Wegbereiter der modernen Kunst

TschudiPaul Cézanne, "Badende", 1874/75

Ihr wollt „Tschudi“ von Mariam Kühsel-Hussaini lesen? In Kooperation mit dem Adventskalender der Büchergilde könnt ihr den Roman heute bei mir gewinnen! //beendet//

Der Mann muss am Anfang ganz ordentlich Gegenwind bekommen haben: Als Hugo von Tschudi, seit 1896 Leiter der Nationalgalerie Berlin, lauter Malereien französischer Künstler – Manet, Monet, Degas, Cézanne – erwirbt, gefällt das nicht jedem. Besonders Kaiser Wilhelm II. war not amused darüber, dass Tschudi einige der deutschen Künstler ins Archiv verbannte und den Franzosen so viel Platz einräumte. Aber Tschudi hatte seine Gründe – und die weiß Mariam Kühsel-Hussaini in ihrem gleichnamigen literarischen Porträt des Mannes stilvoll und poetisch darzustellen.

„Die Bilder erzählten nicht mehr so viel, sie waren leiser geworden, leiser und verrückter. Die Hand der Maler war nicht mehr jene, die sich für Wochen an nur einem Gesicht entlud, sondern das Licht vom Licht ins Gemälde strich.“

Wenn Tschudi die Werke der Impressionisten betrachtet, schmeckt er die in sattem Orange gemalten Früchte eines Manet, er kann das weiche Haar der Frauen bei Cézanne fühlen und die Seeluft bei Monet riechen. Aber wie erklärt man das jemanden, der an realistische Porträts mit Säbelklirren und Tschingderassabumm gewöhnt ist? Doch es gibt auch Unterstützer in seinem Umfeld, allen voran Max Liebermann, selbst mittlerweile impressionistischer Maler und Kenner des deutschen Kunstmarktes:

„In Paris haik dit versucht zu sajen. So ’ne Kunst kann man eijentlich nur privat sammln. Die Leute kapiern dit nich, die versehn dit nich, für die is dit zu früh, Sie sind zu früh jewesn mit Ihrn wunderschön‘ Ideen! Überall Feinde, überall Missjunst und ick riech dit schon nachts im Schlaf, diesn Hass überall. Vielleicht würd dit sojenannte Publikum nie bereit sein dafür.“

So werkelt sich Hugo von Tschudi durch die Jahre seines Direktorentums, hier ein klüngelndes Weinchen mit wichtigen Kulturakteuren, hier ein formeller Schnack mit dem Kaiser, dazu immer mehr Ablehnung bis hin zu einer Intrige von Wilhelm Bode (nach dem das von ihm gegründete Berliner Museum benannt ist), der Tschudi einst zu seinem Posten verhalf und ihn mit eben soviel Verve von dort wieder entfernte.

Tschudi

Mariam Kühsel-Hussaini hat sich einen Wegbereiter der modernen Kunst als Hauptfigur gegriffen und liegt damit in diesem Jahr im Trend: Robert Seethaler schilderte die letzten Tage des Komponisten Gustav Mahler, Ulrike Draesner Schwi-Schwi-Schwitterte sich durch das Dada-Leben von Kurt Schwitters. Vor allem Draesner gelang es, die Kunst ihres Protagonisten mittels Sprache aufleben zu lassen und das schafft auch Kühsel-Hussaini, wenn sie Tschudi Gemälde ganzkörperlich erfahren lässt.

Ihre Beschreibung des Schweizers, der an Lupus litt und aus diesem Grund eine eigens von Rudolf Virchow entwickelte Maske trug, die sein halbes Gesicht verdeckte, wirken allerdings gelegentlich etwas megalomanisch:

„Meister des Widerspruchs, das war Hugo von Tschudi. Solche Wesen sind in Besitz anderer Kräfte, so unglaubwürdig das auch klingen mag. Sie wären sonst überhaupt nicht in der Lage, solch große Entscheidungen zu treffen und die Folgen zu ertragen.“

Man kann sich an manchen Charakterisierungen stören, auch finden sich immer wieder Formulierungen, die sprachlich eher ungelenk sind – aber wer sich auf Tschudi einlässt, sich Zeit nimmt für den Roman und die Innenschau der Protagonisten, der wird hier definitiv eine Perle der diesjährigen Belletristik entdecken!


Im Rahmen des Büchergilde Adventskalenders darf ich ein Exemplar von Tschudi verlosen! Alles was du tun musst, um zu gewinnen: verrate mir in den Kommentaren deinen Lieblingsmaler/Lieblingsmalerin und gib eine gültige E-Mail-Adresse an – und zwar bis Sonntag, 13. Dezember, 22 Uhr.

Gewonnen hat Andrea Mergner. Herzlichen Glückwunsch!


 

(Dieser Text ist in Kooperation mit der Büchergilde entstanden, unbezahlt).

32 Kommentare

  1. Liebe Julia!

    …so ein wunderbar gestaltetes Buch, über dessen Gewinn ich mich sehr freuen würde!

    Ich habe gleich mehrere Maler*innen, deren Werke ich sehr mag: August Renoir, Paula Modersohn-Becker, Marc Chagall, Tamara de Lempicka und Henri de Toulouse-Lautrec.

