Die Überlebensbibliothek – Lesen hilft!

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Lesen hilft, viel lesen hilft viel? Dass Literatur heilsam wirken kann, ist euch wahrscheinlich bekannt – und auch Rainer Moritz weiß das und empfiehlt in seiner „Überlebensbibliothek. Bücher für alle Lebenslagen“ Romane und Erzählungen für jede Situation.

„Warum beschäftigt man sich mit Büchern, die auf den ersten Blick ohne praktischen Nutzen sind? Warum lesen, was nicht sinnvolle Anweisungen gibt, wie man seinen Hamster pflegt, einen wohlschmeckenden italienischen Rinderschmorbraten zubereitet oder eine Fernbeziehung führt? Was verleitet Menschen dazu, sich erfundene Geschichten anzuhören, die keine konkrete Anweisung zum Handeln geben und sich von der realen Lebenswelt lösen?“ fragt Rainer Moritz in der Einleitung seiner ungewöhnlichen Bibliothek. Und gibt sich die Antwort gleich selbst: „Der große Reiz des Lesens besteht darin, dasss die Literatur andere Sichtweisen anbietet, eine Brücke zum Leben der Leser schlägt und dennoch keine Gebrauchsanleitungen gibt.“

Das ist natürlich nicht im Sinne der akademischen Literaturwissenschaft, die grundsätzlich für einen wissenschaftlichen Zugang plädiert – hätte ich während eines Germanistik-Seminars gesagt, wie sehr ich mich mit den Leiden des jungen Werthers identifizieren könne – unerfüllte Liebe und haarsträubende Sehnsucht kennt man ja schließlich auch als Mensch von heute -, hätte mich der Professor wahrscheinlich hochkant aus dem Raum geworfen. Doch, da ist sich auch Rainer Moritz sicher: Wer diesen Briefroman liest, ohne auch nur kurz über Liebeskummer und Selbstmord an sich nachzudenken, ist ein ziemlich abgebrühter Leser.

moritzAuch Andrea Gerk, die Anfang 2015 ihr Buch „Lesen als Medizin. Die wundersame Wirkung der Literatur“ vorgelegt hat, weiß um die heilende Kraft von Büchern. Doch während sich ihre Texte vor allem um die Geschichte von Literatur und Medizin dreht, gibt Rainer Moritz konkrete Lesetipps: „Wer von der Allmacht der Bücher noch nicht ganz überzeugt ist, lese: Helene Hanff, 84, Charing Cross Road“ heißt es im Inhaltsverzeichnis; „Wer ein Entkommen aus dem Berufsleben sucht, lese: Herman Melville, Bartleby„, „Wer lebenslängliches Liebesglück nicht für Hollywood-Kitsch hält, lese: Ian McEwan, Saturday„.

Für jeden genannten Text bietet der Autor eine kleine Zusammenfassung, nicht länger als zwei Seiten, man kann sie auch mal eben an der Bushaltestelle überfliegen. Im Idealfall ist man danach um eine Lektüreempfehlung reicher und begibt sich schnurstracks in eine Buchhandlung (wo der/die Buchhändlerin streng genommen den gleichen Service leisten könnte) – im schlechtesten Falle hat Rainer Moritz auf besagten zwei Seiten bereits das Ende des Romans verraten, welches ein Lesen des Primärtextes gefühlt überflüssig macht.

Das ist kein Drama, wenn es sich dabei um allgemein bekannte Texte wie den Werther handelt, nimmt bei weniger bekannten Klassikern aber ein kleines Stück der Vorfreude. Dennoch ein Buch, welches man vor allem den Menschen schenken kann, die noch nicht ganz davon überzeugt sind, dass Bücher mehr sind als nur ein paar gedruckte Worte zwischen zwei Pappdeckeln!

Rainer Moritz
Die Überlebensbibliothek. Bücher für alle Lebenslagen.
Atlantik Verlag 2016
Gebunden, 352 Seiten, 20€
ISBN 978-3-455-37030-0

Kategorie Allgemein

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