Zu Besuch in… Zagreb

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Der Spruch „Das sieht hier ja aus wie Prenzlauer Berg in den 90ern“ war während unserer Balkanreise zum Running Gag geworden – und passte auf Zagreb fast noch besser als auf Belgrad. Ich war sofort verzaubert von der Hauptstadt Kroatiens.

„Ich muss unbedingt ins Ethnographische Museum, wenn wir in Zagreb sind“, hatte ich schon Tage vorher regelmäßig angemerkt. Außerdem reizte mich das Museum für Naive Kunst und das Museum of Broken Relationsships, ich wollte durch die Altstadt laufen, den ein oder anderen Designshop aufsuchen und etwas folkloristisch gemustertes kaufen. Wie sollte ich das bloß schaffen in einem Tag und ein paar Stunden?

Wir waren nach drei Wochen Rundreise – von Kreta über Athen nach Belgrad, durch Montenegro nach Kroatien  und dann die Küste entlang – an unserer letzten Station angekommen. Ich war wehmütig, dass diese außergewöhnliche und besonders intensive Zeit nun zuende sein würde. Quasi in Torschlusspanik hatte ich mir für die letzten Stunden auf dem Balkan ein straffes Programm zusammengestellt – um es dann vor Ort recht schnell wieder zu verwerfen.

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Denn wie entdeckt und „erfühlt“ man eine Stadt? Sicherlich nicht durch Abhaken einer Liste. Ich schnappte mir Kamera, Sonnenhut und Stadtplan und zog los.
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Kletterte auf den steilen Hügel, auf dem sich die pittoreske – und zu dem Zeitpunkt ziemlich menschenleere – Altstadt befindet. Teils saniert, teils halb verfallen, üben diese kleinen Straßen einen ganz besonderen Charme aus. Ich ließ mich treiben, bog immer dann in eine Straße ab, wenn mich ein eigentümliches Gebäude anlächelte, verlief mich, wurde orientierungslos und landete doch immer wieder wohlbehalten in unserem temporären Zuhause, dem absolut empfehlenswerten Hostel Swanky Mint.

Anders als in Belgrad, wo die Straßenzüge immer wieder von brutalistischer Architektur aus dem Sozialismus durchzogen sind, wirkt Zagreb homogener: an vielen Ecken kann man noch immer die alte K.u.K.-Monarchie erschnuppern, aber der Glanz ist schon längst verblasst. Die Fassaden sind häufig grau und bröseln vor sich hin –  und schon allein deswegen war die Analogie zum Prenzlauer Berg zu DDR-Zeiten noch stärker als in Belgrad.

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Doch zwischen rußgeschwärzten Hinterhöfen regiert immer wieder die Farbe: sei es im Ethnographischen Museum (welches ich mir dann doch nicht habe entgehen lassen), welches eine ganze Etage den verschiedenen nationalen Trachten widmet, oder den bunten Sonnenschirmen auf dem Markt, die sich an eben diesen Trachten orientieren. Zagreb machte mir den Abschied von meiner Reise noch ein bisschen schwerer – und machte mir gleichzeit klar, dass ich auf jeden Fall wiederkommen muss!

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Kategorie Allgemein

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