Kino-Tipp: „Aus einem Jahr der Nichtereignisse“

Nichtereignisse

In Bilder gegossene Entschleunigung: „Aus einem Jahr der Nichtereignisse“ ist ein herzerwärmender Film über die Langsamkeit.

Sound- und Lichteffekte, hektische Schnittfolgen und phrasenhafte Dialoge: Kinofilme, so scheinen mir, ähneln sich in letzter Zeit alle sehr. Was für eine erfrischende Feststellung also, dass es auch noch anders geht! Ann Carolin Renninger und René Frölke beweisen es mit „Aus einem Jahr der Nichtereignisse“.

Die Doku, die 2015 entstand, dreht sich um Willi. Willi geht auf die 90 Jahre zu und lebt noch immer allein auf einem Dreiseitenhof, irgendwo in Norddeutschland, zwischen Hühnern und Katzen. Sein Alltag zeichnet sich durch eine entspannte Routine aus: Frühstück vorbereiten, Hühner füttern, die Post reinholen, die Katzen füttern. Vielmehr passiert nicht. Zwölf Monate haben die beiden Filmemacher ihn dabei begleitet, ihm Fragen gestellt, ohne dabei zu tief in der Vergangenheit zu graben – denn Willi lebt absolut im Hier und Jetzt.

Nichtereignisse

Ab und zu blitzen dennoch prägnante Erinnerungen auf, an die Lust am Schwimmen als Jugendlicher und wie ihm diese Fähigkeit half, sich im zweiten Weltkrieg zu retten. Manchmal wiederholt Willi seine Erzählungen, auch ihm fällt es zunehmend schwer, zwischen schon-gesagt und noch-zu-erzählen zu unterscheiden. Die Zeit verschwimmt, entzerrt die Dinge, verleiht den kleinen Dingen Wichtigkeit und lässt die großen banal erscheinen.

Eingebettet sind diese denkwürdigen Gedankenstücke in zarte Filmaufnahmen von Gräsern, die im Wind wehen, verblichenen Fotos und Spitzengardinen. Dass fast ausschließlich mit Super8 und 16mm Kameras gedreht wurde, trägt zu der beruhigenden Atmosphäre bei – ein kurzes Blinzeln und man sieht sich selbst im wildwuchernden Gemüsegarten der Großeltern stehen, die Füße im Schlamm und in der Nase dieser typische Geruch von Zuhause. Eine in Bilder gegossene Entschleunigung!

„Aus einem Jahr der Nichtereignisse“. 83 Minuten. Ein Film von Ann Carolin Renninger und René Frölke läuft seit dem 14. Juni im Kino, in Berlin im City Kino Wedding, ACUDkino, Tilsiter Lichtspiele, und im Wolf.

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