Der be.bra verlag & die Liebe zum Lokalen

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Wer nach charmanten Kiezgeschichten, Erinnerungen aus Ost und West-Berlin oder Ausflugstipps in und um Berlin und Brandenburg sucht, der ist beim be.bra verlag definitiv an der richtigen Stelle! Die „Berliner Orte“ sind meine liebste Sparte – und gleich drei Neuerscheinungen davon kann ich euch heute vorstellen!

Tanja Dückers
„Mein altes West-Berlin“

be.bra verlagVor ein oder zwei Jahren entdeckte ich in meiner Kiezbibliothek am Wasserturm den zerlesenen Roman „Hausers Zimmer“, in dem Tanja Dückers – mit der autobiographisch stark geprägten jungen Protagonistin Julika Zürn – das alte West-Berlin von 1982 wiederaufleben lässt. Tagelang war ich nicht ansprechbar, konnte mich nicht lösen. Doch irgendwann geht jede Lektüre zuende und so bin ich hoch erfreut, dass die Schrifstellerin nun mit „Mein altes West-Berlin“ erneut tief in die Erinnerungskiste greift und diese sozusagen „verschollene Stadt“ in all ihren verrückten Facetten portraitiert – diesmal unverblümt autobiographisch.

Wir folgen der jungen Tanja in den Berliner Zoo, streifen mit ihr durch das Viertel um die Gedächtniskirche, zu den Peepshows und über den legendären Ku’damm, wo sich die alten Wilmersdorfer Witwen oder die „Ku’damm Ladies“ – „so nannte ich damals einen bestimmten Typ von meist älteren Frauen mit nach Elnett riechendem, entweder weißblond oder blauschwarz gefärbten, oft aufgetürmten Haar und dick aufgetragenem flieder – oder rosafarbenen Lippenstift“ – in einer Wolke schweren Parfüms die dicken Sahnetorten-Stücke reinspachtelten. Ich habe West-Berlin leider nie erlebt, doch stelle ich es mir (vor allem aufgrund vieler Erzählungen von Freunden) genau so vor. Tanja Dückers klebt mit ihren kleinen Anekdoten noch ein paar Bilder ins vorgestellte Fotoalbum dazu.

Jörg Sundermeier
„Die Sonnenallee“

be.bra verlagDie Sonnenallee – eine der beiden „Lebensadern“ Neuköllns und so vielseitig wie der Bezirk selbst. „Man muss, will man Neukölln kennenlernen, einzige die Sonnenallee kennenlernen“, beginnt Jörg Sundermeier sein Büchlein über die kilometerlange Straße im Süden Berlins. Diesen Satz hatte ihm vor Jahren jemand gesagt, er hatte das nicht geglaubt, wollte es selbst überprüfen – und wurde dann eines besseren belehrt. Wie fasst man diese Straße zusammen? Sundermeier macht dies, indem er die Allee mit dem Bus abfährt – die schaurig-schöne Linie M41 – er beobachtet, fragt nach, recherchiert.

Auf dieser Allee leben türkische Prinzessinnen in rotglitzernden Hochzeitskleidern hinter Schaufenstern, gibt es Essen von jedem Kontinent, mosern grummelige Ur-Neuköllner mit obligatorischer Aldi-Tüte in der Hand um die Wette mit den zugezogenen Hornbrillen-Hipstern, die hier wohnen, weil es noch „so schön ursprünglich“ ist und der türkische Späti-Besitzer immer so freundlich grüßt. Dass sie 1000€ kalt für eine zugige 2-Zimmer-Wohnung zahlen und damit einen himmelschreiend überzogenen Mietpreis, scheint ihnen nicht aufzufallen. Und doch liegt Neukölln noch immer irgendwie dazwischen, hat sich in den letzten Jahren einiges geändert und ist doch vieles gleich geblieben. Die Mauer trennt die Sonnenallee nun nicht mehr vom Osten der Stadt – doch muss man als echter Neuköllner überhaupt von der Straße runter?

Manfred Maurenbrecher
„Künstlerkolonie Wilmersdorf“

be.bra verlag„Diese Künstlerkolonie hier, dieses Tortenstück aus drei Wohnblöcken und einem grünen Platz, das ist eigentlich die spießigste Ecke Berlins. Hier herrscht der typische Leerlauf des kleinbürgerlichen Westens, hier liegt das zugleich freundlichste und langweiligste Areal, das ich mir vorstellen kann“, denkt Manfred Maurenbrecher, als er Anfang 1993 die Wohnung seiner Mutter in der Siedlung nahe des Bayrischen Platzes verlässt. Sie war kurz zuvor gestorben und Maurenbrecher für die Auflösung der Wohnung zuständig – stattdessen zog er selbst ein.

Und wenn man in einem so sagenumwobenen Viertel wohnt – etliche Häuser tragen Plaketten an der Fassade, die auf die berühmten ehemaligen Bewohner aufmerksam machen – dann muss man sich eigentlich früher oder später mit der Geschichte seiner Umgebung beschäftigen. Maurenbrecher tut dies, webt dabei zahlreiche Geschichten und Anekdoten aus dem Leben seiner Eltern und seiner eigenen Kindheit hinein und lässt den Geist der alten Kolonie so auf sehr zarte und feinfühlige Art wieder aufleben.

Alle Bücher sind 2016 im be.bra verlag als Taschenbuch erschienen, sind 144 Seiten stark und kosten jeweils 10€.

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