Im sogenannten ‚Spätkauf‘

Berlin

Berlin-Logbuch 2005 II: „Und das Vorhaben ‚Sommer in Berlin‘ nimmt konkrete Formen an.“

Das Vorstellungsgespräch in der Buchhandlung ist sehr gut gelaufen, ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, dort den Sommer über zu arbeiten. Und dann sind es auch nur 15 Stunden die Woche, also kleine Kinkerlitzchen, die locker zu schaffen sind.

Dann gestern Abend die erste Wohnung angeschaut, Warschauer Straße, direkt um die Ecke von der Chaos-WG, und direkt überaus begeistert. 28 Quadratmeter für 205 Euro warm, ja wo gibt’s denn sowas? Ein enorm riesiges lichtdurchflutetes Zimmer, eigener grosser Balkon, gemütliche Küche und ein netter Mitbewohner, was will man mehr? Natürlich gibt es noch ein paar andere Bewerber, denen ich aber damit voraus bin, dass ich mir das Zimmer als einzige persönlich angeschaut habe… Vielleicht hat mir mein rheinischer Frohsinn ja geholfen, und die Herren entscheiden sich für mich? Ich kann mir jedenfalls momentan gar nichts besseres vorstellen.

Berlin

Typische Männerfrage dann: Wie lang brauchst du den so im Bad? Ääääh… naja, ich bin jetzt keine Fünf-Minuten-Duscherin, aber äh, so lange dusche ich dann auch wieder nicht, und den Rest (die Maske aufsetzen und so…) mache ich eh immer in meinem Zimmer… Wir werden sehen. Ich drücke mir jedenfalls selber die Daumen, denn ich bin in Gedanken schon in dieses Zimmer eingezogen, und wenn das direkt beim ersten Eindruck passiert, dann ist es genau das richtige Zimmer für mich. Ganz viele Kerzen, meine Mandala-Tücher und überhaupt mein Krams (vor allem Bücher), und vielleicht auch ab und an ein netter Typ, der mir Gesellschaft leistet? Wer weiß.

Danach dann H.’s nerv- und krafttötendes Fahrrad durch die Straßen nachhause geschoben, im sogenannten Spätkauf (ich habe das Gefühl, ich werde mich den Sommer über ganz schön daran gewöhnen, dass es hier Geschäfte gibt, die bis tief in die Nacht auf haben und so essentielle Dinge wie Toast und Nutella verkaufen) noch Toast und Aufstrich gekauft; an einem russischen Laden der Versuchung widerstanden, aus lauter Lustigkeit und Experimentierfreudigkeit eine 2 Liter Plastikflasche voll mit Sirupartigem Kirschsaft zum eigentlich unwiderstehlichen Preis von 1,50 Euro zu kaufen. Und dann später mit J. Die ganze Nacht gequatscht, bis es schon wieder hell wurde und erste Ottonormalmenschen ihren Alltag begannen…

Playlist:
Kaizers Orchestra: „Di Grind


Dies ist ein Text aus meinem „Berlin-Logbuch 2005“.
Alle Texte findet ihr hier!


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