„Hallo, wo finde ich denn hier die Hygiene?“

Berlin

Berlin-Logbuch X:“Dank N. hab ich jetzt endlich einen Job. Im Vorbeischlendern am Boxhagener Platz hat er namlich ein Schild entdeckt…“

…das die Kneipe/Bar/Restaurant „Puppenspieler“ eine weibliche Bedienung sucht, und hat mir den Job quasi direkt klargemacht.“ Womit hab ich das nur verdient. Gestern jedenfalls der erste Tag dort, erstmal zum Einarbeiten und ohne Geld, gut, so schwer kann kellnern ja nicht sein, das wird ich schon schaffen.

Hier aber gänzlich andere Bedingungen als zum Beispiel im Iguana oder im Giaccomo, denn hier sind die Kellnerinnern für alles zustandig. Für die Getränke, also auch diverse Kaffeesorten, für das Bedienen, und ja, auch für das Kochen. Das hat mich dann doch etwas geschockt, denn woher soll ich die Gerichte von der Karte kochen können? Wie ein Milchkaffe gemacht wird, kann man sich ja noch merken, aber wie koche ich Spätzle mit Champignons in Weißweinsauce? Ich bin Kellnerin!

Schock dann auch erstmal beim Anblick der Saladette (oder wie auch immer), aus deren Inhalt ich Garnituren für die Teller basteln sollte: der Salat welk, die Gurke verschrumpelt, die Tomaten weich. Dinge, die man so garantiert nicht in meinem Kühlschrank findet, und wenn doch, können sie schon eine eigene Familiengeschichte erzahlen. Da dieses Cafe nicht wirklich stark frequentiert ist, habe ich den ganzen Tag nicht viel mehr als Frühstücken, Zeitung lesen, Mittagessen, Zeitung lesen, Kaffe kochen, Kaffe trinken, Zeitung lesen und quatschen gemacht.
Naja, wenn ich dafür mein Geld bekomme, dann ertrage ich auch weiterhin die ekelerregenden
Geschichten des Chefs über seinen Fuß, der namlich aufgrund eines Tumors nur noch zur Hälfte da ist und einfach nicht verheilen will. Bah, eine im wahrsten Sinne des Wortes stinkige Angelegenheit.

Abends dann wieder in der Astro-Bar bei Joschka gehangen, diesmal mit einem Wodka-Vanille (ich werde nach meiner Zeit in Berlin die komplette Cocktail-Karte einmal rauf und wieder runter getrunken haben! ) alleine an der Bar. Nach Dienstschluss noch schnell in einen Dönerladen, der Döner nur einen Euro, ich will aber lieber eine türkische Pizza, mit Zwiebeln und Fleisch? Nein danke.

Der höchst unfreundliche Koch des ganzen, stilecht mit einer Kochmütze auf, begrüßte uns sehr freundlich mit den Worten „erst Geld her, sonst kein Döner!“. Er muss ziemlich überzeugt von sich sein, denn er hatte tatsächlich sein Ausbildungszeugnis an die Wand gehangen. An sich ja nicht verkehrt, aber wenn man jede einzelne Prüfung nur mit der Note ausreichend bestanden hat, würde ich mir das Ganze doch noch mal überlegen…

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