Robert Gold: „Flieg ich durch die Welt“

Robert Gold "Flieg ich durch die Welt"

Foto: Flickr / phillygdr

Sommer 1989: Die drei Freunde Pascal, Angelo und Wolle trampen durch Ungarn, Rumänien und Bulgarien – ein Sommer, nach dem sich alles ändert. Robert Gold hat in seinem Debutroman „Flieg ich durch die Welt“ die Umbruchstimmung dieser Jahre festgehalten.

Das Abitur ist geschafft und die weite Welt ruft: Wolle überredet seine beiden besten Freunde Angelo und Pascal dazu, den Sommer nicht mit einem Ferienjob, sondern mit einer gemeinsamen Reise zu verbringen. Hinaus in die große weite Welt – soweit es als DDR-Bürger eben geht. Doch steckt da nicht ein ganz anderer Gedanke hinter?

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„Wenn Pascal in den letzten Tagen über seine eigenen Reisepläne sprach, fiel ihm auf, dass sich das Interesse für die Berge Rumäniens oder die Klöster des bulgarischen Rilagebirges in Grenzen hielt. Das Zauberwort hieß „Ungarn“, und Pascal wusste selbstverständnlich, was es damit auf sich hatte.“
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Klar, alle hatten irgendjemanden im Bekanntenkreis, der einen Ausreiseantrag gestellt hatte, hinter verschlossenen Türen wurde über das politische System diskutiert und gelegentlich verteilte man heimlich Flugblätter. Doch abhauen? Für Pascal keine Option. Warum sollte er Berlin verlassen, wo seine Freunde und seine Freundin Jana lebten? Obwohl es mit letzterer streng genommen gerade nicht gut lief und seine Gedanken immer häufiger zu Kati wanderten. Leider war diese die Freundin von Angelo.

Ganz normale Teenager-Probleme also, die sich auf den ersten Seiten des Romans von Robert Gold entfalten. Doch dann ändert sich das schlagartig, als die drei tatsächlich auf Reisen gehen – und Wolle schon bei der ersten Gelegenheit in Ungarn im Kofferraum eines Briten „rübermacht“. Und auch Angelo ist unschlüssig. Letztendlich kehrt Pascal alleine zurück nach Ost-Berlin, wo die Mauer fällt und der Ausverkauf der Stadt beginnt.

Robert GoldAls Leser begleiten wir die Protagonisten die folgenden Jahre bis nach der Jahrtausendwende hindurch, im Zeitraffer werden wir durch Liebesbeziehungen und Trennungen, neue Jobs und Kündigungen, Bekanntschaften und Querelen geführt. Während Wolle zunächst sein Glück in den USA versucht, dann aber aus Heimweh zurück nach Berlin kehrt und dort ein illegales Szene-Restaurant eröffnet, feiert sich Pascal durch das wilde Post-Mauerfall-Berlin, schläft mit der ein oder anderen Frau, heiratet eine Schulfreundin und lässt sich wieder scheiden. Angelo aber bleibt verschwunden.

Was nach viel zu viel Informationen für einen Roman von knapp 400 Seiten klingt, vermag Robert Gold schlüssig zu verpacken. Auch wenn die Lebensgeschichten der Charaktere nur bedingt Höhen und Tiefen aufweisen, die vom Leben eines „Otto Normalmensch“ abweichen, so liest man sich doch gespannt durch die Geschichten – vielleicht gerade weil sie so nah am eigenen Leben sind. Und am Leben des Autors, der, 1970 geboren, im Prenzlauer Berg sein Abitur machte und danach durch Ungarn, Rumänien und Bulgarien reiste und noch kurz vor Ende der DDR zur Armee musste.

„Flieg ich durch die Welt“ von Robert Gold ist ein harmloser Roman, der sich ohne viel Aufsehen in die Riege der „so war meine Jugend in der DDR“-Bücher einreiht, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden schießen – was ihn trotzdem nicht weniger lesenswert macht. Eine gute Wahl für einen langen Sonntag im Garten oder am See!

Robert Gold
Flieg ich durch die Welt
Eulenspiegel Verlag, 2016
Hardcover, 368 Seiten, 19,99€
ISBN 978-3-359-02497-2

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