Fettnäpfchenführer für Berlin

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Berlin ist groß, wild, unübersichtlich und hat seine eigenen Gesetze – und somit kann man eine Menge „Fehler“ machen. Wer sich nicht sofort als tollpatischer Tourist outen möchte, sollte einen Blick in den „Fettnäpfchenführer Berlin“ werfen, den Rike Wolf im conbook Verlag veröffentlicht hat.

„Berlin, du bist so wunderbar!“, tönte es vor einigen Sommern so gut wie aus allen Lautsprechern der Stadt. Diese Stadt – der auch ich vor nunmehr zehn Jahren mit Haut und Haaren verfallen bin – übt ungebrochene Faszination auf Menschen aus der ganzen Welt aus. Sie kommen in Scharen und schieben sich als Partyvolk mit Wegbier über die Oberbaumbrücke oder lassen sich mit den nachgemachten Soldaten am nachgemachten Checkpoint Charlie fotografieren, bevor sie sich mit nachgemachten Mauerstücken („Original mit Zertifikat“!) als Souvenir wieder Richtung Heimatstädtchen begeben. Berlin-Touristen dieser Variante wird dieser Fettnäpfchenführer wohl nur am Rande interessieren.

Anders schaut es aus bei Besuchern, die tiefer in die Hauptstadt eintauchen wollen, die das Brandenburger Tor schon mehrmals gesehen und jetzt lieber das echte Leben und die echten Bewohner in den einzelnen Kiezen kennenlernen wollen – und dabei kann es sehr hilfreich sein, wenn man sich vorher ein paar Tipps abholt.

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„Kann man hier auch frühstücken?“, fragte ich.
„Wenn Se die Tür zumachen und Wasser rinlassen, können Se hier ooch schwimmen!“
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Stichwort „Berliner Schnauze“ – oft gefürchtet und als unfreundlich und unflätig bezeichnet, steckt streng genommen hinter jeder schroffen Bemerkung ganz viel Herz. Man muss nur geschickt zu kontern wissen: „Keine frotzelnde Berliner Kellnerin, Kassiererin, kein rüpeliger Taxifahrer, Türsteher oder Ähnliches wird nicht von den Socken sein, wenn man ihr bzw. ihm plötzlich Wohlwollen entgegenbringt. Das haben die nämlich mitunter schon jahrelang nicht mehr erlebt.“

9783943176988_400Rike Wolf hat zu allen wichtigen Themen rund um Berlin Tipps parat, sei es zum schwierigen Verhältnis der Ur-Berliner zu den „zugezogenen Schwaben“, zwischen „Ossis“ und „Wessis“ und der Mauer, die in den Köpfen noch teilweise steht, zu den rundlichen Ampelmännchen und Hipstern bis hin zu den schwierigen Themen Baustellen und Nahverkehr: „Wer länger in der Hauptstadt lebt, lernt das Wort „Schienenersatzverkehr“ (SEV) kennen und fürchten.“ Wie wahr!

Vieles in diesem Buch beruht auf den ersten Blick auf Stereotypen, die sich aber – macht man sich die Mühe, sie vor Ort zu überprüfen – oft Hand und Fuß haben. Wenn Rike Wolf schreibt „Ich hatte schon davon gehört, dass man sich bei einem Spaziergang am Helmholtzplatz ohne Kinderwagen regelrecht nackt vorkommt“, dann klingt das zunächst übertrieben – doch ein Besuch im hippsten Kiez von „Prenzlberg“, und man gibt der Autorin sehr schnell recht. Für Berliner bietet dieses Buch vielleicht nicht wahnsinnig viele neue Tipps, dafür aber hübsch verpackte kleine Geschichtchen direktemang aus dem Leben!

Rike Wolf: „Fettnäpfchenführer Berlin. Der Reiseknigge für 96 Kieze und ihre Spleens„. Conbook Verlag, 2015. Taschenbuch, 288 Seiten, 11.95€. ISBN: 978-3-943176-98-8

Kategorie Allgemein

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