Ich bau mir ein Haus aus Büchern

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Überraschungen sind schön. Aber was mache ich mit den ganzen „unverlangt eingesandten“ Rezensionsexemplaren, die meinen Büchergeschmack komplett verfehlen? Eine Bitte.

Man könnte es nennen: Jammern auf hohem Niveau. Beschwere ich mich wirklich gerade darüber, dass ich fast jede Woche Rezensionsexemplare geschickt bekomme, viele davon als „Überraschung“, also von mir nicht angefordert? Ja, tue ich. Denn: Jedes unverlangt eingesandte Buch bringt mich in einen Gewissenskonflikt.

Ich arbeite mittlerweile seit 15 Jahren als freiberufliche Kulturjournalistin, habe ziemlich direkt damit begonnen, Rezensionen zu schreiben und die dafür benötigten Rezensionsexemplare bei den Verlagen anzufordern. In den Anfangsjahren war das nicht immer einfach (außer, wenn es über eine Redaktion lief), manchmal bekam ich auf meine Anfrage noch nichtmal eine Antwort, geschweige denn das Buch zugeschickt. Aber die Zeiten haben sich geändert.

Heutzutage sind die Verlage – das halte ich für eine sehr gute Entwicklung – offener geworden für Kooperationen mit Blogger*innen, Instagrammer*innen oder Youtuber*innen und es ist nicht mehr so schwierig, ein Besprechungsexemplar zu bekommen. Ich nutze das rege, sei es für meinen Blog oder für meine berufliche Arbeit – oft verschwimmt das eh, bringe ich eine Besprechung in Magazinen unter und führe sie auf meiner „Spielwiese“ hier noch weiter (und in einem persönlicheren Ton) aus.

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Mein Stapel ungelesener Rezensionsexemplare. Vieles davon habe ich aber tatsächlich selbst bestellt…

Doch mittlerweile habe ich den Überblick verloren. Stellenweise stapelt sich gefühlt das komplette Frühjahrs/Herbstprogramm eines Verlages auf meine Dielenboden und ich weiß nicht mehr: Hab ich das im Überschwang auf der Messe/einer Lesung/beim Kaffee alles bestellt oder haben sich ein paar Bücher einfach dazu gemogelt? Das ist natürlich ein hausgemachtes Problem, aber hinzu kommt, wie oben erwähnt: In regelmäßigen Abständen klemmen Buchpakete in meinem kleinen Briefkasten, die ich sicherlich nicht geordert habe – weil sie nämlich meinem Lesegeschmack überhaupt nicht entsprechen.

Ich lese am liebsten „literarische Belletristik“, gerne auch Texte rund um Berlin, die DDR, die 20er Jahre. Ja, auch Sachbücher. Aber ich lese selten bis ehrlich gesagt nie: Thriller, Krimis, Historische Romane, Chick Lit, Fantasy oder Science Fiction. Ein Blick auf diese Seite und man kann das leicht erkennen. Trotzdem werden mir Bücher dieser Genres ungefragt geschickt. Und ich komme jedes Mal in die Bedrängnis: Was tun mit diesen aufwändig produzierten Büchern? Verschenken, spenden, in Bücherschränke stellen, ja, das geht alles – bedeutet aber auch weitere Arbeit für mich.

Deshalb meine eindringliche Bitte: Liebe Verlage, fragt mich doch einfach vorher, ob ich das Buch lesen möchte. Viele tun das bereits (und kennen überdies sehr gut meinen Geschmack!), etliche aber auch nicht. Und ich weiß mitunter nicht mehr, wo ich diese ganzen Bücher unterbringen soll – geschweige denn, wann ich die Zeit finden werde, sie zu lesen und zu besprechen. Ich hab tatsächlich eine große Wohnung, aber: Bald kann ich mir ein ganzes Haus aus Büchern bauen…

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