Blogbuster 2020: Mein Favorit

Blogbuster

Puuuh, es ist geschafft! Nach einem harten Kopf-an-Kopf-Rennen habe ich meinen Favoriten für die Longlist des Blogbuster-Preis ausgewählt!

Zum Ende hin wurde es noch zu einer richtigen Herausforderung: Nachdem ich vor kurzem meine persönliche Shortlist aus drei Manuskripten ausgewählt hatte, war klar, dass ich mich für eins davon entscheiden muss. Und das war gar nicht leicht!

Zwei der Texte standen sich Nase an Nase gegenüber und verwickelten mich in eine erbitterte Diskussion – beide mit ziemlich überzeugenden Argumenten. „Ich bin sprachlich perfekt ausgefeilt, mich musst du kaum noch lektorieren und den Spannungsbogen halte ich auch!“, rief mir das eine entgegen; „Ich bin absolut am Puls der Zeit“ hielt das andere dagegen.

Ich grübelte – ausgestreckt auf dem Sisalteppich liegend, im Kopfstand an der Wand stehend, mit Wärmflasche eingekuschelt in meinen Lesesessel. Und dann entschied ich mich. Für:


Kerstin Meixner
Am Fuß des Berges


Worum geht es und warum habe ich diesen Text ausgwähl? Kerstin Meixner erzählt die Geschichte von Reike, Faizah, Ilija und Marko, die zusammen wohnen – und zugleich in einer polyamoren Viererbeziehung leben. Reike und Ilija kennen sich bereits aus Schulzeiten, da waren sie schon mal ein Paar; Reike wurde damals schwanger und ließ das Kind abtreiben, Ilija ging danach für ein paar Jahre nach Belgrad. Die neue Beziehung mit Marko rutschte ins Problematische, als sie das gemeinsame Kind verlor – und Ilija plötzlich wieder vor der Tür stand.

Als die beiden Männer aus dem Trio mit dem Neuzugang Faizah ein Quartett machten, wurde alles harmonisch. Erstmal. Denn selbst wenn man sich für eine offene Beziehungsstruktur ohne Besitzansprüche entscheidet: So einfach ist das nicht immer. Ein Grund, warum ich mich gerade für dieses Manuskript entschieden habe, sei an dieser Stelle verraten: Ich kenne mich mit diesem Thema sehr gut aus.

„Nur besitzen, besitzen darfst du mich nie wollen“, hatte er feierlich gesagt, als er seine Sachen in die Wohnung gebracht hatte und sie hatte genickt und es auch so gemeint. Es war da schon drei Jahre her gewesen, dass sie das mit dem Besitzen aufgegeben hatte.

 

Das harmonische Gefüge der Vier wird ins Wanken gebracht, als Faizah verkündet, schwanger zu sein. Von wem? Im ersten Moment ist das nicht wichtig. Aber wie lange kann das gut gehen?

Kerstin Meixner hat mich vor allem durch ihre akkurate Art, zwischenmenschliche Beziehungen und Konflikte in teilweise lakonischer Schreibweise darzustellen, überzeugt. Spanndend fand ich auch die Fragestellung – denn der Roman wird gerahmt durch die Geschichte von Reikes Großmutter, die ihren Mann am Fuße eines Berges in einem Lazarett kennenlernte und, vorgeblich, jahrzehntelang eine Friede-Freude-Eierkuchen-Ehe führte – wie wir Beziehungen heutzutage gestalten und ob das Modell der ewig währenden, monogamen Zweierbeziehung wirklich das Nonplusultra ist. Garniert mit viel trockenem Humor wird daraus eine runde Sache.

Voilá liebe Kerstin, ich schicke dich ins Rennen um den Blogbuster-Preis 2020!

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Auch andere Blogger*innen haben bereits ihre Favoriten gekürt: Travel without moving, Bookster HRO und Fiktion fetzt