Der Maskensammler

Er war der “Mann mit den Masken”: Lisa Zeitz, Chefredakteurin des Magazins “Weltkunst”, hat eine einfühlsame Biographie über den großen Sammler von Stammeskunst, Werner Muensterberger, geschrieben.

1913 im westfälischen Hörde als Sohn eines Unternehmers geboren und 2011 in New York gestorben, umspannte das Leben Werner Muensterbergers fast das komplette 20. Jahrhundert. Ein Jahrhundert, in dem die Kunst sich alle paar Jahre neu erfand, Grenzen auslotete und durchbrach. Schon als Kind entwickelte Muensterberger ein Interesse für Skulpturen: “Als ich acht oder neun Jahre alt war, nahm mich meine Mutter zum Mann meiner Cousine mit, er besaß chinesische, afrikanische und moderne Kunst. Das hat mir sehr imponiert”, erzählte er Lisa Zeitz während einer ihrer zahlreichen Besuche.

Bei besagtem Sammler handelte es sich den Baron Eduard von der Heydt, dessen Sammlung ostasiatischer Kunst den Grundstock des Museum Rietberg in Zürich bildete, seine Gemäldesammlung übergab er in den 1950er Jahren dem städtischen Museum Wuppertal, welches später in Von der Heydt-Museum umbenannt wurde.

Einen derart kunsthistorisch bewandten Patron an der Seite, entwickelte auch Muensterberger eine immer stärkere Leidenschaft für Skulpturen ferner Kulturen, damals noch als “primitive Kunst” betitelt. Bereits mit 15 Jahren erwarb er auf einem Markt in Amsterdam für zweieinhalb Gulden eine kleine Bronzefigur, die er als Yoruba-Bronze – von weitaus höherem Wert – identifizierte. Immer mehr Masken, Skulpturen und Fetische aus Afrika, Ozeanien oder Indonesien gelangten in seinen Besitz.

Bis zu seinem Tod pflegte Muensterberger die Leidenschaft für Stammeskunst, blieb ihr auch während der Jahre des Nationalsozialismus in seinem Versteck in einer Amsterdamer Mietwohnung treu und nahm sie mit ins Exil in New York, verfasste theoretische Abhandlungen über den “Ursprung der Maske” oder die psychologischen Hintergründe für die Sammelleidenschaft im Allgemeinen.

Doch es sind nicht allein die biographischen Daten und Anekdoten aus dem Leben Muensterbergers, die das Buch von Lisa Zeitz so lebendig und lesenswert machen, sondern insbesondere die zahlreichen Abschweifungen zu Werk und Wirken zahlreicher Freunde, Kollegen und Ehefrauen des Sammlers. In Kombination mit ihren individuellen Biographien entwirft die Autorin, die über die Jahre eine intensive Freundschaft zu Muensterberger entwickelte, ein das ganze Jahrhundert umspannendes Netz aus Kunstgeschichte, Psychoanalyse, Soziologie, Anthropologie sowie deutscher und amerikanischer Gesellschaft.

Lisa Zeitz: “Der Mann mit den Masken. Das Jahrhundertleben des Werner Muensterberger”. Berlin Verlag, Berlin 2013. Hardcover, 336 Seiten, 24,99 Euro. ISBN-13: 9783827010858

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