Berlin liest: Die besten Literatur-Events im September

LiteraturFoto: Annie Spratt / Unsplash

Wir sind noch lange nicht wieder beim Normalbetrieb angekommen: Wer eine Lesung besuchen möchte, muss sich schnell ein Ticket sichern! Hier kommt meine Übersicht.



Dienstag, 1. September, 19 Uhr

Literaturforum im Brecht-Haus (Nur als Livestream!)
Max Czollek: Gegenwartsbewältigung
„Für Max Czollek bieten staatstragende Konzepte wie „Leitkultur“ oder „Integration“ keine Antworten auf die politischen und gesellschaftlichen Fragen unserer Gegenwart. Nach „Desintegriert Euch!“ (2018) trifft seine neue Polemik ins Herz des Jahres 2020. Czollek untersucht, warum sich „bestimmte Annahmen kultureller Dominanz einer radikal gewandelten gesellschaftlichen Realität zum Trotz beständig halten“. Wie kann ein wirklich solidarisches Zusammenleben gelingen? Ein Manifest für die plurale Gesellschaft.“

Mittwoch, 2. September, 19 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Ulrike Almut Sandig liest aus Monster wie wir
„Ruth wächst in einem Pfarrhaus in der ostdeutschen Provinz auf. Zu ihrem besten Freund Viktor besteht eine traurige Parallele: die Erfahrung körperlicher und sexueller Gewalt. Doch hier, wo der Braunkohleabbau ganze Dörfer und Wälder verschlingt und der politische Umbruch des Jahres 1989 die Biografien der Menschen ins Wanken bringt, hilft man sich am besten selbst. Viktor macht jeden Tag Sit-ups und rasiert sich eine Glatze. Für ihn ist es überall besser als zu Hause. Und Ruth flüchtet sich ins Geigenspiel. Doch ständig werden sie von Gewalt eingeholt.“
Eintritt 5/3€

Mittwoch, 2. September, 19 Uhr
Literaturhaus Berlin
Leonhard Hieronymi liest aus In zwangloser Gesellschaft
„Kritik am Erinnerungs-Kulturtourismus? Oder alles ironisch? Und vor allem: Wer ist eigentlich der Trottel in diesem Text? Diese Fragen wurden während der Jury-Diskussion um den Bachmannpreis aufgeworfen, für den Leonhard Hieronymi in diesem Jahr nominiert war, und geben einen kleinen Einblick in die Vielschichtigkeit und Rasanz seines Debütromans: ein verrückter Roadtrip quer durch Europa zu halb oder ganz vergessenen Schriftstellergräbern – und den Geschichten, die von den Friedhöfen in die Gegenwart führen.“
Eintritt 7/4€

Donnerstag, 3. September, 19 Uhr
Literaturhaus Berlin
„Das Romanische Café“ – Lesung und Vortrag
Das Café Arco in Prag, das Griensteidl oder Central in Wien, das Greco in Rom, das Le Deux Magots oder Le Dôme in Paris – in diese Aufzählung illustrer europäischer Künstlercafés gehört ohne Zweifel auch das Berliner Romanische Café, das seine Blüte in der Weimarer Republik erlebte. Zu Gehör gebracht wird eine Auswahl von Texten, die das Romanische Café thematisieren. Es liest der Sprecher und Schauspieler Nico Birnbaum. Begleitender Vortrag von Sebastian Januszewski.“
Eintritt 7/4€

Montag, 7. September, 20 Uhr
Akademie der Künste, Pariser Platz
Kerstin Hensel liest aus Regenbeins Farben
„Auf einem Friedhof in der Nähe der Einflugschneise eines Flughafens treffen sich regelmäßig drei Frauen, um die Grabstätten ihrer verstorbenen Männer zu pflegen: eine kapriziöse Industriellengattin, eine 80jährige Kunstprofessorin und die bescheidene, im Abseits des Kunstbetriebs wirkende Malerin Karline Regenbein. Eines Tages taucht der auch seit kurzem verwitwete Galerist Eduard Wettengel dort auf. Und plötzlich kommt Leben in die Trauergemeinschaft und die komischsten Verwicklungen nehmen ihren Lauf.“
Eintritt 6/4€

