Lisa Owens und die Quarterlife-Crisis

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„Ich bin dann mal weg“, sagt Claire eines Tages ihrer Chefin und kündigt. Denn eigentlich möchte sie etwas ganz anderes machen. Nur was eigentlich? Mit „Abwesenheitsnotiz“ hat Lisa Owens einen humorvollen Roman über eine junge Frau in der „Quarterlife Crisis“ geschrieben – und damit das Lebensgefühl einer ganzen Generation getroffen.

„Ich habe nicht in der Schule hart gearbeitet und anschließend studiert, um mein Leben lang E-Mails zu verschicken“ – Claire ist Ende Zwanzig, lebt mit ihrem Freund – einem angehenden Hirnchirurg – ein einer Eigentumswohnung in London und ist auf der Suche. Auf der Suche nach dem perfekten Job, der ihr das Gefühl gibt, mit etwas sinnvollem ihr Geld zu verdienen, auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn des Lebens. Ganz schön viel auf einmal! Da braucht man nur einmal zu blinzeln und schwupps – steckt man tief in der „Quarter Life Crisis“ drin.

Claire kündigt relativ überstürzt ihren Job – den mochte sie eh nicht wirklich und hatte ihn damals nur angenommen, um irgendwie in die Arbeitswelt einzusteigen – und sucht fortan händeringend nach einer Tagesstruktur.Sie bewirbt sich auf jede offene Stelle, die ihr zwischen quatschigen Internetvideos in die Hände fällt und dabei ist es dann auch völlig egal, ob das Berufsprofil überhaupt auf ihre Kenntnisse passt – hauptsache irgendwas!

Mit zu viel Zeit gesegnet, flaniert sie durch die Stadt und beobachtet Menschen, sinniert über sich selbst und die Widrigkeiten des Lebens. Keine große Hilfe sind ihr dabei ihre Eltern, die bei jeder Gelegenheit nach ihren Fortschritten fragen, sowie ihre Freundinnen, die allesamt mit einem gut bezahlten Job versorgt sind und gerade intensiv in die Kinderproduktionsphase einsteigen. Man kennt das. Ob Claire und Luke nicht auch bald mal… und überhaupt, wie schaut es aus mit Hochzeit?

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„[…] Es ist ja nicht so, dass ich keine Kinder will, nur… Wie soll ich ein anderes Leben in die Welt setzen, wenn ich nicht mal weiß, was ich mit meinem eigenen anfange?“
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coverLisa Owens hat sich ein Thema ausgesucht, welches ziemlich wahrscheinlich eine ganze Menge „junger Erwachsener“ zwischen Anfang 20 und Anfang 30 anspricht (Hallo!) – aber sie lässt diese Lebenskrise mit Claire Flannery durch eine so liebevoll und zugleich verschrobene Person scheinen, dass man sich als Leser nicht abgeschreckt, sondern verstanden fühlt.

Bei allen Selbstzweifeln bewahrt sich Claire nämlich ihren ironisch angehauchten Humor, der fast auf jeder Seite ein Schmunzeln auslöst – und letztendlich sagt: „Es ist völlig okay, wenn du kurzzeitig nicht weißt, welches Lebensziel du verfolgst. Lass‘ die Jogginghose an, mach‘ dir einen Kaffee, schau ein paar Katzenvideos auf Youtube und denk darüber nach, was du willst – und dann ändere etwas!“

Lisa Owens
Abwesenheitsnotiz
Aus dem Englischen übersetzt von: Brigitte Jakobeit, Karen Witthuhn
Piper Verlag, 2016
Gebunden, 288 Seiten, 18€
ISBN: 978-3-492-05747-9

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