„Nun sag, wie hast du’s mit der Kultur?“ – Das frühe Vogerl

Fotos: Bettina Apelt

Fotos: Bettina Apelt

Bettina kenne ich tatsächlich schon seit zehn Jahren. Ich bin also nicht nur ein großer Fan von ihr im echten Leben, sondern verfolge auch ihren Blog „Das frühe Vogerl und die fabelhaften Veränderungen„, den sie kurz nach der Geburt ihres Sohnes ins Leben gerufen hat.

Liebe Bettina, du bist erst seit kurzem in der Blogosphäre unterwegs. Wie kam es dazu, dass du einen eigenen Blog gegründet hast?
Liebe Julia, so ganz neu bin ich ja auch nicht. Ich hab ja früher viel videogebloggt und Bücher rezensiert oder Autoren wie zum Beispiel Sarah Kuttner interviewt. Das wurde leider irgendwann zu zeitaufwändig. Als ich dann aber letztes Jahr Mutter wurde, hatte ich das Gefühl, dass die Sache mit der kulturellen Identität eine eigene Herausforderung ist. Deshalb habe ich im Spätsommer meinen Blog „Frühes Vogerl“ begonnen. Dort geht es darum, wie viel Kultur für mich machbar ist, wie sich Prioritäten verschieben und wie andere Eltern, deren Umgang mit Kultur ich toll finde, ihren Alltag gestalten. Berlin ist ein toller Ort dafür vieles zu verbinden, finde ich.

Auf „Das frühe Vogerl und die fabelhaften Veränderungen“ schreibst du über dein Leben als Mutter und wie sich dieser neue Alltag mit deiner Liebe zum Kulturleben vereinen lässt. Was inspiriert dich dabei?
Inspirierend finde ich in erster Linie unser eigenes Leben als Familie. Welche Art von Kultur können wir gemeinsam unternehmen? Welche Art von Kultur wollen mein Mann und ich gerne miteinander unternehmen? Was unternehme ich auch mal alleine? Was ist zum Beispiel eine gute Art Urlaub zu machen? Mit Hund und Kleinkind? Inspirierend sind für mich all die Dinge, die gut funktionieren: tolle Kaffeehaus-Entdeckungen, das frühe Vogerl interessiert sich immer mehr für Musik und Bücher, wir planen eine neue Art von Reise und dann bin ich natürlich gespannt, was uns der Sommer bietet.

Du hast Kulturjournalismus studiert und einige Jahre als Redakteurin gearbeitet. Wie war deine Einstellung zu Kultur im Allgemeinen, bevor du Mutter geworden bist?
Das Leben der Alternativkultur fand ich an Berlin schon immer super spannend. Früher ging ich sehr viel in Clubs, Kneipen, wanderte zu Lesebühnen und war auf Konzerten. Meine Affinität zum Nachtleben ist weniger geworden, das jetzt auf das Kind zu schieben wäre einfach. Richtig wäre es nicht. Das hat sich schon vorher verschoben. Bücher, und ein bisschen auch das Internet, waren immer schon meine liebsten Medien.

 

Das frühe Vogerl

Fotos: Instagram / helletage

Und was hat sich diesbezüglich seit der Geburt deines Kindes geändert?
Meine Aktivitäten haben sich mehr auf den Tag verlegt. Weil wir natürlich viel mit unserem Kind machen möchten, und weil der Rhythmus auch ein anderer geworden ist. Außerdem ist der Konsum wohlüberlegter geworden. Ich gehe nicht mehr auf jedes Konzert, das mir vielleicht gefallen könnte, in jeden Film, der mich ein bisschen interessiert oder zu jeder Party, die vielleicht ganz lustig sein könnte. Das macht alles ein bisschen konzentrierter. Aber im durchaus positiven Sinn.