Dienstag, 8. September, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
Marcel Beyer liest aus Dämonenräumdienst
„„Hildegard Knef steigt ins Auto. Rudolph Moshammer trägt seinen Yorkshire Terrier durch München. S. T. Coleridge macht einen Witz über Köln. Kunstwerke verschwinden. Etwas rüttelt am Fenster. (…) Am Wertstoffhof läuft Musik. Elvis fegt noch einmal die Einfahrt.“ So kündigt der Suhrkamp Verlag den neuen Gedichtband »Dämonenräumdienst« von Marcel Beyer an. Der 173 Seiten umfassende Band des Büchnerpreisträgers von 2016 besteht aus jeweils zehn Strophen à vier Versen.“
Eintritt 8/5€ (Online-Übertragung kostenlos)

Mittwoch, 9. September – Samstag, 19. September
diverse Zeiten & Orte
Internationales Literaturfestival Berlin
Der Herbst beginnt und mit ihm kommt das internationale Literaturfestival Berlin, wie immer mit einer ziemlich breit gefächerten Auswahl an Lesungen. Mit dabei sind (wenn auch nicht alle physisch vor Ort) u.a. Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, Isabel Allende, Zaia Alexander, Nora Bossong, Sheila Heti, Thomas Hettche, Daniel Kehlmann, Sumana Roy, Leif Randt, Ingo Schulze, Christian Schultzeis, Eva Sichelschmidt, Mario Vargas Llosa… und noch etliche mehr!
Tickets 10/6€, Sonderveranstaltungen 18/15€

Mittwoch, 9. September, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
Kristof Magnusson liest aus Ein Mann der Kunst
„Das Frankfurter Wendevogel-Museum erbt ein Grundstück direkt neben dem Museumsgebäude und muss es innerhalb von fünf Jahren bebauen. Um die Besucherflut bewältigen zu können, will der Förderverein einen neuen, modernen Ausstellungsraum errichten lassen, der nur einem Maler gewidmet sein soll – dem weltberühmten KD Pratz. Pratz ist aber ein Künstler der alten Schule: den neuen Medien abgeneigt, sperrig und zu keiner Gefälligkeit bereit, lebt er zurückgezogen in einer Burg am Rhein.“ (Meine Rezension des Romans findet ihr hier)
Eintritt 8/5€

Mittwoch, 9. September, 20 Uhr
Literatur Live im Pfefferberg Theater
Monika Maron liest aus Artur Lanz
„Artur Lanz, der seinen Namen der Schwärmerei seiner Mutter für die Artus-Legende verdankt, ist kein heldenhafter Mann. Erst durch die kühne Rettung seines Hundes entdeckt er das unbekannte Glück der Opferbereitschaft. Er fragt nach dem Ursprung dieses Glücks und sucht die Wiederholung.
Charlotte Winter, die im Alter anfängt, Geschichten zu schreiben, lernt Artur Lanz zufällig kennen. Sie wird Zeugin seiner Bewährungsprobe, als er sich nach einer streitbaren politischen Äußerung seines Freundes zwischen Mut und Feigheit entscheiden muss.“
Vvk 13€/Ak 15€

Donnerstag, 10. September, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Roman Ehrlich liest aus Malé
„Alle Versuche, die Malediven vor dem steigenden Meeresspiegel zu retten, sind gescheitert, Pauschalreisende haben sich neue Ziele gesucht und der Großteil der Bevölkerung hat die Inseln verlassen. Im Gegenzug ist die Hauptstadt Malé für die kurze Zeit bis zu ihrem Untergang zur Projektionsfläche für Aussteigerinnen, Abenteurer und Utopistinnen geworden, zu einem Sehnsuchtsort zwischen Euphorie und Albtraum, in dem neue Formen der Solidarität erprobt werden und Menschen unauffindbar verschwinden.“
Eintritt 5/3€

Sonntag, 13. September, 19 Uhr
Literaturhaus Berlin
Iris Hanika liest aus Echos Kammern
„Ob es nun eher ein New York- oder ein Berlin-Buch ist, ein Reise- oder doch vor allem ein fantastischer Liebesroman, ob ein »literarisches Capriccio«, ein »Kunstroman« oder ein »vielschichtig, kunstvolles Artefakt« wie die bezauberte und bewundernde Kritik meint: Es tragen jedenfalls alle komische Namen und haben mitunter auch komische Probleme, die sich aber auflösen. Zehn Wochen verbringt die Dichterin Sophonisbe in New York und kehrt dann nach Berlin zurück, reicher an Skepsis gegenüber dem hippen Großstadtleben, aber auch an Sprache, Sprachformen, literarischen Möglichkeiten.“
Eintritt 7/4€

