Das Portrait des Künstlers als junger Mann

Foto: Flickr / Amy Fedora

Foto: Flickr / Amy Fedora

Es waren einmal zwei junge Männer, die studierten Kunst in der zweitgrößten Stadt des Landes, wollten ganz groß rauskommen und verirrten sich dabei in ihren Träumen. Im Roman „Johnny und Jean“ von Teresa Präauer geht es um nichts weniger als Alles.

Zunächst hatte Johnny sich mit stolz geschwellter Brust zur Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule begeben, doch urplötzlich wird im klar: So wird das nichts, seine Mappe ist ausschließlich gefüllt mit Aquarellbildern von Fischen, auch wenn sein Vater im stolz auf die Schulter geklopft hatte. Sein Selbstbewusstschein schrumpft auf Miniaturgröße, als ihm in den heiligen Hallen der Universität Jean begegnet: Dessen stolz geschwellte Brust ist gerechtfertigt, seine großformatigen Malereien haben die Professoren sofort in den Bann gezogen, er könnte das ganz große Ding werden.

Jean – war das nicht der Typ, der noch im vergangenen Sommer im Freibad des Heimatdorfes die Mädels mit mutigen Sprüngen vom Dreimeterbrett beeindruckt hatte? Auch an der Uni liegen im die Damen – ausschließlich mit französischen Vornamen – zu Füßen und bewundern seine exzentrischen Selbstinszenierungen.

„Wie ein Faun auf hohen Plateausohlen steigt er herab zu mir, langsam und stolz, mit nacktem Oberkörper, weiß geschminkt und mit großer Perücke. Dann öffnet er seine linke Hand, und eine helle, glitschige Masse von Kügelchen aus Klebstoff oder Creme kommt darin zum Vorschein. Es ist, als wäre seine Hand eine Blüte, die aufgeht, nass und frisch und geil auf den neuen Tag.“

rezension_johnnyjean_coverWie soll Johnny im jemals das Wasser reichen? Und wie soll er es überhaupt schaffen, die Aufmerksamkeit dieses wundersamen Komilitonen zu erheischen? Der junge Mann verschanzt sich hinter Tagträumen und malt sich aus, wie seine Freundschaft zu dem bald weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Künstler aussehen könnte – oder passiert es wirklich? Indem die Autorin die Grenzen zwischen Realität und Fiktion nahtlos ineinander übergehen lässt, bleibt der Kern der Geschichte schwammig.

Was passiert wirklich, was ist Wunschdenken Johnnys – der eigentlich auch gar nicht Johnny heißt und der sich regelmäßig mit wichtigen Personen der Kunstgeschichte wie Duchamp oder Dalí unterhält? Und ist es überhaupt wichtig, diese beiden Formate Rasiermesserscharf zu unterscheiden – oder ist eine gewisse Unwissenheit nicht ganz hübsch?

Die Autorin wurde 2012 mit dem aspekte-Literaturpreis für ihr Debüt Für den Herrscher aus Übersee ausgezeichnet und man ahnt, warum: Teresa Präauer kann auf 200 Seiten eine Welt entstehen lassen, die einen schwindelig macht – und wie oft passiert einem das heutzutage noch beim Lesen?

Teresa Präauer: Johnny und Jean. Wallstein Verlag, 2014. Gebunden, 208 Seiten, 19,90€. 978-3-8353-1556-3