Lieblingsbücher über das Reisen

Reise

Reisebücher gibt es – ein naheliegendes Wortspiel – wie Sand am Meer. Ich stelle euch drei vor, die mir besonders am Herzen liegen und das Fernweh schüren!

„Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“ – Das beliebte Spiel aus meiner Kindheit nutze ich nicht nur, um mit meinen Deutsch lernenden Yoga-Schülern Begriffe zu üben, sondern immer wieder selbst: Ich gehe für mein Leben gerne auf Reisen! In einem regelmäßigen Takt piekst mich der travel bug, packt mich das Fernweh, verspüre ich wanderlust.

Je nachdem, wie der Zeit- und Arbeitsplan es zulässt, gehe ich dann auf Erkundungstour in Berlin und Brandenburg oder packe meinen auf vielen Reisen getesteten Rucksack und setze mich in den nächsten Flieger, Bus oder Zug. Bücher dürfen dabei natürlich niemals fehlen! Welche ich am liebsten lese, wenn mich besagtes Fernweh packt oder ich ihm bereits nachgegeben habe, lest ihr hier. Welches ist euer liebstes Buch zum Thema Reisen?

Der Klassiker: Unterwegs von Jack Kerouac

Im späten Teenageralter stieß ich zum ersten Mal auf die Literatur der Beatniks bzw. der Beat Generation. Schon immer hatte ich eine Vorliebe für die Hippiekultur der späten 1960er Jahre gehegt, da war es nur eine Frage der Zeit, bis ich eine Dekade vorher bei den Herren Kerouac, Ginsberg, Burroughs landen würde. Ich griff als erstes zum Klassiker von Jack Kerouac aus dem Jahr 1957: In On the Road beschreibt er – in großen Teilen autobiographisch geprägt – das rastlose Hin- und Herreisen eines jungen Mannes namens Sal Paradise von der Ostküste der USA.

Um an die Westküste nach San Francisco zu kommen, schummelt er sich in die holprigen Waggons von Güterzügen, schläft im Freien, fährt per Anhalter, lebt nur vom Nötigsten. Manchmal begleitet ihn sein Freund Dean Moriarty, ein ziemlich verrückter Zeitgenosse, und dessen (bzw. eine von vielen) Liebhaberinnen Marylou. In klarer, schnörkelloser Sprache beschreibt Sal seine pausenlose Reise durch die Staaten, gibt sich dem Rausch hin und seiner allgemeinen Unruhe, die ihn nicht stillstehen lässt. Damals schnappte ich beim Lesen nach Luft, so rasant ist die Geschichte – und ging kurz danach zum ersten Mal alleine auf Reisen.

Meine Ausgabe auf dem Foto stammt aus dem Rowohlt Verlag – auch die „Urfassung“ von On the Road ist im Rowohlt Verlag erschienen.

Damit die Seele mitkommt: Slow Travel. Die Kunst des Reisens von Dan Kieran

Hand aufs Herz: Wie viele von euch haben schon mal gedacht „Jetzt bin ich aber wirklich urlaubsreif“, haben sich einen Flug gebucht, sich am Zielort für ein paar Tage in die Sonne gelegt, evtl noch ein straffes Besichtigungsprogramm absolviert, sind dann wieder in den Flieger nachhause gestiegen – und fühlten sich eigentlich gar nicht erholt? Mir persönlich ging das schon sehr oft so. Viele Jahre reiste ich auf diese Weise, wollte möglichst viel in die wenigen freien Tage hieinpressen, fühlte mich aber immer seltsam unentspannt. „Deine Seele braucht länger, bis sie an einem Ort angekommen ist“, sagte mir ein Freund dazu – seitdem nehme ich viel häufiger den Zug oder den Fernbus anstatt das Flugzeug und gebe Herz und Kopf die Gelegenheit, in derselben Geschwindigkeit wie mein Körper zu reisen.

Dan Kieran geht es ähnlich. Sein wirklich wundervolles Buch Slow Travel. Die Kunst des Reisens besteht aus sprechenden Kapiteln wie „Reise nicht nur, um anzukommen“ oder „Folge deinem Instinkt“ und ist die perfekte Anleitung für alle, die sich Zeit lassen möchten. Manchmal wandert Dan Kieran auch einfach von zuhause aus los und schaut, welche kleinen Abenteuer er in seiner unmittelbaren Umgebung erleben kann – ein absolut praktikabler Tipp, wie ich finde!

Slow Travel. Die Kunst des Reisens bekommt ihr über den Heyne Verlag.

Abenteuer vor der Haustür: Karte der Wildnis von Robert Macfarlane

Bücher über die Natur, Naturerlebnisse oder Reiseschilderungen haben eine lange Tradition. Robert Macfarlane, seines Zeichens Brite, tritt in die Fußstapfen des „nature writing“ und begibt sich in Großbritannien auf die Suche: Wo gibt es noch echte Wildnis? Wo sind die Stellen, an denen die Zivilisation noch nicht alles zerstört und bis zur Unkenntlichkeit domestiziert hat – und gibt es diese überhaupt noch?

Man kann diese Sammlung von Erlebnisberichten wie eine Anleitung lesen: Schmiert euch ein paar Stullen, füllt eine Thermoskanne mit Tee, packt den Kompass und die Landkarte ein (oder noch besser: lasst beides zuhause) und geht hinaus in die Natur – um mit offenen Augen und Sinnen zu beobachten, was dort passiert und zu finden ist. Es könnte sehr überraschend sein!

Es gibt eine wundervoll gestaltete Ausgabe von Matthes & Seitz sowie eine – nicht weniger schöne – Version aus dem Ullstein Verlag.
Und was für Bücher passen noch zum Thema?

Reise

Wer die obigen Bücher schon kennt oder noch weitere Tipps haben möchte: Hier noch eine Auswahl weiterer Bücher rund um Fernweh und Reiselust! Teilweise sind die Bücher schon etwas älter, manche sind erst kürzlich erschienen – aber alle sind noch ganz einfach erhältlich.

– „Solotrip. Vom Glück des Alleinreisens“ von Annika Ziehen, erschienen bei Rowohlt
– „Kunst des Reisens“ von Alain de Botton, erschienen bei S. Fischer
– „Alte Wege“ von Robert Macfarlane, erschienen bei Matthes & Seitz
– „Die seltsamsten Orte der Welt“ von Alastair Bonnett, erschienen bei C.H. Beck
– „Maries Reise“ von Marie Pohl, erschienen bei S. Fischer
– „Der Leuchtturm“ von Paolo Rumiz, erschienen im Folio Verlag (und hier von mir besprochen!)

Und psst: Wer sich Literaturpakete für einzelne Länder zusammenstellen möchte, der ist bei der Fernlese Onlinebuchhandlung gut aufgehoben!

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