Kulturtipp: „Das ABC des Reisens“

ReiseKofferaufkleber, 1910er- bis 1950er-Jahre Etiketten aus Afrika, Europa, Lateinamerika und den USA © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

Der Sommer ist vorbei und damit die Hauptsaison für Urlaub – die Ausstellung „ABC des Reisens“ in der Kunstbibliothek nimmt uns auch bei schlechten Wetter mit in ferne Länder.

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
Da taten ihnen die Beinchen weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.

Nicht nur Ameisen gehen – zumindest in der Interpretation von Joachim Ringelnatz – gerne auf Reisen: Auf den Menschen übt das Aufsuchen fremder Orte außerhalb des eigenen Kulturkreises seit vielen Jahrhunderten eine besondere Faszination aus. Waren es im Mittelalter hauptsächlich Seefahrer, Forscher und Händler, die ihre Heimat in Richtung des Unbekannten verließen, wurde das Reisen spätestens mit den Fortbewegungsmitteln Zug und Flugzeug massentauglich. Längst kann man dank Billigfliegern für ein Wochenende „verreisen“. Doch sind das wirklich noch Reisen? Was bedeutete reisen früher und was heute?

Die Kunstbibliothek in Berlin hat sich das Thema anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens für eine Ausstellung ausgewählt. Nicht nur, weil auch dieses Thema massentauglich ist – sondern weil sich im umfangreichen Bestand der Kunstbibliothek unzählige Exponate befinden, die dazu passen. Aus den Sammlungsbereichen Architektur, Buchkunst, Fotografie, Grafikdesign und Modebild hat Kuratorin Christina Thomson Alben, Bücher, Souvenirs, Plakate und Filme zusammengetragen. Clou an der Sache: Die Ausstellung ist alphabetisch sortiert.

Reise

Ausschnitt aus der Ausstellung: Die alten Reiseplakate sind besonders sehenswert

Naheliegend ist es, unter dem Buchstaben A allerlei Alben zu versammeln, in denen Fotografien, Postkarten und andere Fundstücke vom Urlaubsort bzw. der Reisestrecke liebevoll kuratiert festgehalten wurden – eine Tradition, die in Zeiten von Instagram und Reiseblogs leider so gut wie ausgestorben ist. Buchstabe B versammelt Berichte von Forschungs- und Erlebnisreisen, das älteste Exemplar geht zurück bis ins Jahr 1596 und versammelt die Erinnerungen von Jan Huygen van Linschoten an seine Reise nach Goa, das damals noch zu Portugiesisch-Indien gehörte. R wie Reiseführer, S wie Souvenir, U wie Unterkunft sind naheliegende Gruppierungen, aber dadurch natürlich nicht weniger interessant; O wie Oase oder J wie Jetset versammeln aufwändig gesammelte Plakate aus der stilvollen Reisezeit der 1920er und 30er, während über kleine Telefonhörer Frank Sinatra seinen Song „It’s nice to go trav’ling“ zum Besten gibt.

Die Ausstellung „ABC des Reisens. 150 Jahre Kunstbibliothek“ ist liebevoll und luftig zusammengestellt, nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch informativ – und sie wirft die Frage auf, wann wir eigentlich aufgehört haben, das Reisen als etwas exklusives, rares und stilvolles zu zelebrieren und stattdessen zu einem hektischen Abstrampeln von Sehenswürdigkeiten, die instagrammable sind, übergegangen sind…

„ABC des Reisens. 150 Jahre Kunstbibliothek“ läuft vom 20. September 2018 bis 6. Januar 2019 in der Kunstbibliothek im Kulturforum. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 10-18 Uhr, Samstag & Sonntag von 11-18 Uhr. Der Eintritt kostet 8€, ermäßigt 4€.

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