Es weihnachtet sehr: Literarische Geschenke – Teil 3

Geschenke

In Teil 3 meiner Geschenketipp-Runde begeben wir uns in die bezaubernden Welten der Independent-Verlage. Heute mit: Sachbücher zu ausgefallenen Themen.

Wie schaut das bei euch aus mit dem Drang, euch fremde Wissensgebiete zu erarbeiten, neues zu entdecken und auf den ersten Blick Abseitiges kennenzulernen? Mir persönlich bereitet das große Freude und dementsprechend sieht es auch in meinem Bücherregal aus – einer der am häufigsten angeklickteste Text hier auf dem Blog handelt übrigens von einem Buch über die Fledermaus.

Was mir außerdem aufgefallen ist: In den Independent-Verlagen, also den unabhängigen, finden sich (vielleicht auch nur gefühlt) häufiger ausgefallene Themen, werden Nischen bedient, die von Anfang an eher auf einen kleinen Leserkreis ausgerichtet sind. Vielleicht muss man auch ein bisschen „nerdig“ sein, um bei den folgenden Titeln Herzflattern zu bekommen?

Petra Ahne
Hütten. Obdach und Sehnsucht.

Als ich im Spätsommer das schmale Büchlein „Hütten“ von Petra Ahne vorstellte, gab es auf allen Kanälen sehr viele Rückmeldungen dazu: Der Wunsch nach einer kleinen Behausung in der Natur scheint weit verbreitet zu sein. Das Verlangen nach einer Datsche (in Berlin nutzt man noch immer das russische Wort) oder einem Schrebergarten hatte auch die Autorin, die jahrelang auf der Suche war und dann ziemlich plötzlich zu ihrem Glück kam.

Als sie zu den Laubenpiepern zählte, setzte sie sich intensiv mit der Geschichte dieser Art der Behausung auseinander; sie geht dabei kulturgeschichtlich vor und bis zu den Darstellungen von Adam und Eva im Paradies zurück. Warum diese Sehnsucht, mitten in der Natur zu sein und doch ein Dach über dem Kopf zu haben? Solltet ihr also im Freundes- oder Familienkreis jemanden haben, der eine Datsche besitzt oder haben möchte, könnt ihr ihm/ihr damit sicherlich eine Freude machen. Nicht unwichtig ist natürlich auch: Das Cover ist nicht weniger bezaubernd als der Inhalt!

Petra Ahne: Hütten. Obdach und Sehnsucht. Illustriert von Pauline Altmann. Matthes & Seitz, 2019. Gebunden, 132 Seiten, 28 Euro

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Thomas Knoefel
Okkultes Brevier. Ein Versuch über das Medium Mensch

Gleicher Verlag, aber völlig andere Sparte: Thomas Knoefel, bei dessen Autorenfoto auf der Innenseite des Umschlags ich eine kalte Gänsehaut bekomme, kennt sich sehr gut aus mit Okkultismus. Er selbst praktizierte jahrelang Voodoo, ließ keinerlei Drogenerfahrung aus – und hat nun ein umfangreiches Buch über die Anfänge des „westlichen“ Spiritismus geschrieben.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde es Mode, an Séancen teilzunehmen und mittels eines Mediums Kontakt zur Welt der Verstorbenen aufzunehmen. Jedenfalls meinte man, dies zu tun. Dass auch in dieser Sphäre ordentlich gemauschelt und getrickst wurde, ist aus heutiger Sicht klar erkennbar, doch fanden Spuk und Geisterbeschwörungen damals unzählige Anhänger jeglicher Schicht, denn: „Bildung schützt vor Okkultismus nicht“.

Knoefel wabert freizügig und teilweise etwas ungeordnet durch die Themenbereiche, gespickt ist das Ganze auch mit vielen Anspielungen auf andere Persönlichkeiten, die man oft nachschlagen muss. Bemerkenswert ist aber, wie vorurteilsfrei er die okkulten Spielereien beschreibt, so dass man manchmal nicht sicher ist: Vielleicht war ja doch was dran an den Geistererscheinungen?

Thomas Knoefel: Okkultes Brevier. Ein Versuch über das Medium Mensch. Matthes & Seit, 2019. Gebunden, 394 Seiten, 28 Euro.


Geschenke

Claudia Schmölders
Faust & Helena. Eine deutsch-griechische Faszinationsgeschichte

Wer mir auf Instagram folgt hat sicher mitbekommen, dass ich regelmäßig mehrere Wochen auf Kreta verbringe, dass ich für das Berliner Pergamonmuseum einen Ausstellungskatalog über die griechische Antike geschrieben habe und mit Vorliebe andere Bücher aus und über die Antike lese. Ich bin also deutlich fasziniert von der griechischen Kultur, sei es die alte oder die neue – und deshalb war klar, dass ich diese „Aufarbeitung der deutsch-griechischen Faszination“ lesen muss.

Denn die schlägt sich vor allem in der Literatur nieder: Goethe bedichtete in seinem kryptischen Werk Faust II Helena, Tochter des Zeus, die als schönste Frau ihrer Zeit galt und zum Beispiel den Trojanischen Krieg auslöste. Hölderlin und Thomas Mann, Sigmund Freud und Lord Byron (auch wenn letzterer Engländer war), sie alle konnten sich ebenfalls für die Geschichte von Hellas begeistern – bis die Deutschen im Zweiten Weltkrieg das Land besetzten. Dies ist kein Buch, welches man mal eben durchliest, sondern fast schon ein Nachschlagewerk mit etlichen spannenden Querverweisen. Danach kann man wahrscheinlich auch den Faust II ohne Probleme lesen…

Claudia Schmölders: Faust & Helena. Eine deutsch-griechische Faszinationsgeschichte. Berenberg Verlag, 2018. Gebunden, 304 Seiten, 26 Euro.


Dies war der dritte Streich und der vierte (und letzte) – folgt nächste Woche. Im Mittelpunkt stehen dann: Bücher, die in Berlin spielen!


Teil 1: Literatur aus Norwegen
Teil 2: Spannende Geschichten
Teil 4: Bücher über Berlin