Geschenktipp: Bücher über die Natur

Natur

Bücher über die Natur gibt es viele – heute möchte ich euch drei vorstellen, die aus der Menge herausstechen.

Natur, das ist ein Thema, das mich seit langem beschäftigt: Kürzlich nahm ich an einem Waldbaden-Seminar teil, um darüber einen Artikel für die Schirn Kunsthalle zu schreiben, ich gehe aber auch unabhängig davon regelmäßig in den Wald, um durchzuatmen – und ich lese viele, sehr viele Bücher rund um das Thema.

Dabei sind es weniger Sachbücher á la „Das geheime Leben der Bäume“ (auch wenn mir Peter Wohlleben mit seiner humorvollen Art tatsächlich einiges beibringen konnte), sondern mehr Exemplare aus der Gattung „Nature Writing“: Eine Gattung, die in erster Linie in Großbritannien und den USA gepflegt wird und wurde, z.B. bei Roger Deakin, Robert McFarlane und natürlich bei Henry David Thoreau und seinem Walden. Für meine Geschenktipp-Runde Nr. II habe ich wieder drei Bücher rausgesucht, die ich euch vorstellen möchte!

Natur

Um die Welt für eine Blume

Eigentlich hat Peter Manyweathers mit Blumen nicht viel am Hut: Er ist Chef seines eigenen kleinen Reinigungsunternehmens, das die Wohnungen von Verstorbenen reinigt, die mitunter jahrelang unentdeckt dort gelegen haben – poetisch ist das nicht gerade. Um sich weiterzubilden, verbringt er seine Freizeit in der Bibliothek und dort fällt ihm eines Tages ein Liebesbrief in die Hände, der sein Leben von jetzt auf gleich auf den Kopf stellen wird: Geschrieben ist er von einem Hobby-Botaniker, der um die Welt reist, um so seltene wie mystische Blumen ausfindig zu machen. Und Peter Manyweathers macht es ihm nach.

Dies ist aber nur eine Erzählebene des Romans Der Blumensammler von David Whitehouse: Während wir Peter in den 1980ern begegnen, lernen wir in der Gegenwart den eigenbrötlerischen Dove und den ebenso kauzigen Professor Cole kennen – das ihr Leben auf erstaunliche Art und Weise miteinander verknüpft ist, wird im Laufe des Romans deutlich…

David Whitehouse schafft es gekonnt, die drei Männer mit all ihren Sehnsüchten, Wünschen, Enttäuschungen, Ängsten und Konkurrenzkämpfen zu beschreiben – auch wenn es dadurch wirklich ein sehr männliches Buch geworden ist – und führt den Leser (oder klar: die Leserin!) dabei von New York über London nach Chile, Mexiko und bis Sumatra. Und auch wenn dies streng genommen nicht in die Gattung des Nature Writing gehört, so haben die Beschreibungen der seltenen Blumenarten doch etwas poetisches…

David Whitehouse, Der Blumensammler, Tropen Verlag, 2018. Gebunden, 346 Seiten, 20,-€.


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Vor lauter Bäumen

Wusstet ihr, dass der „Asiatische Wildapfel“ (Malus sieversii) der Vorfahre aller Äpfel ist, die wir heute auf dem Markt in unsere Taschen kugeln lassen? Dass die Samen der „Seychellennuss“ (Lodoicea maldivica) bis zu 30 kg schwer werden können und überdies aussehen wie ein weibliches Becken? Und dass ein Baum namens „Sève bleue“ (Pycnandra acuminata), der in Neukaledonien wächst, ein grellblaues Latex absondert, wenn man seine Rinde anritzt?

Die Natur überrascht immer wieder mit ihrer Vielfalt und tatsächlich reicht es schon, wenn man sich die unzähligen – es sind um die 60.000 – Arten von Bäumen anschaut, die es auf unserem Erdball gibt. Jonathan Drori hat sich 80 davon ausgesucht und stellt sie in kurzen Texten vor: In 80 Bäumen reist er mit uns von Nord- und Südeuropa über Afrika, Asien, Ozeanien nach Südamerika und Nordamerika und macht dabei allerlei interessante Entdeckungen.

