Wenn es Nacht wird in der Astro-Bar

Berlin

Berlin-Logbuch VIII: „Seit heute wohne ich in meiner eigenen Wohnung, nicht mehr bei den Jungs. Und ich weiß gar nicht ob ich das so toll finde.“

Trotz dem extremsten Chaos wohne ich immer sehr gerne dort. Aber hey, die WG ist grade mal zwei Tram-Stationen weg, und außerdem bin ich eh nur zwei Monate hier. Da werde ich schon meinen Spaß haben. Nur das .,den-verpennten-J.-wecken“ jeden Morgen wird mir mit Sicherheit fehlen…

Gestern war ich dann das erste Mal bei meinem jetzigen Berlin-Besuch auf dem Ku’damm, ein
bisschen Window-Shopping, denn Geld hab ich eigentlich nicht zuviel, aber abgesehen davon gab es überhaupt nichts was ich hätte kaufen können. Nur mittelmäßiges Zeug, weil die Läden sich noch nicht entscheiden können ob für sie noch Sommer oder schon Herbst ist. Dann mit dem Bummelbus Richtung Kreuzberg nachhause gefahren (man darf hier mit einem
Kurzstreckenticket ja immer nur in eine Richtung fahren, dafür aber zwei Stunden lang..). Leicht verfahren, aber das ist in Berlin schon vorprogrammiert, genau wie das ständige zu­
spät-kommen weil man die Zeit falsch eingeplant hat.

Zuhause (zu dieser Zeit noch die WG) dann verzweifelt etwas Essbares gesucht, weil der Bäcker sich weigerte mir um kurz vor Acht noch Schrippen (auf Deutsch: stinknormale Brötchen) zu verkaufen – leider nur Salat da, also hier und da eine Tomate, dazu eine Möhre mit Frischkäse, etwas rote Paprika. Mit Sicherheit sehr gesund, aber nicht sonderlich magenfüllend.
Abends dann zu Joschka in die Astro-Bar, wie immer, denn wo es kostenlosen Alkohol gibt, da muss ich hin… Lecker Weißwein geschlürft, der nach der Hälfte des Glases schon seine Wirkung zeigte, man hätte eben doch besser etwas essen sollen. J. aber selbes Gefühl im Magen, nur leider in der Bar unabkömmlich, dazu noch den Bar-Schlüssel zuhause liegen lassen. Blieb eine andere Möglichkeit für mich, als Laufbürschin zu spielen?

Berlin

So weit ist es ja dann auch nicht von der belebten und beliebten Simon-Dach-Straße bis zur WG. Aber weit genug, um ganz schön nass zu werden, dabei mit der modisch zu langen Jeans in Pfützen zu treten und sich dumme Kommentare von diversen Kneipenbesitzern und Spielplatzpennern anhören zu müssen. Gegen eventuell auftretende Ohnmachtsgefühle wegen Nahrungsmittelmangel schnell einen Falafel bestellt (Zur Erinnerung: der Geschmacksnervenorgasmusfalafel) und J. einen fettigen Döner mitgebracht.

Dann aufgrund eines fiesen Platzregens inklusive handfesten Gewitters fast die restliche Nacht in der Bar verbracht, teils beim Gläser spülen, teils mit dem Wein an der Bar sitzend, wie ein Mensch ohne Freunde. Aber ich bin nun mal neu in der Stadt und kann die Leute die ich kenne an einer Hand abzählen (wirklich, es sind nur fünf, zumindest fünf mit denen ich alleine etwas unternehmen würde) und wenn der einzige Freund, der in der Stadt ist, nun mal in der Astro-Bar arbeitet, dann darf ich auch bedröppelt dreinschauend an der Theke sitzen.

Auf dem Rückweg natürlich noch nasser geworden, aber noch länger an der Theke rumgammeln war nicht drin, trotz teilweise sehr schöner französischer Chansons, die der etwas seltsame DJ zwischen Heavy-Metal und Schwedenpunk gespielt hat. Im Bett auf eine allabendliche Sex and the City Folge gefreut, musste dann aber feststellen dass ich alle, die sich auf meinem Laptop befinden, schon gesehen habe. Also schnell noch mehr runterladen.
So kann auch an einsamen Abenden in meinem Zimmerehen (es ist eigentlich mehr ein Palast) nichts schief gehen.

Playlist:
Die Sterne: „Big in Berlin“

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