In einer magischen Nacht

FilmFilmstill aus "Zimmer 212 - In einer magischen Nacht"

Eine französische Liebeskomödie zwischen Traum und Wirklichkeit: Das klingt abgedroschen, doch „Zimmer 212 – In einer magischen Nacht“ ist ganz wundervoller Film.

Eigentlich würden wir jetzt im Kino sitzen und unsere Französichkenntnisse auffrischen: Vom 26. November bis zum 2. Dezember sollte die 20. Französische Filmwoche in Berlin stattfinden. Aus wohl bekannten Gründen geht das nicht – weshalb das Festival nun online stattfindet und der Kinosessel gegen das heimische Sofa eingetauscht werden muss (außer bei mir: In meinem Wohnzimmer stehen nämlich zwei samtblaue Kinosessel). Ich durfte vorab einen Film sichten und habe mich für Chambre 212 entschieden, der deutsche Titel lautet Zimmer 212 – In einer magischen Nacht.

So richtig magisch beginnt das erstmal nicht, denn Richard entdeckt per Zufall, dass seine Frau Maria eine Affäre hat (Der Klassiker: Sie ist im Bad, er hört ihr Handy vibrieren und liest die Nachricht). Und es ist nicht die erste, wie sie ihm in einem lakonischen Ton gesteht – denn sei es nicht normal, dass man sich nach zwanzig Jahren Ehe auch mal nach anderen umschaut? Das habe er doch sicherlich auch schon getan. Hat er nicht beteuert er, es gibt Streit, Maria packt ihre Tasche und quartiert sich für die Nacht im Hotel gegenüber ein.

Film

Filmstill aus „Zimmer 212 – In einer magischen Nacht“

Doch im Zimmer 212 geht es nicht mit rechten Dingen zu: Auf einmal steht ein junger Mann vor ihrem Bett, es ist Richard – aber als 25-jähriger Jüngling, mit glatter Haut und keckem Kurzhaarschnitt. Wie kann das sein? In einem Moment ist Maria noch verwirrt, im nächsten liegt sie schon nackt mit der „unverbrauchten“ Version ihres Gatten unter den Laken. Als dann plötzlich die Jugendliebe ihres Mannes am Tisch sitzt und kurze Zeit später ein Dutzend ihrer ehemaliger Liebhaber das Hotelzimmer bevölkert, wird es wundersam. Sie alle konfrontieren Maria mit den Entscheidungen, die sie in ihrem Leben getroffen hat. Waren es die richtigen? Hätte sie Richard vielleicht besser nicht geheiratet, sollte sie ihn jetzt verlassen? Wieso wollte sie nie Kinder mit ihm haben, obwohl er sich welche wünschte?

Zimmer 212 – In einer magischen Nacht greift die Themen Ehe und eheliche Treue, Monogamie, Fremdgehen, enttäuschte Träume und gemeinsame Wünsche auf und auch wenn das bisweilen etwas zu sehr in ein Schwarz-Weiß-Denken abrutscht – warum wird Maria, die sich sexuell auslebt, dafür moralisch von allen Beteiligten abgestraft? – macht es dennoch Spaß, sich in diese verwunschene und rätselhafte Geschichte hineinfallen zu lassen. Ein behaglicher Wohnfühlfilm für den Schmuddelwinter!

Der Film wird im kommenden Jahr in den Kinos laufen, jetzt könnt ihr ihn schon im Rahmen der 20. Französischen Filmwoche auf Sooner vom 26.11.-2.12. schauen, das kostet euch 3,95 Euro. 

(Ich wurde für diesen Beitrag nicht bezahlt, durfte den Film aber vorab kostenlos schauen)