War schön jewesen: Mein Logbuch zur Leipziger Buchmesse

Buchmesse

Was macht man eigentlich als Blogger bzw. Journalistin so alles auf einer Buchmesse? Anstatt auf Twitter oder Facebook minutiös meine Erlebnisse zu kommunizieren, habe ich das gute alte Notizbuch zur Hand genommen und ein Logbuch über meine zwei Tage in Leipzig erstellt!

Donnerstag, 23. März 2017

9.30 Uhr, BERLIN ALEXANDERPLATZ
Ich habe ein klein bisschen Reisefieber, als ich am Alexanderplatz in den giftgrünen Flixbus steige – sitze ich im richtigen? Doch als immer mehr als Comicfiguren verkleidete Teenies einsteigen, bin ich mir sicher: Hier geht’s zur Leipziger Buchmesse! Dass dort jeden März nicht nur die Literaturwelt zusammenkommt, sondern auch die Manga Convention unzählige Besucher anzieht, hatte ich ganz vergessen. Oder verdrängt?

Leipziger Buchmesse12 Uhr, MESSE LEIPZIG
Trotz Baustellenalarm auf der Autobahn kommen wir fast pünktlich auf die Minute an der Leipziger Messe an. Ich bin zunächst etwas orientierunglos – es ist erst mein zweites Mal auf der Buchmesse in Leipzig – und folge erstmal dem Schwarm quer über das Gelände zum Haupteingang. Was sich als falsch herausstellt, denn als Journalistin muss ich mich im Messehaus im Pressebereich akkreditieren – und der ist genau auf der gegenüberliegenden Seite. Auf dem Weg dorthin sammle ich die ersten Messemeter, die ich in den nächsten Stunden noch um einiges vervielfachen werde.

12.30 Uhr, PRESSEBEREICH
Kurze Verschnaufpause im urgemütlichen Bereich für die Journalisten. Im Gegensatz zur Frankfurter Buchmesse, wo wir im vergangenen Jahr in einer Art kalten Bahnhofswartehalle auf fragilen Papierhockern sitzen mussten, darf man sich in Leipzig in dunkelblaue, kuschelige Lounge-Chairs fläzen. Absoluter Pluspunkt: Der Kaffee ist gratis! Offensichtlich beeindruckt mich diese Tatsache so sehr, dass ich es bei jeder Gelegenheit und in allen möglichen Gesprächen lobend erwähne, so dass ich im Nachhinein selber über mich lachen muss. Aber so macht man Journalisten nunmal glücklich! Als zwei Kameramänner an mir vorbeigehen, höre ich sie schmunzelnd sagen: „Lass‘ uns noch schnell einen Kaffee trinken, bevor wir weitergehen, ja?“ – „Aber der Kaffee ist gerade alle!“ – „Okay, dann lass‘ uns das Ganze abbrechen!“

13 Uhr, HALLE 4
Nach erneuter kurzer Orientierungslosigkeit finde ich das Nordische Forum, in dem Nikola Richter soeben die Neuerscheinung „Die Entscheidung der Familie Sender“ von Jesper Clemmensen vorstellt. Die Reportage über eine Flucht aus der DDR über die Ostsee erschien kürzlich in ihrem E-book-Verlag mikrotext. Im Gespräch danach gestehe ich ihr, dass ich mit E-books nichts anzufangen weiß, da ich ungern auf elektronischen Geräten lese. Für diese Reportage würde ich aber gerne eine Ausnahme machen – zur Not drucke ich sie mir halt aus!

Leipziger Buchmesse

14 Uhr, HALLE 2
Alles ist so viel kleiner als in Frankfurt! Ich habe noch kein Gespür dafür, welche Verlage sich hier wo befinden und irre etwas durch die Gegend. Positiv überraschen mich die größeren Stände zu einzelnen Ländern, die jeweils eine Übersicht über ihre Literatur (und vor allem die Übersetzungen ins Deutsche) bieten. Das Gastland Litauen hat einen großen, ganz in weiß gehaltenen Stand aufgebaut, in dem sich in drehbaren Kisten Bücher verstecken; Litauen hatte ich literarisch bisher noch überhaupt nicht auf dem Schirm, nun plane ich einen Blogbeitrag über Literatur aus dem Baltikum!

