölkerung.“
Tickets 5/3€