Du lebst in Berlin, wo es kulturell wohl nichts gibt, was es nichts gibt. Gibt es Orte für Kunst, Literatur oder Musik, die du besonders gerne und immer wieder besuchst?
Viele Clubs, die ich früher gerne besucht habe, gibt es in der Form nicht mehr. Das wunderbare Antje Öklesund wird zum Beispiel nicht mehr lange in der Ursprungsform bestehen. Aber das ist nur ein Beispiel. Das Tolle an Berlin ist eigentlich für mich, dass es nicht den einen Ort gibt, der für Kultur steht. Es gibt unglaublich viele Orte, die ich sehr schätze. Ich bin gerne im klischeehaften Prenzlauer Berg zwischen den ganzen Latte Macchiato-Müttern und gehe dort zum österreichischen Imbiss oder Burger essen. Für junge Familien finde ich natürlich alles toll, was im Sommer draußen stattfindet. Und ich hoffe, dass ich diesen Sommer sehr viel Neues kennenlerne. Berlin ist da ganz toll. Nach über zehn Jahren bin ich immer noch ein richtiges Fangirl dieser Stadt.

Wie familienfreundlich sind die Berliner Museen und Galerien?
Ehrlich gesagt, weiß ich da noch nicht so viel darüber. Wir waren vergangenes Jahr auf der Art Berlin Contemporary, die Du uns damals empfohlen hast. Der Ausflug hat für uns mit einem sehr kleinen Kind gut funktioniert. Ein paar Ausstellungen hätten mich interessiert, aber sie waren mir zu brachial für mein Baby. Momentan ist mein Sohn zu bewegungsfreudig für solche Ausflüge, die dann letztlich nur der Mutter was bringen. Interessant wird das sicher wieder, wenn er selber konsumieren kann. Dann möchte ich unbedingt mit ihm ins MACHmit! Museum für Kinder. Das soll toll sein.

Du hast schon immer sehr gerne gelesen und stellst auf deinem Blog immer mal wieder interessante Romane und Sachbücher vor. Hat sich dein Zugang zu Literatur mit deiner Mutterrolle verändert?
Ja. Definitiv. Ich habe früher alles zu Ende gelesen. Kaum, dass ich ein Buch weggelegt hatte. Immer dachte ich, dass es mich vielleicht doch noch erreicht, selbst wenn es mir über lange Strecken nicht gefallen hat. Damit habe ich aufgehört. Finde ich heute ein Buch blöd, lege ich es weg. Dafür entgeht mir vielleicht manchmal ein Roman, der auf den letzten Metern noch einen Zugewinn darstellten würde. Aber ich glaube nicht, dass das sehr häufig vorkommt. Gesamt gesehen ist es aber auf alle Fälle ein Zugewinn.

 

Fotos: Instagram / helletage

Fotos: Instagram / helletage

Welches Buch hast du als letztes gelesen?
Die letzten Bücher waren nicht wirklich erwähnenswert. Ich erzähle Dir lieber von den letzten beiden Büchern, die ich mochte, ok? Das war zum einen Wunderlich fährt nach Norden: ein modernes Märchen von der Radiomoderatorin Marion Brasch, das ich im positiven Sinne eigenwillig fand. Und die Journalistin Okka Rohd hat mit Völlig fertig und irre glücklich ein tolles Buch über ihre erste Zeit als Mutter geschrieben. Das fand ich auch sehr lesenswert.

Und welches liegt ganz oben auf deinem „Stapel ungelesener Bücher?“
Da liegt Clemens Meyers Als wir träumten, aber bis jetzt bin ich noch nicht wirklich reingekommen. Aber einmal probiere ich es noch.

Ich sammle Aphorismen, Sprichwörter und Redewendungen. Gibt es einen Satz oder ein Motto, welches zu deinem Leben passt?
„Da es förderlich ist für meine Gesundheit habe ich beschlossen, glücklich zu sein“. Und: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“. Das ist einmal Voltaire und einmal der Bär Balou. Die Reihenfolge variiert.

Vielen Dank!

Bettina findet ihr auf ihrem Blog, aber auch bei Facebook, Twitter und auf Instagram.

Kategorie Allgemein

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