    Gruß
    Andreas

  2. Ich bin unglaublich verliebt in Frida Kahlo und ihre Selbstbildnisse

  3. Hallo liebe Julia, erst einmal Danke für diese wundervolle Besprechung dieses herrlichen Büchleins. Ich habe tatsächlich einige MalerInnen, die ich bewundere, stellvertretend möchte ich hier folgende nennen: Gabriele Münter, Georgia O’Keefe und George Grosz.
    Ich wünsche dir noch eine herrliche Adventszeit, Liebe Grüße, Andrea

  4. Mir gefallen die Bilder von Edward Hopper sehr gut. Ich habe auch einige bei mir in der Wohnung hängen. Über den Gewinn würde ich mich sehr freuen!

  5. Ina Camerer

    Einer meiner Lieblingsmaler (schwer zu entscheiden) ist Sean Scully. Aber auch der Lichtkünstler Skulpturenbauer Olafur Eliasson gehört zu meinen Lieblingskünstlern.
    Und natürlich die Expressionisten!

  6. Hallo Julia!
    Vielen Dank für deine Besprechung! Ich würde das Buch gerne lesen…
    Mein Lieblingsmaler ist Paul Klee.
    Herzliche Grüße von Susanne

  7. Andrea Mergner

    Huhu,

    das ist eine tolle Besprechung, die du hier niedergeschrieben hast.
    Mein Lieblingsmaler ist Matisse.
    In seinen Kunstwerken kann ich mich immer wieder verlieren und sie lange betrachten und immer etwas Neues darin finden, was ganz neue Emotionen bei mir hervorruft!

    Viele Grüße
    Andrea

  8. Ich finde die Werke von Anselm
    seröffung in der Kunsthalle Mannheim verschoben werden musste

  9. Hallo Julia,

    meine Lieblingsmalerin ist Frida Kahlo und mein Lieblingsmaler Oskar Schlemmer.

    Liebe Grüße Melissa

  10. Volker Himmelberg

    Vielen Dank für die gelungene Besprechung. Mein Lieblingsmaler ist Yves Klein, in dessen Blau ich mich verlieren kann.

  11. Luciole Sauviat

    Liebe Julia,

    ein von meinen Lieblingsmahler, die ich hier auswähle ist: Paul Klee.

    Viele Grüße!

    Luce

  12. Schöner Beitrag!
    Zu meinen Lieblingsmaler*innen gehört auf jeden Fall Frida Kahlo. 🙂

  13. Vielen Dank! Die Besprechung macht Lust auf das Buch!
    Mich erfreuen die Bilder von Franz Marc besonders.

  14. Ich habe gleich mehrere Lieblingsmaler: Vermeer, Ingres und Klimt.

  15. Janine Köster

    Liebe Julia,
    meine Lieblingsmaler sind Chagall und Klee.
    Ich habe den Roman „Tschudi“ auf dem Schirm, seit er im Schweizer Literaturclub besprochen wurde und würde mich riesig über den Gewinn freuen.
    LG Janine

  16. Liebe Julia,
    ich bin über die Büchergilde auf deinen Blog gestoßen (den ich echt hübsch finde, ich werde gleich nach dem Verfassen dieses Kommentars ein bisschen weiterstöbern) und finde, das Buch klingt wahnsinnig interessant!
    Ich würde sagen, mein Lieblingsmaler ist Salvador Dalí.
    Schöne Grüße!
    Meggy

  17. kann man lieblingskünstlerInnen haben? oje, hm. also immer und immer ists Kurt Schwitters. und dann gibts noch viele viele andere lieben.
    herzliche grüße
    Sylvia Hagenbach

  18. Liebes Fräulein Julia,
    Du hast ja einen schönen Blog!
    Schön, dass Du bei der Adventskalender-Aktion der Büchergilde mitmachst.
    Gern würde ich das Buch über den visionären Kunsthistoriker Hugo von Tschudi gewinnen und versuche einfach mal mein Glück.
    Ich mag den Impressionismus mit Bazille, Manet, Monet, Pissarro, Sisley, Degas oder Renoir. Überhaupt ist Kunst bei mir ein großes Thema. Max Ich freue würde mich auch freuen überLiebermann, Max Reinhardt undJulius Meier-Graefe zu lesen. Ich hoffe damit auf ein kunstvolles Epochenbild, wie ein Gemälde :).

    Liebe Vorweihnachtsgrüße und einen schönen 3. Advent,
    Simone.

  19. Hans Simon-Pelanda

    Da würde ich an große Vergessene wie F. Masareel oder C. Moreau denken…

  20. Linda Schmidtobreick

    Nur einen Lieblingsmaler? Ich einige mich auf Lyonel Feininger.

  21. Liebe Julia,

    da versuche ich doch auch mal mein Glück, und da es sehr schwer ist, sich auf einen einzigen Maler festzulegen (so habe ich gemäß dem Motto „Der Zeit ihre Kunst“ in unterschiedlichen Epochen auch verschiedene Lieblinge), nenne ich jetzt einfach mal Sandro Botticelli, Edward Hopper, Caspar David Friedrich, Peder Severin Kroyer, Gustav Klimt und Lyonel Feininger – und da habe ich vermutlich immer noch welche vergessen…

    Einen schönen dritten Advent und herzliche Grüße,
    Barbara (alias Kulturbowle)

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