Dienstag, 15. September, 19 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Kerstin Hensel und Carola Opitz-Wiemers lesen aus Schmoren im Paradies
„Ort der Handlung ist ein fiktives Paradies in der Mark Brandenburg, in dem eine Poetin, eine Literaturhistorikerin sowie der intellektuell angehauchte Kater Adam zusammenleben. Die Frauen planen, gemeinsam eine „kulinarische Erzählung“ zu verfassen. Da wird philosophiert, gastrosophiert, fantasiert, gekocht, gefeiert, gedichtet und Skurriles aus persönlich Erlebtem erzählt. Kater Adam, der gern Herr im Hause wäre, nährt sich durch seine Eifersucht und den unbändigen Drang, seine eigene Katerphilosophie in das geplante Werk einfließen zu lassen. Konflikte sind vorprogrammiert.“
Eintritt 5/3€

Dienstag, 15. September, 20 Uhr
Literatur Live im Heimathafen Neukölln
Thorsten Nagelschmidt liest aus Arbeit
„In einem Kreuzberger Hostel beginnt Sheriff seine Nachtschicht und fühlt sich mal wieder wie ein schlecht bezahlter Sozialarbeiter. Im Späti nebenan erlebt Anna den dritten Überfall in diesem Jahr. An der Tür vom Lobotomy steht Ten und realisiert, dass ihm seine junge Familie durch seine Arbeitszeiten komplett zu entgleiten droht. Außerdem: Eine idealistische Notfallsanitäterin, eine zornige Pfandsammlerin und ein Drogendealer mit Zahnschmerzen, der sich fragt, ob er Freunde hat oder nur noch Stammkunden.“
Vvk 16€/Ak 19€

Donnerstag, 17. September, 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
„Literarische Aneignung. Wer darf wie über wen schreiben?“ – Vortrag Saba-Nur Cheema
Statements Ann Cotten, Ronya Othmann und Enno Stahl
„Angenommen, ein privilegierter weißer Autor erhält ein komfortables Schreibstipendium für einen Roman über eine indigene, mittellose Protagonistin. Oder eine Autorin aus Berlin-Mitte führt das Schicksal eines Obdachlosen in ihrem Roman zum Bestseller-Erfolg und räumt damit hoch dotierte Preise ab. Wann schlägt der Wunsch, für Unterdrückte, Deklassierte und Diskriminierte die Stimme zu erheben, um und wird zu einem nicht nur moralischen Problem? Welche Ansätze und Formen lassen sich unterscheiden, um über andere zu schreiben und deren Perspektiven einzunehmen?“
Eintritt 5/3€

Dienstag, 22. September, 19 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
„Berliner Theaterglanz und Tod im Exil: Die Brüder Rotter“ – Wolfgang Benz im Gespräch mit Peter Kamber
„Die jüdischen Brüder Fritz und Alfred Rotter waren in den zwanziger Jahren Chefs der größten privaten Bühnen Europas in Berlin. Die Nationalsozialisten trieben die Könige der Operette 1933 in den Konkurs. Ihre Flucht nach Liechtenstein endet tragisch, denn die Jagd der Nazis auf die „Theaterjuden“ geht weiter. Alfred Rotter kommt bei einem Überfall im April 1933 ums Leben, Fritz Rotter stirbt 1939 in einem französischen Gefängnis. Peter Kamber hat mit einem facettenreichen Porträt der Brüder Rotter Berliner Theatergeschichte geschrieben.“
Eintritt 5/3€

Dienstag, 22. September, 20 Uhr
Literatur Live im Pfefferberg Theater
Zsuzsa Bánk liest aus Sterben im Sommer
„Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und Krankenwagen, das Ziel eine Klinik in Frankfurt am Main, wo nichts mehr gegen den Krebs unternommen werden kann. Es sind die heißesten Tage des Sommers, und die Tochter setzt sich ans Krankenbett. Mit Dankbarkeit erinnert sie sich an die gemeinsamen Jahre, mit Verzweiflung denkt sie an das Kommende.“
VVk 13€/Ak 16€

Mittwoch, 23. September, 19.30 Uhr
Literarisches Colloqium Berlin
Thomas Hettche liest aus Herzfaden
„Jim Knopf, Lukas mit seiner Lokomotive, Prinzessin Li Si, Kater Mikesch und Urmel sind die Helden der Augsburger Puppenkiste; und damit auch Teil der bundesrepublikanischen Geschichte. In Thomas Hettches neuem Roman »Herzfaden« (Kiepenheuer & Witsch, 2020) betritt ein Mädchen einen Dachboden, auf dem diese Marionetten herumspringen. (…) Hettche erzählt von dem Schauspieler Walter Oehmichen, der sich von der Zerstörung nicht überwältigen ließ, sondern festhielt an der Kraft der Phantasie.“
Eintritt 8/5€

