Im Labyrinth der griechischen Mythologie

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Die diversen Frauen des Zeus. Ganz rechts Hera, die ’not amused‘ ist über ihre ganzen Konkurrentinnen.

Vor der Reise nach Kreta könnte man ja eigentlich das Wissen über die griechische Mythologie auffrischen, dachte ich mir – aber wie behält man eigentlich den Überblick bei den vielen Göttern und Göttinnen? Na mit „Neon Pantheon“ von Nadine Prange und Katja Barthel natürlich!

Zeus, Hades und Poseidon, Aphrodite und Athene, Dionysos und Hermes: Die Namen der populärsten Götter und Göttinnen  sind den meisten geläufig. Aber wie schaut es aus mit Semele, Hera, Mnemosyne, Skylle und Hephaistos? Und wie sind die Damen und Herren miteinander verbrüdert und verschwägert, wer hat mit wem welchen Nachfahren gezeugt und einem anderen den Kopf abgebissen?

Nadine Prange und Katja Barthel haben sich wagemutig in das Dickicht der griechischen Mythologie begeben, um das ganze für uns Leser aufzudröseln. Was nicht einfach war: „Seit der ersten Suche nach spannenden Helden und Heldinnen, ihren Schicksalen und Geschichten, mussten wir uns durch ein schier unendliches und immer unüberschaubar werdendes Labyrinth an Erzählungen, Versionen von Erzählungen und verschiedenen Auslegungen der Geschichten aus unterschiedlichen Zeiten kämpfen, so dass wir häufig genug kaum noch wussten, wie dieses Buch eigentlich zu Stande kommen soll“, schreibt Katja Barthel in einem Nachwort zum Buch, dass vor kurzem in der Edition Büchergilde erschienen ist. Sie haben es offensichtlich geschafft.

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Während sich Katja Barthel um die knackigen Formulierungen der Texte kümmerte, kommen die wundervollen Illustrationen aus der Feder von Nadine Prange, einer diplomierten Buchkunstillustratorin mit einer großen Portion Vorstellungskraft für die absurdesten Verwicklungen von Zeus und Co.
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CoverDenn haarsträubend sind die Lebensläufe und Eigenschaften fast aller Protagonisten in diesem Buch: Kronos zum Beispiel, der so große Angst davor hat, seine eigenen Kinder könnten ihn entmachten, dass er sie – Hera, Hades, Poseidon, Demeter und Hestia – gleich nach der Geburt auffrisst. Was seiner Frau Rheia natürlich nicht gefällt, weshalb sie ihm statt des sechsten Nachkömmlings einen in Windeln gewickelten dicken Stein reicht und das Kind – es ist Zeus – in einer Höhle auf Kreta versteckt. Die Befürchtungen von Kronos werden später war: Zeus stürzt den Vater, sobald er alt genug ist und wird zum größten und mächtigsten Herrscher des Olymp.

Zeus ist natürlich ein Promi, weshalb es mich freute, auch völlig neue Personen kennenzulernen: Iris, die Göttin des Regenbogens zum Beispiel oder Eurybia mit dem Herz aus Stahl, die Astraios, den Vater der Sterne und Windes zur Welt bringt. Auch kannte ich nicht Semele, eine Sterbliche, die mit Zeus Dionysos zeugt, den Gott des Weines und des Gesangs. Oder Metis, die ebenfalls ein Techtelmechtel mit dem Frauenschwarm Zeus hatte – weil dieser allerdings (genauso wie sein Vater) Angst hat, ein potentieller gemeinsamer Sohn könnte ihn seiner Macht berauben, verschlingt er die Frau kurzerhand mit Haut und Haaren.

Nein, einen Wissenstest rund um die Liebschaften und Hinterhältigkeiten, die die griechische Mythologie bereithält, würde ich noch immer nicht bestehen. Aber dafür macht es so großen Spaß, die gewitzten Illustrationen von Nadine Prange anzuschauen und die Texte von Katja Barthel zu lesen, dass man das Buch immer wieder in die Hand nimmt – und irgendwann bleibt dann auch mal was hängen, da bin ich mir sicher…

Nadine Prange und Katja Barthel: Neon Pantheon. Die Welt der griechischen Götter. Edition Büchergilde, 2015. 70 Seiten, 19,90€. ISBN 978-3-86406-051-9

Kategorie Allgemein

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