15:30 Uhr, HALLE 5
Interviewtermin mit Susann Pásztor am Stand von Kiepenheuer & Witsch. Kürzlich erschien ihr Roman Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster, der von einem ehrenamtlichen Sterbebegleiter und seiner ersten „Klientin“, der etwas störrischen Karla handelt. Ich habe so viele Fragen an die Autorin – die auch selbst als Sterbebegleiterin arbeitet -, dass wir die eingeplante halbe Stunde überziehen und auch nach Ausstellen des Aufnahmegerätes noch weiter quatschen. Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen mit einem Hospiz ist es mir ein Anliegen, mich bei ihr für die sicherlich nicht immer leichte Arbeit zu bedanken, die sie und ihre Kollegen und Kolleginnen leisten.

17 Uhr, LEIPZIG-LINDENAU
Für meine drei Tage in Leipzig habe ich einen Schlafplatz in der WG eines Bekannten aus Köln gefunden. Zum Glück habe ich mir die Tram-Verbindungen schon im Vorfeld herausgesucht, denn die Zeit ist knapp: Um 18 Uhr bin ich bereits zu einem Abendessen eingeladen. In Lindenau habe ich gerade mal Zeit, meinen Rucksack aufs Bett zu werfen und den Lippenstift nachzuziehen. Zum Essen komme ich trotzdem verspätet.

18.30 Uhr, CAFÉ OSKAR
Der Klett-Cotta Verlag hat zum gemeinsamen Blogger-Abendessen vor der offensichtlich legendären Tropen-Party geladen. Ich freue mich, endlich mal die Menschen kennenzulernen, mit denen ich sonst nur per Mail kommuniziere! Heute Abend geht es auch um die Vorstellung von Arno Frank (und seinem Roman „So, und jetzt kommst du“) und Kristina Pfister – ihr Debüt „Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten“ habe ich erst kürzlich gelesen und rezensiert und per Zufall sitze ich nun neben ihr am Tisch. Wir trinken Weißwein mit Himbeersirup und ich freue mich, auch Sophie von Literaturen, Ilja von Muromez und Tobias von Buchrevier wiederzusehen. Kurz brandet an den Tischen wieder die Diskussion „Feuilleton vs. Literaturblogger“ auf – aber eigentlich ist dazu längst alles gesagt, oder?

22 Uhr, TELEGRAPH CLUB
Lesung mit anschließender Tropen Party oder Ullsteinparty oder beides, aber wenn ja, was zuerst? An diesem Abend wird es uns nicht leicht gemacht, denn alle Veranstaltungen finden gleichzeitig statt! Wir wandern durch die traumhaften, ruhigen Straßen der Innenstadt zum Telegraph Club, in dem die Party des Ullstein Verlags vonstatten geht. Ich freu mich, dort die Damen von ullstein fünf wiederzusehen, die ich in Berlin beim ullstein blog@about kennengelernt hatte. Auf einer Empore steht eine Kamera bereit, mit der man sich vor vier verschiedenen Hintergründen knipsen kann – alle vier Hintergründe beziehen sich auf eines der Bücher aus dem ullstein fünf Programm. Logisch, dass wir die verschneiten Bäume wählen, die auf den Roman Betrunkene Bäume von Ada Dorian anspielen.

23.30 Uhr, CAFÉ BAUBAU
Wäre ich vernünftig, würde ich jetzt schon im Bett liegen oder mich zumindest auf dem Heimweg befinden. Aber die Tropen Party soll doch so lgendär sein! Stimmt, legendär ist sie dafür, dass es voll, laut und verraucht ist! Trotzdem treffen sich hier alle. „Schau mal, da vorne steht Ijoma Mangold mit Jo Lendle!“ – Promi-Spotting in der Buchbranche. Um kurz nach Mitternacht siegt die Vernunft: Ich winke mir ein Taxi herbei und liege kurze Zeit später in den weichen Daunen. Den vielen Wein bereue ich am nächsten Tag dennoch ein bisschen.
Leipziger Buchmesse

