Ja heißt ja und…

Emcke

Eine Performance wurde zum Buch: In der Schaubühne stellte Carolin Emcke ihr neues Buch „Ja heißt ja und…“ vor, das sich um die #metoo-Debatte dreht.

Und immer wieder diese Bademäntel! „Natürlich hab ich auch einen Bademantel, aber das kommt mir jetzt immer komischer vor“, lacht Carolin Emcke. Dabei ist das Thema, über dass die 2016 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete Autorin an diesem Abend in der Schaubühne mit der FAZ-Journalistin Verena Lueken spricht, gar nicht so wahnsinnig lustig: Es geht um Sex und Macht und Gewalt und Missbrauch (und z.B. Strauss-Kahn, der das Zimmermädchen, welches ihn später wegen Vergewaltigung verklagte, im Bademantel empfing). Die meiste Zeit eher auf der Meta-Ebene, denn vordergründig dient der Abend dazu, das neue Buch der Autorin vorzustellen, das gerade im S. Fischer Verlag erschienen ist: „Ja heißt ja und…“

Wer in den vergangenen Monaten nicht in einem Tiefschlaf gesteckt oder mit Scheuklappen ausgestattet war, muss hier sofort an den umgedrehten Satz „Nein heißt nein“ denken. In der heißblütigen #metoo-Debatte tauchte er immer wieder auf: Wieso fällt es vielen Männern oft so schwer, das Nein einer Frau nicht als kokettierendes „ach, ich möchte mich erst ein bisschen zieren, eigentlich meine ich Ja“ zu interpretieren, sondern schlicht als ein Nein?

Muss ich mich als Frau zurückhalten, wenn mir der Chef einen „freundschaftlichen Klaps“ auf den Po gibt oder sich jemand ungefragt bemüßigt fühlt, über meine Rocklänge/die Weite meines Ausschnitts/meine Lippenstiftfarbe urteilen? Nein, muss ich nicht. Und doch ist diese Zurückhaltung gesellschaftlich derart eingebrannt in unsere Köpfe, dass die Reaktion meistens uneindeutig ausfällt oder aus Scham und Angst ganz ausbleibt.

Wie also reagieren?

Oder weil man schlicht überfragt ist, wie zu reagieren ist. Davor ist auch Carolin Emcke nicht gefeit, die an diesem Abend eine Passage aus dem Buch liest, die sie selbst erlebt hat: Wie eine Freundin ein Abendessen bei sich zuhause ausrichtete und – als sie das Kind im Nebenzimmer zu Bett brachte – hörbar von ihrem Mann geschlagen wurde. Wie sie zurück in die Runde kam und um Fassung rang und mit allen Mitteln versuchte, die Situation zu retten. Wie Emcke einschreiten wollte, ihrer Freundin anbot, sie mit zu sich zu nehmen – aber nicht auf die Idee kam, den Mann zu konfrontieren.

Emcke

Carolin Emcke und Verena Lueken bei der Lesung in der Schaubühne

„Manchmal spürt man erst beim Schreiben, dass ein Text eine bestimmte Form sucht, dass die Worte nicht nur geschrieben, sondern gesprochen, gezeigt werden wollen, mehr noch: dass das, was man schreibt, den eigenen Körper betrifft, die eigene Haut, dass man einen Raum braucht, ein Theater, in dem man sich anders ausliefert, direkter und schutzloser“

heißt es in der Beschreibung der „Lecture Performance“, die Emcke regelmäßig in der Schaubühne aufführt und mit der sie demnächst auch auf Reisen geht.

Denn im Sprechen, im Zeigen und Gestikulieren (und letzteres macht die Autorin auch bei der Lesung offensichtlich sehr gerne und ausladend) bekommen ihre Texte noch eine weitere Ebene, die die Wichtigkeit des Themas unterstreichen. Bei der Buchpremiere wird deutlich: Die Texte von Carolin Emcke haben eine durchschlagende, augenöffnende Kraft – noch eindringlicher werden sie, wenn die Autorin dabei live vor einem sitzt!

Carolin Emcke, „Ja heißt ja und…“ , S. Fischer Verlag, 2019, Gebunden, 112 Seiten, 15.- Euro // Die nächste Lecture Performance „Ja heißt ja und…“ in der Schaubühne Berlin findet am 26., 27. und 28. Juni statt.

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