Die meisten von uns können wohl einen Ahorn von einer Birke unterscheiden, wer sich etwas besser auskennt kann auch Buche, Erle, Fichte und Kiefer zielsicher bestimmen – aber wie schaut es aus mit dem Affenbrotbaum, der Papier-Maulbeere, dem Sandbüchsenbaum oder der Chilenischen Araukarie? Dank der ganz großartigen Illustrationen von Lucille Clerc könnt ihr mit diesem Buch auf Entdeckungsreise durch die Wälder dieser Erde gehen und euch von den standhaften Gewächsen beeindrucken lassen!

Jonathan Drori, In 80 Bäumen um die Welt. Mit Illustrationen von Lucille Clerc. Aus dem Englischen übersetzt von Bettina Eschenhagen und Ulrich Korn. Laurence King Verlag, 2018. Gebunden, 256 Seiten, 24,-€.


Natur

Zurück in die Steinzeit

Wie lässt sich dieses Buch beschreiben? Keimruhe von Jean-Loup Trassard ist eines der ungewöhnlichsten Bücher, dass ich in letzter Zeit gelesen habe: Ein namenloser Ich-Erzähler begibt sich auf die Spuren seiner Vorfahren aus der Jungsteinzeit, die er – durch die Wälder schleichend, unter Blättern schlafend – in ihrem Alltagsleben in der Gruppe beobachtet.

Auf zunächst verwirrende Art vermischen sich hier die Zeitebenen, man ist sich nie sicher: Träumt er das alles oder ist er auf nicht näher erklärte Weise durch die Zeit gereist? Und spielt das überhaupte eine Rolle? Seine Beobachtungen der Gruppe, die gemeinsam jagen, sammeln und beginnen, sich an einem Ort niederzulassen vermischen sich mit Gedanken über die Botanik, über Archäologie und Ethnologie und darüber, wie die Menschheit zur Sesshaftigkeit fand.

„Beim nächtlichen Gang längs durch den Wald, links das niedrige, vom Astwerk verschluckte Gestirn, sah ich plötzlich mit ihren Augen, denn genau das sehen sie: Vollmond über den Eichen, Buchen, das schattige Dickicht aus Birken Faulbäumen Haselsträuchern Wasserahorn Hagebuchen, darunter Farn, noch weiter drunter Moos, hier hat sich nichts verändert: Wald.“

Dieses Buch braucht eure Zeit und volle Aufmerksamkeit, damit es euch hineinziehen kann in den Kosmos der Sprache, die manchmal schroff und unzugänglich wirkt, größtenteils aber bilderreich und lyrisch über die Seiten fließt. Eigenwillig, rätselhaft, mystisch und poetisch: Wer etwas außergewöhnliches lesen und sich der Natur literarisch nähern möchte, dem sei Keimruhe unbedingt ans Herz gelegt!

Jean-Loup Trassard, Keimruhe. Matthes & Seitz, 2017. Aus dem Französischen von Nicola Denis. Gebunden, 320 Seiten, 25,-€.


Und was gibt es noch?

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°° T.H. White Der Habicht (Matthes & Seitz) °° Roger Deakin Wilde Wälder (Matthes & Seitz) °° Ulla-Lena Lundberg Eis (Goldmann) °° Neil Ansell Tief im Land (Allegra) °° Johanna Romberg Federnlesen. Vom Glück, Vögel zu beobachten (Lübbe) °° Tristan Gooley Der natürliche Kompass (Piper) °°

Auch diesmal möchte ich von euch wissen: Welche Bücher kennt ihr noch, in denen die Natur eine wichtige Rolle spielt? Welche Romane & Sachbücher haben euch gefallen?

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