„Ich denke sowieso mit dem Knie“: Beuys im Kino

Beuys

Joseph Beuys – das ist doch der mit dem vielen Filz und den Fettecken, oder? Stimmt. Doch Beuys war so viel mehr! Was genau, das zeigt der Film von Andres Veiel, der ab 18. Mai in den Kinos läuft.

Es ist zwölf Uhr Mittag im Februar 2017, das Wetter in Berlin ist schmuddelig und die Sitze im Friedrichstadtpalast wie immer zu eng. Doch ich freue mich so sehr auf den Film „Beuys“, der im Rahmen der Berlinale läuft und für den ich Dank einer Freundin Tickets bekommen habe, dass mich das Schubbern meiner Knie am Sitz des Vordermanns nicht stört. „Was hat Beuys nochmal genau gemacht?“, fragt mich der Mann flüsternd. „Krieg, Absturz mit dem Flugzeug, Filz, Fett, Demokratie, Kunstakademie Düsseldorf“, gebe ich ihm als Stichworte zurück. Denn wie ließe sich dieser Künstler auch in einem Satz zusammenfassen?

Andres Veiel braucht für seinen Film streng genommen keinen einzigen Satz. In 107 Minuten Laufzeit entfaltet der Regisseur in offensichtlich kongeninaler Zusammenarbeit mit den Cutterb Stephan Krumbiegel und Olaf Voigtländer eine Collage aus Interviews, Fotografien, Rückblicken und Live-Aufnahmen der Beuys’schen Performances, nach der ich mit einem Lächeln sagen konnte: „Jetzt habe ich sein Werk verstanden!“

Das mag natürlich etwas überzogen sein. Und dennoch lüften sich allerlei Schleier der Verwirrung während dieses Films. Man erfährt, dass seine Erfahrung, im zweiten Weltkrieg abgeschossen worden zu sein und von einem Volk der Tartaren gegen die Kälte mit Fett eingerieben und in Filz eingewickelt worden zu sein, eventuell nur Fieberträumen entspringt – und sich als Leitmotiv dennoch durch alle Facetten seines Schaffens zieht. Man sieht Diskussionsrunden mit Pfeife rauchenden Männern, die sich die spärlich vorhandenen Haare raufen bei dem Versuch, die Intentionen von Beuys zu verstehen.

Wir sehen ihn in Aktion während der Besetzung der Kunstakademie Düsseldorf, aus der er letztendlich als Dozent entlassen wurde, weil er sich gegen die Aufnahmebeschränkungen wehrte und so eine Klasse mit mehreren hundert Studenten füllte. Das Politische stand oft im Mittelpunkt, da darf seine Unterstützung der noch recht jungen Partei Die Grünen nicht fehlen inklusive dem etwas peinlichen Song „Sonne statt Reagan“. Kurzum: Jeder ist ein Künstler und Herr Beuys sowieso.

Ein absoluter Kino-Tipp für alle, die bisher an dem Werk von Joseph Beuys ähnlich geknabbert haben wie ich!
Ab 18. Mai im Kino (Praktischerweise gibt es einen Kinofinder auf der Film-Webseite)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

I agree