Verliebt in Frida

FridaFrida Kahlo 1932, fotografiert von ihrem Vater Guillermo Kahlo

Maren Gottschalk hat einen Roman über die schillernde Künstlerin Frida Kahlo geschrieben – und den Schwerpunkt dabei auf eine ihrer Affären gelegt.

Friduchita, Frida, ursprünglich eigentlich Frieda: Was hat man nicht schon alles gehört und gelesen von der mexikanischen Künstlerin mit den buschigen Augenbrauen? Und gesehen natürlich! Ihre Bilder, ob man sie jetzt dem Surrealismus zuordnet oder nicht, gehören zu den beeindruckendsten Werken, die die internationale Kunstgeschichte zu bieten hat.

Dabei hatte Frida gar nicht geplant, Künstlerin zu werden. Doch nachdem ihr Unterleib mit achtzehn Jahren bei einem Busunglück von einer Stahlstange durchbohrt wurde und sie als Folge dessen viel liegen musste, begann sie zu malen. Ein paar Jahre folgte die Hochzeit mit Diego Rivera, der um einiges älter war als sie und bereits als wichtigster Volkskünstler Mexikos galt. Es wurde eine Hassliebe, die bis zum Tod Frida Kahlos dauerte.

Maren Gottschalks Roman, der schlicht Frida heißt, erzählt die Lebensgeschichte der Malerin aber nicht chronologisch, sondern mit vielen Rückblicken. Sie beginnt im Jahr 1938, als Frida für einen längeren Aufenthalt nach New York geht, um dort ihre Bilder auzustellen und den internationalen Durchbruch zu schaffen. Von Diego ist sie zu dem Zeitpunkt getrennt und so kann sie ihre Nächte mit ihrem Liebhaber Nickolas Muray verbringen. Der Fotograf und sie haben bereits seit ein paar Jahren ein heimliche Affäre – wobei es vielleicht auch mehr ein offenes Geheimnis ist.

Frida

Dass Frida mit ihren langen und weiten Trachenröcken, den fein bestickten Huipil-Blusen und den frischen Blumen im Haar im eleganten New York der späten Dreißiger auffällt wie ein bunter Hund, überrascht nicht. Zudem trinkt sie gerne einen über den Durst und beginnt dann, obszöne Witze zu reißen, zu fluchen oder kommunistische Lieder zu singen. Nicht alle kann sie mit ihrer unverblümten Art überzeugen. Doch Frida Kahlo ist eine Ausnahmekünstlerin, eine Autodidaktion, die es ablehnt, mit den Surrealisten in einen Topf geworfen zu werden – auch wenn sie mit der Pariser Gruppe um André Breton befreundet ist. Ihre Bilder kommen tief aus ihrem Inneren:

„Ihre Bilder entstehen nie auf der Leinwand, auf der Holz- oder Metalltafel. Sie entstehen zuerst in ihr. Sie bewohnen sie, manchmal tage-, manchmal wochenlang, sie quälen sie mitunter sogar. […] Und wenn sie sich zum Schlafen legt, kriechen sie aus ihren Löchern, aus Nase, Mund, Augen und Ohren, und pressen sich zwischen sie und den Rest der Welt. Jedes Bild, das sie malt, ist eine Befreiung. Eine Entledigung. Eine Geburt.“

Wie sehr diese Frau, die den Großteil ihres Lebens mit starken Schmerzen zurechtkommen musste und dementsprechend viele Tabletten schluckte, die Malerei als eine Art Erlösung brauchte, weiß Maren Gottschalk sehr authentisch zu schildern. Manchmal lesen sich ihre Beschreibung der Liebesbekundungen zwischen Frida und Nick zwar etwas blumig und man könnte sich fragen, ob diese starke und selbstbewusste Frau sich tatsächlich emotional derart abhängig von einem Mann gemacht beziehungsweise ihre komplette Zukunft an dieser Liebe gemessen hat. Doch blumig, üppig und schwelgerisch wirkt auch Frida Kahlo, schaut man sich Fotografien von ihr – am besten die, die besagter Nickolas Muray aufgenommen hat – an.

Das Leben dieser Mexikanerin mit dem bestechenden Blick ist weitestgehend ausgelotet, es gibt Romane und Biografien über sie, eine sogar sehr schön illustriert. Die Romanze mit dem Fotografen wurde bisher jedoch meistens ausgepart, weil kaum Details bekannt sind. Maren Gottschalk schließt also eine Lücke im Leben der Kahlo, auch wenn sie dabei einen Großteil aus ihrer Phantasie entnommen hat – es tut dem ausdrucksstarken und flüssig geschriebenen Roman, der diese beeindruckende Persönlichkeit auferstehen lässt, keinen Abbruch.

Maren Gottschalk
Frida
Goldmann Verlag, 2020
Gebunden, 416 Seiten, 22 Euro