„Umbrüche und Utopien“: Monat der Fotografie Berlin

Siebrand Rehberg: Weltfestspiele der Jugend und Studenten am Alexanderplatz, 1973, Courtesy: Collection Regard

Siebrand Rehberg: Weltfestspiele der Jugend und Studenten am Alexanderplatz, 1973, Courtesy: Collection Regard

Ein Blick auf die 100 letzten Jahre und man denkt: Wow, da is ne ganze Menge passiert! So viel, dass sich der 6. Europäische Monat der Fotografie Berlin diese „Umbrüche und Utopien“ zum Thema gewählt hat. Beginn ist am 16. Oktober.

Man kann das gar nicht so leicht zusammenfassen, was im letzten Jahrhundert bzw. in den letzten 100 Jahren alles an einschneidenden Erlebnissen und Veränderungen auf dem Plan stand. Zwei Weltkriege, ein fast drei Jahrzehnte geteiltes Deutschland, Sexuelle Revolution, Wirtschaftswunder und dergleichen. Ein „wahres Potpourri aus Themen“, dessen sich vor allem FotografInnen immer wieder bedient haben. Aber auch der normale Alltag oder die Veränderung von Städten über die Jahre ist ein beliebtes Motiv, wie man im Rahmen des 6. Europäische Monat der Fotografie Berlin sehen kann.

Die Galerie im Tempelhof Museum z.B. zeigt in der Ausstellung Karl-Ludwig Lange. Der Photograph in seiner Zeit. Berliner Jahre 1973 – 2004 Ansichten des Stadtteils Weißensee, der früher am Rande der Stadt lag und von Kleingewerbe geprägt war. Obwohl mittlerweile an die Verkehrsknotenpunkte angeschlossen, liegt er scheinbar noch immer im Dornröschenschlaf. Fotografien Langes aus dem Westteil der Stadt sind im alte feuerwache, dem Projektraum des Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zu sehen, wie er das – noch nicht von Investoren umgebauten – Areal am Hackeschen Markt erlebte, zeigt die Kommunale Galerie im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf.

Berlin in zwei Hälften

Daniel & Geo Fuchs: Hohenschönhausen, Vernehmertrakt I aus der Serie STASI – secret rooms, 2004, Courtesy: Stiftung Starke, Löwenpalais Grundewald

Daniel & Geo Fuchs: Hohenschönhausen, Vernehmertrakt I aus der Serie STASI – secret rooms, 2004, Courtesy: Stiftung Starke, Löwenpalais Grundewald

„Ich war verliebt in diese Stadt“ heißt es bei Will McBride, der in den 1950ern nach Berlin kam und die Stadt mit all ihren Kriegslücken und der Zerrissenheit zwischen Vergangenheit und hoffnungsvoller Zukunft kennenlernte. C/O Berlin – vom alten Postfuhramt in Mitte ins Amerika-Haus nach Charlottenburg gezogen und so erneut in einem historisch bedeutsamen Gebäude untergebracht – zeigt die authentischen Fotografien des Amerikaners. Autenthisch sind auch die Bilder von Sabine von Bassewitz: Sie zeigt Aufnahmen aus dem Bezirk Neukölln, den alle zu kennen glauben und der doch an vielen Stellen ganz anders ist, als man glaubt. Hartz-4-Land oder Hipsteroase? Die Ausstellun „Ordinary City“ läuft in der Galerie im Saalbau.

Das Archiv des Ministeriums für Staatsicherheit, ein fein verästeltes System, enthielt zahlreiche Aufnahmen von Fluchtversuchen aus der DDR. Arwed Messmer hat diese für „Reenactment MfS“ zusammengetragen und einen künstlerischen Blick darauf geworfen: Wie viel Authentizität steckt in den dokumentarischen Bildern, wie viel ist inszeniert? Zu sehen im Haus am Kleistpark. Die Frage kann man sich auch in der Collection Regard stellen, die erneut wenig bekannte Bilder aus der Berliner Geschichte zusammengetragen hat: Zwischen 1971 und 1979 hat Siebrand Rehberg den Alltag im geteilten Berlin festgehalten.

Ganz deutlich liegt der Schwerpunkt der Veranstaltung diesmal auf dem geteilten und wiedervereinigten Deutschland – schließlich feiern wir in diesem Herbst den 25. Jahrestag des Mauerfalls. Ein Thema, welches mich besonders interessiert und fasziniert, daher die etwas einseitige Hervorhebung dieser Ausstellungen. Doch der Monat der Fotografie blickt definitiv auch über den Tellerrand dieser Stadt hinaus und lotet die Grenzen Europas, ihre Veränderungen und damit einhergende Hoffnungen aus – in der Übersicht findet ihr alle 250 Events mit 500 KünstlerInnen an insgesamt 125 Orten. Der Eintritt zu den meisten Ausstellungen ist frei!

 

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