Mittwoch, 23. September, 19.30 Uhr
Literatur Live im Renaissance Theater
Volker Weidermann und Matthias Brandt lesen aus Brennendes Licht
„1941: Als Anna Seghers endlich die Flucht aus Europa gelingt, ahnt sie nicht, dass die Jahre in Mexiko ihr Leben entscheidend prägen werden. Hier wird sie mit der Veröffentlichung des „Siebten Kreuzes“ in den USA über Nacht berühmt, hier schreibt sie ihre wichtigsten Werke und erfährt sowohl den Verlust der Mutter, die sie nicht mehr aus Nazi-Deutschland retten kann, als auch die eigene Endlichkeit, als sie bei einem schweren Verkehrsunfall fast stirbt. In den Jahren 1941 bis 1947 trifft sie in Mexiko Stadt nicht nur Diego Rivera, Frida Kahlo und Pablo Neruda, sondern auch deutsche Exilkommunisten und Juden, die wie sie mit dem Stalinismus ringen. Inmitten überbordender Farben, gleißenden Lichts und einer Kultur, die den Tod feiert, bleibt die Sehnsucht nach Europa.“
Vvk 18€

Donnerstag, 24. September, 19 Uhr
Literaturhaus Berlin
Tim Krohn liest aus Die heilige Henni der Hinterhöfe
„Als Henni Binneweis 1902 das Licht der Welt erblickt, herrscht Wilhelm II. noch über Preußen und Kaiserreich. Die Frauen tragen Krinoline und arbeiten am heimischen Herd. Und ein Mädchen, das im Hinterhof einer Mietskaserne am Prenzlauer Berg aufwächst, sollte nicht zu viel vom Leben erwarten. Aber Henni wird an ihrem vierten Geburtstag geweissagt, dass sie zu Höherem »jeborn« sei, und daran glaubt sie fortan felsenfest.“
Eintritt 7/4€

Donnerstag, 24. und Freitag, 25. September, diverse Zeiten
Literaturforum im Brecht-Haus
„Schwerpunkt: Das Jahr 1990 freilegen“
„Das Jahr 1990 ist, anders als 1989, in der kollektiven Erinnerung seltsam vernebelt, auch wenn in diesem Jahr die Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt, Wünsche erfüllt und Kränkungen im Gedächtnis gespeichert wurden. „Das Jahr 1990 freilegen“ fragt nach den Ereignissen jenes Jahres, der Literatur der Zeit und der Politik von morgen.“
Eintritt jeweils 5/3€

Dienstag, 29. September, 19 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Christa Wolf Ein Tag im Jahr – Es liest Barbara Schnitzler
Einführung und Kommentare Therese Hörnigk

„Anknüpfend an einen Aufruf der Moskauer Zeitung Iswestija an die Schriftsteller*innen der Welt, begann Christa Wolf 1960 den 27. September jeden Jahres zu porträtieren, bis zu ihrem Lebensende 2011. Die Tagebucherzählungen waren für sie zugleich „Arbeitsmittel und Gedächtnis“. Es entstand eine Sammlung persönlicher Erzählungen und darüber hinaus ein Zeitzeugnis deutscher Geschichte. Barbara Schnitzler liest aus den veröffentlichten Tagebüchern Christa Wolfs Ein Tag im Jahr (2003) und Ein Tag im Jahr im neuen Jahrhundert (2013).“
Eintritt 5/3€

Mittwoch, 30. September, 19 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus
Gunnar Decker liest aus „Zwischen den Zeiten: Die späten Jahre der DDR“
„Die Geschichte vom Ende der DDR wird auch nach 30 Jahren oft aus der Perspektive der neuen „Sieger der Geschichte“ geschrieben. Gunnar Decker, der sich schon mit seinem Buch „1965: Der kurze Sommer der DDR“ als profunder Kenner ihrer Kulturgeschichte ausgewiesen hat, erzählt von der Rückkehr der Hoffnung auf einen anderen Sozialismus, die 1985 mit Gorbatschows Amtsantritt begann und im Frühjahr 1990 mit dem Ruf nach sofortiger Wiedervereinigung endete.“
Eintritt 5/3€

1 Kommentare

  1. Oh voll die gute Zusammenfassung und Vorausblick, danke! Ich verpasse ständig coole Events in Berlin, weil ich irgendwie keine gute Quelle habe, die mich rechtzeitig darüber informiert und ich will auch nicht 5 Newsletter von allen möglichen Veranstaltungsorten abonnieren und ständig durchforsten müssen.

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