Freitag, 24. März

9 Uhr, TRAMLINIE 16
Die Tram zu den Messehallen ist so voll, dass wir Nase an Nase zusammenstehen. Ein paar Sitze vor mir unterhält ein 80-jähriger Autor (er hat kürzlich einen kleinen Gedichtband veröffentlicht) seine Mitreisenden mit Anekdoten. Nein, zur Frankfurter Buchmesse fahre er nicht, dass sei doch eine reine Verkaufsmesse, Leipzig sei da viel gemütlicher. Ich muss schmunzeln und daran denken, dass mir auf der Leipziger Buchmesse alle fünf Meter eine menschliche „mobile Kasse“ über den Weg läuft – während man in Frankfurt nur am Sonntag Bücher kaufen kann.

10 Uhr, HALLE 5
Erster Termin des Tages: Ein Blogger-Frühstück bei der Stiftung Buchkunst. Geschäftsführerin Katharina Hesse hat „Leipziger Lerchen“ mitgebracht und einige herausragend hübsche (und prämierte) Bücher – sowie ein paar Negativbeispiele. Während wir Kaffee schlürfen diskutieren wir darüber, was ein Buch braucht, um als angenehm lesbar und „hübsch“ betrachtet zu werden und bekommen erklärt, nach welchen Kriterien die Jury die Einreichungen bewertet. Ich verliebe mich derweil in einen ausgezeichnet gestalteten Architekturführer über Köln, der im klassischen mintgrün der Kölner Brücken gehalten ist.

13.45 Uhr, GLASHALLE
Auf dem Weg in die nächste Halle steht mir auf einmal ein großer Maulwurf im Weg. Es ist tatsächlich Herr Krtek, der Maulwurf aus der Sendung mit der Maus! Ich oute mich als totaler Fan und lasse mich mit ihm fotografieren (wie etliche andere Menschen). Dem Menschen unter der schweren Plüschfigur muss ganz schön heiß sein…

14 Uhr, ULLSTEIN VERLAG
Dass gestern vermutlich bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wurde, sieht man den Ullsteinis gar nicht an. Geschäftigt flitzen sie zwüschen den Regalen und Tischen hin und her. Ich schnappe mir einen davon, um mich mit Barbara Kenneweg über ihren Debütroman Haus für eine Person zu unterhalten, einem sehr intensiven Porträt über eine Frau Anfang 30, die ihr altes Leben abbricht und in ein kleines Haus am Stadtrand zieht. Mein Aufnahmegerät schlägt durchweg im roten Bereich an, so laut ist es auf der Messe – ich hoffe, dass ich später überhaupt etwas hören kann.

15.30 Uhr, KUNSTANSTIFTER VERLAG
Der letzte Termin für heute ist ein besonders erfreulicher: Ich treffe mich mit Illustratorin Mareike Engelke auf einen Kaffee. Ihre Arbeit verfolge ich schon seit einigen Jahren und freue mich total darüber, dass kürzlich das erste von ihr illustrierte Kinderbuch „Vor den 7 Bergen“ im kunstanstifter Verlag erschienen ist! Bei einem extrem starken Automatenkaffee, den ich ausversehen mit Süßstoff verhunze, zeigt sie mir Skizzen von ihrem neuen Projekt. Ich bin schon jetzt gespannt, wie sich das weiterentwickeln wird!

16 Uhr, PRESSEBEREICH
Der Akku meines Handys ist so gut wie leer und das mobile Aufladegerät möchte auch nicht kooperieren – es ist Zeit, das Messegelände zu verlassen. Ein wenig die Sonne genießen, durch Leipzig schlendern und etwas richtiges essen sind meine Ziele. Das mich letzteres, bzw. der Versuch, einen Platz in einem Restaurant zu finden, vor ein unlösbares Problem stellen und fast in den Wahnsinn treiben wird, das ist eine andere Geschichte…

Schön war es, Leipzig, bis nächstes Jahr!

 

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