Undiiiiine!

© Theater Anu

Das Theater Anu ist zurück und verzaubert uns auch diesen Sommer auf dem Tempelhofer Feld: Diesmal mit verwunschenen Wassermythen.

Undine! Undiiiiine! Schallt es über die Wiese. Hans sucht verzweifelt seine Geliebte – doch die Wassernixe zeigt sich nicht. Selbst Schuld! Hat er doch versucht, diesen freiheitsliebenden Wassergeist aus seinem natürlichen Umfeld zu entführen und zuhause einzusperren. Undine nimmt Reißaus – obwohl auch sie durchaus von dem Fischer angetan ist. Sie tanzt durch die glitzernden Wellen und singt: „Es waren zwei Königskinder, / die hatten einander so lieb, / sie konnten beisammen nicht kommen, / das Wasser war viel zu tief.“

Streng genommen gibt es gar kein Wasser auf dem Tempelhofer Feld, nur Bäume und Gras. Aber an diesem Abend ist unsere Phantasie gefragt: Das Theater Anu lädt wie jeden Sommer zum Theater im Dunkeln ein. Nach Ovid und seinen Metamorphosen und einem zauberhaften Lichterlabyrinth dreht sich in diesem Jahr alles um „Wassermythen“.

Theater Anu

Die Wassernixe Undine lässt sich nicht einfangen / © Theater Anu

In kleinen Gruppen – das ist coronakonform, war aber auch vor der Pandemie schon so – wandern wir durch das hohe Gras von Station zu Station. Märchenhaft wirken die kleinen Wasserstellen, durch die anmutige Tänzerinnen gleiten; verwunschen die aufgespannten Leinwände, auf denen mit Farbe, Licht und Schatten gespielt wird. Es geht um Wasser in all seinen Funktionen und Bedeutungen: Wasser zum Trinken, Wasser als unüberwindbare Hürde, Fruchtwasser, aus dem neues Leben entsteht. Mit Undine streckt ein mythologisches Wesen ihren Kopf aus dem Wasser und auch Kröte und Silberkugel erinnern uns an ein bekanntes Märchen.

Am Ende wird deutlich, dass die insgesamt sieben Stationen eine Einleitung enthalten und dann jeweils drei Geschichten aus zwei Perspektiven erzählen: Wir werden von Undine betört und erleben dann den Liebeskummer von Hans; folgen einem sehr eigenwilligen Mann mit einem Glitzerkugel-Fetisch zu einem Brunnen, in der eine Kröte sitzt – die eigentlich eine wunderschöne Frau ist, aber verzaubert wurde und jetzt rätselt, wie sie das kommunizieren sollen. Wir begleiten eine filigrane Frau, die zur Mutter wird und eine verzweifelte Frau, die alle Heiligen darum bittet, endlich ein Kind zu bekommen. Über uns funkelt der große Wagen.

Knapp zwei Stunden lassen wir uns durch diese Zauberwelt führen, bevor wir langsam zurück in die Berliner Nacht entgleiten. Ein märchenhaftes Gefühl.

Die „Wassermythen“ werden noch am 29., 30. und 31. Juli sowie am 4., 5., 6. und 7. August aufgeführt. Das erste Zeitfenster beginnt um 21.30 Uhr, das letzte um 23.30 Uhr.