Blogbuster 2020: Meine Shortlist

Blogbuster

Langsam wird es Zeit: Ich muss bald ein Manuskript aus dem Blogbuster-Wettbewerb als Favoriten nominieren. Bevor ich das tue, gibt es aber erstmal meine Shortlist!

In den letzten Wochen hat sich mein Lesepensum, das berufsbedingt eh schon sehr hoch ist, noch einmal vergrößert: Neun Exposés waren bis Ende Dezember im Rahmen des Blogbuster-Wettbewerbs bei mir gelandet. Einige davon habe ich aus verschiedenen Gründen sofort aussortiert (wenn der Phrasendrescher über die Stilblütenwiese mäht, bin ich raus, sorry), andere habe ich mehrmals in die Hand genommen, überlegt, abgewogen, nachgedacht.

Vier Manuskripte habe ich letztendlich angefordert – und drei davon haben es auf meine Shortlist geschafft. Welche das sind?

Elsbeth Schneider
Übergriffe
Dr. Dr. h.c.mult Jospeph Bergholtz ist Starchirurg mit Vorliebe für klassische Musik und charmant-dominantem Verhalten gegenüber, Kolleg*innen, Ehefrau und den drei erwachsenen Söhnen. Als er überraschend bei einem Autounfall ums Leben kommt, müssen sich die Hinterbliebenen komplett neu sortieren – und merken zum ersten Mal, in welchen emotionalen Abhängigkeiten sie sich all die Jahre befunden haben. Obwohl ich zunächst befürchtete, hier einen „Arzt-Roman“ vor mir liegen zu haben, war ich ziemlich schnell von den komplizierten Verstrickungen der Bergholtz-Familie eingenommen – ebenso wie von der Fähigkeit der Autorin, zwischenmenschliche Fallstricke und Fettnäpfchen mit teilweise beißendem Humor zu beschreiben.

Zitat: „Sie stellte sich vor, wie seine Fragen von ihren Trommelfellen abprallten wie ein ungeschickter Sportler von einem zu straff gespannten Trampolin“


Ulla Wald
Tag und Nacht
Diese Geschichte ist in der Welt der Buchhandlungen und Literatur angesiedelt und hatte schon allein deswegen direkt meine Aufmerksamkeit: Sie handelt von Ellen, die eine Ausbildung zur Buchhändlerin macht, dann aber jäh aus dem Alltag gerissen wird, als sie mit dem Mann, den sie liebt, in einer verregneten Nacht einen Autounfall verursacht; sie überlebt, er stirbt. Als ihr Chef, dessen Buchladen kurz vor der Insolvenz steht, ihr einige Zeit später den Auftrag gibt, einen Star-Autor aus ihrer Heimat zu einer Lesung zu überreden, stößt sie dort auf ein Geheimnis – erneut wird ihr Leben extrem durcheinander gebracht. Wie viel Schicksalsschläge kann ein Mensch verkraften? Und welche Rolle spielt Literatur dabei?

Zitat: „Kisch hatte etwas von einem alten Seebären. Seine Anwesenheit genügte, und schon roch es nach einer Mischung aus Tabak und Whisky. Selbst sein Lachen klang nach einem torfigen Laphroaig.“


Kerstin Meixner
Am Fuß des Berges
Mareikes Großeltern haben sich 1943 in einem Lazarett am Fuß eines Berges ineinander verliebt, ihre Liebesgeschichte ist in der Familie legendär. Kann man es damit aufnehmen? Mareike hingegen bevorzugt es nicht-monogam, lebt mit ihrer Jugendliebe Ilija, Marko und Faizah in einer feucht-fröhlichen Vierer-Beziehung. Dann wird Faizah schwanger – und das polyamouröse Geflecht gerät empfindlich ins Wanken. Kerstin Meixner überzeugt mich mit ihrer Mischung aus lakonischem Humor und punktgenauer Beschreibung moderner Beziehungsmodelle, in denen Besitzdenken verpönt und der Wunsch nach Zugehörigkeit dennoch groß ist.

Zitat: „‚Bist du deswegen mit uns befreundet? Weil wir etwas über Bomben wissen?‘ Sie nimmt eine neue Zigarette aus der Packung. ‚Nein. Ich bin mit euch befreundet, weil wir alle schon miteinander gefickt haben.'“


Nun ist meine Vorauswahl getroffen; Ich nehme mir noch ein paar Tage Zeit, in aller Ruhe über meine endgültige Nominierung nachzugrübeln. Denn eins ist klar: Es fällt mir nicht leicht!

Wie die persönlichen Shortlists bei den anderen Blogbusters aussehen, lest ihr z.B. bei Isabella von novellieren und Romy von Travel without moving.

Foto: Yusuf Evli