#indiebookchallenge: Ein Buch, in dem viel gesoffen wird

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Als ich gefragt wurde, ob ich Patin für die #indiebookchallenge sein möchte, sagte ich gleich zu – und wählte das Thema „Ein Buch, in dem viel gesoffen wird“. 

Zugegeben: Als ich auf die Frage, welches Buch ich im Rahmen der #indiebookchallenge vorstellen möchte, recht schnell „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß von Manja Präkels!“ antwortete, tat ich das natürlich schon allein aufgrund des Titels. Und auch wenn sich der Inhalt letztendlich um ganz andere Dinge dreht – die letzten Jahre der DDR, der Umbruch nach dem Fall der Mauer, die erschreckend schnell groß werdene Neonazi-Szene mit ihren blutigen Kämpfen gegen alle andersartig ausgerichteten Menschen – so lässt sich nicht bestreiten: In diesem Buch wird gesoffen – und zwar verdammt viel!

„Immer wenn ich mit Hitler, der selbstverständlich noch nicht so hieß, Schnapskirschen aß, saßen wir auf dem Boden in seinem Kinderzimmer und es regnete. […] Die Kirschen schmeckten zwar scheußlich, aber sie waren unser Geheimnis, und darauf kam es an. Wir aßen sie mit verkniffenen Gesichtern, bis es uns würgte.“

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In unserem Haushalt wird eher Bier und Wein getrunken – aber tief in der Speisekammer fand ich doch noch den ein oder anderen Schnaps…

„Wenn wir damals unzufrieden waren, konnten wir das ja nicht immer offen sagen, dann haben wir uns eben betrunken – der Schnaps war immer billig!“, erzählte mir einmal eine Freundin, die in der DDR aufgewachsen ist. Das sie damit keine Einzelperspektive vertritt, zeigt sich auch im Roman von Manja Präkels: Für die Erwachsenen gehört es zum guten Ton, bei jeder Gelegenheit mit Hochprozentigem anzustoßen, die Schnapsgläser kreisen, der Likör überdeckt die Bierfahne, selbst die Kinder werden mit in die Kneipen genommen und dürfen dort Spirituosen probieren. Es ist ein einziges Zechen, um nach dem harten Arbeitsalltag und den immer sichtbarer werdenen Umbrüchen in der Gesellschaft der eigenen Stimmung einen Hauch von „ach, ist mir doch scheißegal“ überzustülpen.

„Ihr Vater stellte sich mir vor, indem er einen Kurzen einschenkte und über den Couchtisch schob. ‚Prost.‘ Herr Kasunke war ein hagerer Kerl mit Elvis-Tolle und gelben Augen. […] ‚Die Leber. Da kannste nüscht machen.'“

heißt es an einer Stelle, da war noch alles „gut“ und heimelig und in vordergründig geordneten Bahnen hinter einer Betonmauer verpackt – eine Stimmung, mit der Manja Präkels in ihrem Roman – der teilweise, aber nicht komplett auf ihrem eigenen Leben beruht – spielt, um den Bruch in Gesellschaft und den persönlichen Biographien noch stärker hervorzuheben. Es war nicht alles gut vor dem Fall der Mauer, aber nachher auch oder erst recht nicht und um das irgendwie zu verkraften, griff man zum Alkohol, schwingt darin mit. Für manche bedeutete das aber auch (um mit einem Zitat des kölschen Urgesteins Willy Millowitsch zu enden): „Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort!“. Und jetzt: Prost!

In diesem Buch, das ist mir aufgefallen, spielt der Alkohol eine wichtige Rolle. Worum es in Manja Präkels Roman Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß sonst noch geht, könnt ihr in meiner Rezension nachlesen – mehr zu den Hintergründen und der Entstehung erfahrt ihr in meinem Interview mit der Autorin. Ich lege jedem einzelen von euch diesen Roman ans Herz – erst recht nach den schauerlichen Ereignissen in Chemnitz!

 

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