Swing Baby, swing!

Berlin

Berlin-Logbuch XI: „Abends wie immer rüber in die WG-ohne-Grenzen, man muss ja auf dem laufenden bleiben und Emails checken, die enthielten nämlich allerlei Partytips für Berlin von N.“

Leider waren die Programme auf den Homepages der diversen Clubs nicht so überzeugend, also erstmal in die Astro-Bar, ich nachhause und Party Outfit aufgelegt (Schlaghose, rosa Spitzenunterrock, pinker Filzhut). Zurück zur WG, weil ich fälschlicherweise dachte, J. wäre schon zurückgelaufen, aber so war dem nicht. Also den ganzen Weg wieder retour. Wenn ich Kilometergeld für diese Strecke zwischen der Warschauerstrasse und der Weserstrasse bekommen würde…

Dann erstmal einen starken White Russian getrunken (meine Mission diese Semesterferien: sich einmal durch die komplette Cocktailkarte der Astro Bar trinken) und betrunken geworden; wieder zurück und rauf auf die Einweihungsparty einen Stock über der WG. Leute alle ein paar Jahre älter als wir und seltsam wirkend – konnte J. aber versichern, dass sie aussehen wie normale Bonner Studenten. Und solche soll es gerüchterweise auch in Berlin geben. Normale Studenten. Musik war schlecht, Leute seltsam, also entschieden, noch ins Rosi’s zu gehen. Sterne CD mitgehen lassen. Ja, man darf auch mal unartig sein.

Im Rosi’s erst nicht reingelassen worden, weil nach Meinung der Türsteher bereits zu voll (sie hatten ja sooo Recht), also erstmal auf eins der im Sand herumstehenden Sofas gelümmelt und
ein wenig gefroren. (Es ist verdammtnochmal Anfang August, warum ist es nicht warm?)
Aber Hartnäckigkeit wird belohnt, und so haben wir es doch noch an den Schränken am Eingang vorbei geschafft. Heiße, stickige Luft, viel zu viele Menschen, laute Drum n Bass Musik die den Körper hat vibrieren lassen – und zwar so, das es schon unangenehm war.

Berlin

Glücklicherweise gab es im Raum nebenan eine kleine Anti-Drum-n-Bass-Swing-Party, die von außen, weil vermischt mit dem lauten Bass, nicht wirklich einladend wirkte; sich beim näheren Hinschauen aber als willkommene Alternative herausstellte. Zwischen orangen Stoff-Retro-Leuchtern und Plüschsofas aus längst vergangenen Zeiten lässt es sich herrlich seine Hüften schwingen zu der Swing-Musik aus den Sechzigern, oder von wann auch immer, dazu eine in die Musik versunkene, mitsingende DJane (es war Ladyfest).

Beim Versuch, sich an das Mischpult zu lehnen, weil Musik grade nicht tanzbar, Lampe abgerissen, was mich mit einem netten Herren ins Gespräch brachte. Das kam sehr gelegen, war er mir doch schon vorher aufgefallen, aber wie schafft man es heutzutage jemanden anzusprechen, ohne sich den plattgetretenen Sprüchen wie „Bist du öfter hier?“ zu bedienen?
So hat es jedenfalls funktioniert.

Ein paar Minütchen zusammen das Tanzbein geschwungen, dann festgestellt das man sich ja noch gar nicht vorgestellt hat. Also grobe Eckdaten in das Ohr des anderen geschrieen – „Julia-21-Warschauerstrasse-Studentin-Germanistik“ – „G.-26-Sonntagstraße-Student-Film“. Und letztendlich sogar Nummern ausgetauscht. Ausgetauscht! Damit auch ja nicht eine dieser „warum-ruft-er/sie-eigentlich-nicht-endlich-mal-an!“ Situationen entsteht. Als er meinte er bräuchte meine Nummer, damit er die Gewißheit hätte, mich wiederzusehen, war ich etwas skeptisch, aber er scheint es wohl ernst zu meinen.

Um fünf Uhr dann beschlossen, langsam den nachhause Weg anzutreten, zum Glück war es nicht mehr weit, und auf der Strecke lag sogar noch ein Bäcker, der seine Türen für hungrige Partymäuse bereits geöffnet hatte. Schokocroissant gefuttert, müde Glieder in den vierten Stock geschleppt, es ist ja sogar schon hell, ein Anruf von besagtem Menschen, dazu eine SMS: „Werde es morgen noch mal versuchen. Und übermorgen. Bis es klappt.“

Aber jetzt nur noch ein Gedanke: schlafen können, trotz bereits wieder angefangenem
Straßenbahnlärm, hier hat man ja auch keine ruhige Minute..

Playlist:
Count Basie: „Jumpin‘ In The Woodside