Selbstgemachte Rösti und ein schöner Arsch

Berlin

Berlin-Logbuch XIII: „Gestern war es soweit: Mein erstes Mal arbeiten ohne die Hilfe einer anderen Kellnerin. Nur der Chef war da.“

Aber da die meiste Zeit des Tages niemand in das Restaurant, oder was auch immer es genau ist, kam, war es ziemlich einfach.Cappuccino und belegte Brötchen bekomme ja sogar ich hin. Dann passierte jedoch das, was passieren musste: Chef für ein halbes Stündchen einkaufen, es
wird in der Zeit ja schon nix großartiges passieren – und dann zwei Frauen. Einmal bitte Pichelberger und einmal hausgemachte Rösti mit Lachs und Sauerrahm.

Ohje. Was zum Teufel ist denn überhaupt Pichelberger? Ertappe mich dabei, wie ich denke, dass das doch ein Getränk ist, oder nicht? Und wie um Himmels Willen mache ich die hausgemachte Rösti? Sehr überfordert. Zum Glück kam dann aber der Chef, so dass die Frauen nicht allzu lange auf ihr Essen warten mussten. Und Pichelberger ist die leckere Suppe die mein Chef kreiert hat.

Den Rest des Tages gähnende Langeweile; intensive und psychologische Gespräche mit Chef geführt – seiner Meinung nach bin ich schon eine richtige Frau, weil ich mich so bewege, und ja, weil ich so einen schönen Arsch habe. Während ich meinem Chef im Giaccomo wahrscheinlich bei so einer Äußerung eine Salatschüssel in sein Gesicht gepfeffert hätte, habe ich es hier als Kompliment aufgefasst. Und mir ist es egal, ob es naiv klingt, aber bei diesem Mann habe ich keine Angst, dass er mich irgendwie belästigen könnte.

Berlin

Direkt nach dem Arbeiten bin ich dann Richtung Grunewald gefahren um mir eine Buchvorstellung anzuhören – mit einem kleinen Zwischenstopp bei den Hackeschen Höfen, um meine neue Sucht nach Franzbrötchen zu befriedigen. Die Lesung fand im Löwenpalais statt, kostete 12€ Eintritt (nicht für mich) und es gab eine Gästeliste – auf der stand ich natürlich nicht drauf, und hoffnungslos underdressed war ich natürlich auch noch.

Ich durfte aber trotzdem rein in die schöne Kulisse, überall Fackeln und Teakholz Gartenmöbel, dazu gab es beim Empfang einen Krabbencocktail serviert. Schön hier, aber etwas zu elitär. Das Publikum bestand zum größten Teil aus Senioren, und ich habe mich gefragt, was diese wohl an dem neuen Buch der Autorin interessiert, die darin aus ihrem ereignisreichen Leben mit ihrem kleinen Sohn berichtet. Aber ich hab mir nachher sagen lassen das Menschen dieser Art ständig hier verkehren, das es Senioren seien, die nichts anderen zu tun hätten, und sich gerne einmal etwas vorlesen lassen. Na gut. In der Pause gab es Buchweizenauflauf mit Gemüseratatouille oder so ähnlich – das Gemüse schmeckte lecker, der Auflauf schrecklich trocken, und so musste ich meinen halbvollen Teller leider dem netten Kellner in die Hand drücken.

Ich habe beschlossen auch Kuratorin eines Museums, oder Vorsitzende einer Stiftung zu werden. Ich kann völlig falsch liegen, aber für mich hört es sich so an, als müssten diese Frauen nicht viel anderes tun als mit diversen Autoren das Du pflegen, auf Parties Smalltalk führen und dabei Wein trinken, Leinenkleidung tragen und gut aussehen. Ich denke das kann ich auch. (Okay, ich weiß natürlich das auch noch viel organisatorischer Kram dazu kommt, aber das erscheint fast schon eine Nebensache zu sein)

Playlist:
Die Sterne: „Universal Tellerwäscher“


Dies ist ein Text aus meinem „Berlin-Logbuch 2005“.
Alle Texte findet ihr hier!