„Es geht um Lyrik. Habt keine Angst“

Das Verlagshaus J. Frank: Dominik Ziller, Andrea Schmidt und Johannes CS Frank

Das Verlagshaus J. Frank: Dominik Ziller, Andrea Schmidt und Johannes CS Frank

„Wein, Bier oder Schnaps?“ werde ich gefragt, als ich die Räume des Verlagshaus J. Frank im Prenzlauer Berg betrete. Das feiert n diesem Jahr sein 10-jähriges Jubiläum – und das ist Grund genug, den drei Gründern mal auf den Zahn zu fühlen.

Das Verlagshaus sind Johannes CS Frank, Andrea Schmidt und Dominik Ziller, die sich vor zehn Jahren zusammentaten und beschlossen: wir werden Verleger. Die Drei entwickelten die Zeitschrift „Belletristik“, ein Format, in dem AutorInnen und IllustratorInnen eng zusammenarbeiteten und in der der Schwerpunkt von Anfang an auf Lyrik lag. Mit der 13. Ausgabe haben sie das Projekt im letzten Jahr beerdigt: „Wir haben uns entschieden, dass wir ein Buchverlag sind und es Zeitschriftenverlage gibt, die es einfach viel besser machen können als wir, die es auch besser vermarkten können – wir haben uns deshalb schweren Herzens von der Zeitschrift getrennt“, erklärt Andrea.

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„Wir sind DER Verlag für Lyrik“
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Projekte hat der Verlag trotzdem mehr als genug: 80 Bücher in fünf Reihen sind bisher erschienen – Tendenz steigend. Der kleine Verlagsraum in der Chodowieckistraße wirkt wie eine Quelle, aus der die Ideen nur so sprudeln. Da ist zum einen die größte Reihe, die „Edition Belletristik“: Hier werden Gedichte und kleine Prosatexte zeitgenössischer und deutschsprachiger Autoren veröffentlicht, darunter Max Czollek, Swantje Lichtenstein, Jan Kuhlbrodt und Ron Winkler, dessen Prosa-Miniaturen rund um das skurile Wesen namens „Torp“ zu meinen Lieblingstexten gehören.

In der „Edition Polyphon“, in der bisher fünf Bände erschienen sind, werden internationale LyrikerInnen übersetzt und so dem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht: „Jesus liebt dich nicht“ von Julian Herbert aus Brasilien ist unser Weihnachts-Bestseller,“ erzählt Johannes schmunzelnd. Auch die „Edition Revers“ beschäftigt sich mit internationalen AutorInnen, allerdings solchen, die schon lange verstorben und bisher – zumindest in Deutschland – wenig bis gar nicht bekannt waren.

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Oben: Edition Poeticon / Unten: Jan Kuhlbrodt in der Edition Belletristik, Konstantinos Kavafis in der Edition Revers

Wie findet der Verlag eigentlich die ganzen AutorInnen? „Manuskripte nehmen wir keine mehr an, wir beobachten den Markt und fragen AutorInnen nach Möglichkeiten einer Zusammenarbeit, wenn sie uns gefallen.“ Dabei achten sie immer darauf, dass mehr hinter den Texten steckt: „Alle unsere Bände sind einerseits ganz der Lyrik und ihren vielfältigen Möglichkeiten gewidmet, aber wir begreifen unsere Arbeit auch als eine politische. Was kann Lyrik eigentlich in gegenwärtige Diskurse einbringen? Was haben unsere AutorInnen zu sagen, was hat die Lyrik zu sagen? Diese Schwerpunktsetzung ist eine Sache, die uns von anderen Verlagen in unserer Größe unterscheidet“, so Johannes.

Die Verlagswelt ist fast unüberschaubar groß und wirkt auf mich wie ein Haifischbecken, in dem das Recht des Stärkeren gilt und kleinere Verlage sich ordentlich durchbeißen müssen. Doch das Verlagshaus bleibt diesbezüglich gelassen: Im Vergleich zu anderen Lyrikverlagen sei man gar nicht so klein, man habe mittlerweile eine Nische besetzt. Was sicherlich auch an der Mischung aus Lyrik und Illustration liegt, ohne die eigentlich kein Buch veröffentlicht wird. „Wir wollen der Lyrik neue Spielräume schaffen“, so Andrea, und die Leser für diese Art der Literatur erwärmen:

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„Es geht um Lyrik. Habt keine Angst“, liest man im aktuellen Katalog, man verteilt Stofftaschen, Buttons und Postkarten, auf denen in goldenen Lettern „poetisiert euch“ gedruckt steht. Ein Blick auf die Cover der Lyrikbände und ich bekomme sofort Lust, mal wieder in ein Gedicht einzutauchen und mich ganz dem Klang der Sprache hinzugeben.
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Oft bekommt Lyrik eine ganz andere Bedeutung, wenn sie vorgelesen wird, und so gehen Johannes, Andrea und Dominik demnächst mit einem umgebauten Bus und den über die Städte und Länder verteilten Autoren auf Lesereise. Zehn Lesungen in zehn Tagen, angefangen in Wien, später auch in Basel, München, Köln Frankfurt, Saarbrücken, Greifswald, Hamburg, Leipzig. Am 6. Juni erreicht die Fahrt ihren Höhepunkt mit einer großen Jubiläumsparty im Roten Salon der Volksbühne.

Gleich danach wird unter Hochdruck weitergearbeitet, denn vier neue Essay-Bände in der „Edition Poeticon“ sind geplant, auch in der „Edition Polyphon“ sollen noch dieses Jahr die Bände der indonesischen Lyrikerin Dorothea Rosa Herliany und der israelischen Schriftstellerin Tal Nitzan erscheinen. Und über allem wabert das vielschichtige Thema ebooks: Mit der großen Frage, wie man Lyrik in eine elektronische Form bringt, so dass auch auf verschiedenen Geräten der besondere Satzspiegel nicht verloren geht, beschäftigt sich der Verlag besonders intensiv. Die ersten fünf elektronischen Bände sollen bereits im Herbst erscheinen. Denn wenn eines im Verlagshaus nicht angesagt ist, dann ist es Stillstand.

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